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F.A.Z.-Sprinter : Von Ohnmacht und Hoffnung

Unsere Sprinter-Autorin: Jessica von Blazekovic Bild: Robert Wenkemann

Während man in Deutschland um Worte für die unfassbare Tat von Halle ringt, richten sich alle Blicke gen Oslo – dort wird heute mit der Vergabe des Friedensnobelpreises ein Zeichen gegen den Hass gesetzt.

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          Zwei Tage nach dem zweifachen Mord und dem Angriff auf eine Synagoge in Halle am höchsten jüdischen Feiertag gibt es zwar neue Erkenntnisse über den Täter und die Hintergründe, doch die Ohnmacht ob dieser schrecklichen Tat hält die Bundesrepublik weiter fest im Griff. Während viele Menschen im Land nach Worten suchen, das Unfassbare zu beschreiben, brachte es Generalbundesanwalt Peter Frank auf den Punkt: „Was wir gestern erlebt haben, war Terror.“ Der Täter, der 27 Jahre alte Stephan B., habe ein Massaker anrichten wollen. Dass dieser Plan nicht aufging, ist seinem eigenen Dilettantismus zu verdanken: B. kann seine Helmkamera nicht bedienen, schafft es nicht, die Tür der Synagoge aufzubrechen, er flucht und nennt sich selbst einen „kompletten Verlierer“. Das bringt ihm auf einschlägigen Internetforen sogar Hohn und Spott ein. An der Ernsthaftigkeit seiner Motive besteht jedoch kein Zweifel mehr: Mit vier Kilogramm Sprengstoff im Auto und bis an die Zähne bewaffnet zog er los, um zu morden. Dass er es dabei insbesondere auf Juden abgesehen hatte, lässt sich unmissverständlich einem elf Seiten langen „Manifest“ entnehmen, das B. vor der Tat veröffentlichte. Darin offenbart er sein rechtsextremes, antisemitisches und menschenverachtendes Gedankengut.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Während vieles davon altbekannten Mustern aus der Neonazi-Szene entspricht, sehen sich die deutschen Sicherheitsbehörden offenbar mit einem neuen Typus potentieller Attentäter konfrontiert: Einzelgänger, die nicht unbedingt real existierenden Zusammenschlüssen von Rechtsextremisten angehören müssen, sich aber dennoch als Teil eines Kollektivs fühlen. Von zentraler Rolle ist dabei das Internet: In den dunklen Ecken der virtuellen Welt suchen sie eine Bestätigung dafür, „dass ihr Hass ‚berechtigt‘ ist und sie nicht allein sind mit ihrer Wut auf wen auch immer“, schreibt F.A.Z.-Herausgeber Berthold Kohler in seinem Leitartikel. Während B. wegen des Vorwurfs zweifachen Mordes, neunfachen Mordversuchs und weiterer Straftaten nun in Untersuchungshaft sitzt, sind viele Fragen in dem Fall weiter ungeklärt und werden uns auch an diesem Freitag noch beschäftigen: Trägt die AfD eine Mitschuld an dem Anschlag, wie es unter anderen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) angedeutet hat? Müssen jüdische Einrichtungen in Deutschland besser geschützt werden? Gibt es Strukturen in Halle, die die Tat begünstigt haben? Wie kann Rechtsextremismus dieser Art bekämpft werden? Auf FAZ.NET halten wir Sie über die Entwicklungen auf dem Laufenden.

          Angesichts des Attentats von Halle fällt es schwer, an Frieden zu denken – und ist es doch so wichtig, um den Hass nicht siegen zu lassen. Deshalb sind heute alle Augen auf Oslo gerichtet, wo der Name des diesjährigen Friedensnobelpreisträgers oder der -trägerin verkündet wird. Der Preis gilt als die renommierteste politische Auszeichnung der Welt und ist mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 830.000 Euro) dotiert. Als heißeste Favoritin gilt unter Friedensforschern und in den Wettbüros die erst 16 Jahre alte schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. Der Preis wäre der vorläufige Höhepunkt ihres rasanten Aufstiegs zu einer weltweiten Ikone im Protest gegen die Folgen des menschengemachten Klimawandels. Sollte Thunberg tatsächlich ausgezeichnet werden, darf man auf ihre Reaktion gespannt sein: Ihr erklärtes Ziel, den Planeten zu retten, hat sie noch nicht erreicht. Sie wird sich also vermutlich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen – und von politischen Symbolen hält sie bekanntlich sowieso wenig. Gefallen dürfte Thunberg indes das Vorhaben der französischen Regierung, große Tanker und Frachtschiffe auf den Weltmeeren auszubremsen, um so Kohlendioxidemissionen einzusparen.

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          Und sonst? Will Amerikas Präsident Donald Trump heute persönlich in die Handelsgespräche mit China einsteigen und sich im Weißen Haus mit dem chinesischen Delegationsleiter treffen. Unternimmt die Koalition in einem Spitzentreffen den nächsten Einigungsversuch bei der Grundrente. Beraten CDU und SPD in Sachsen über Koalitionsverhandlungen. Debattiert die Junge Union in Saarbrücken über die Urwahl des Kanzlerkandidaten. Wählt der Bundesrat einen neuen Präsidenten. Trifft Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron Ungarns Regierungschef Viktor Orban unter angespannten Umständen. Wird in Istanbul der Prozess gegen die deutsche Journalistin Mesale Tolu wegen Terrorvorwürfen fortgesetzt. Beleuchtet die Kinderhilfsorganisation Plan International anlässlich des Weltmädchentages Rathäuser, Kirchtürme, Theater, Marktplätze und andere bekannte Wahrzeichen in Deutschland in einem kräftigen Magenta. Nehmen Fans des Schlagerstars Karel Gott in Prag Abschied von ihrem Idol.

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          Er gilt als begnadeter Verkäufer und lenkte seit 2014 allein die Geschicke des wertvollsten deutschen börsennotierten Konzerns: Bill McDermott hört nun überraschend als SAP-Vorstandschef auf.

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          Der britische Geschäftsmann James Dyson hat seine Pläne, ein Elektroautomobil in Singapur zu entwickeln, beendet.

          Aufgrund eines Taifuns wurde die Formel-1-Qualifikation im japanischen Suzuka auf Sonntag verschoben.

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