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F.A.Z.-Newsletter : Unwörter und Untaten

Unsere Autorin: Anna-Lena Ripperger Bild: Robert Wenkemann

Das Unwort des Jahres wird gekürt, Beschränkungen wie die 15-Kilometer-Regel werden heiß diskutiert und die amerikanischen Demokraten erhöhen den Druck auf Donald Trump. Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Newsletter.

          3 Min.

          Was ist Ihr Unwort des Jahres? „Absonderung“, „Maskenmuffel“ oder „Covidiot“? Oder doch „Wirrologe“? Die Pandemie hat auch unseren Wortschatz beeinflusst – und die Einsendungen für das „Unwort des Jahres“ 2020 dominiert. Heute verkündet die Jury der sprachkritischen Initiative in Darmstadt, auf welchen Begriff ihre Wahl gefallen ist. Bis zum 31. Dezember gingen 1826 Einsendungen mit 625 unterschiedlichen Vorschlägen ein, teilte die Sprecherin der Jury mit. Davon kämen allerdings nur 75 tatsächlich in Frage. Denn die Wörter müssen mindestens einem von vier Kriterien entsprechen: gegen das Prinzip der Menschenwürde oder Prinzipien der Demokratie verstoßen, einzelne gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder „euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend sein“, heißt es in den Grundsätzen der Unwort-Aktion.

          Anna-Lena Ripperger
          Redakteurin in der Politik.

          Die meisten Einsendungen – insgesamt 180 – gingen 2020 zu dem Adjektiv „systemrelevant“ ein, als Ausdruck für als mangelnd empfundene Wertschätzung bei den Beschränkungen. Der Begriff stand allerdings auch auf der Top-Ten-Liste der „Worte des Jahres“, als Beschreibung von Unternehmen und Berufsgruppen, die in der Corona-Krise als unverzichtbar galten. Was wiederum sehr gut zur These unseres Autors Timo Frasch passt, dass der auffälligste Hidden Champion unter den Corona-Gewinnern das Paradoxon ist. Seine unterhaltsame Sprachglosse rund um die (vermeintlichen) Widersprüche der Krise können Sie hier nachlesen.

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          Corona-Konflikte

          Der schleppende Start der bundesweiten Impfkampagne wurde von vielen moniert, nun dürfte sich die Lage etwas entspannen. Ab heute wird ein zweiter Impfstoff an die Bundesländer verteilt, das Mittel des amerikanischen Herstellers Moderna. Wie jener von Biontech und Pfizer ist es ein sogenannter mRNA-Impfstoff, der laut Ständiger Impfkommission „äquivalent in Wirksamkeit und Sicherheit“ ist. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rechnet bis Ende des Quartals mit zwei Millionen Dosen für Deutschland, im Laufe des Jahres sollen 50 Millionen geliefert werden. Auch bei einem anderen Kritikpunkt bewegt sich was: Die Bundesregierung will Labore künftig verpflichten, gezielt nach hochansteckenden Mutationen des Coronavirus zu suchen. Zuletzt war vor allem Spahn dafür angegangen worden, dass es dazu bisher kaum gezielte Laboruntersuchungen gibt.

          Der Zündstoff für neue Debatten scheint in der Pandemie allerdings nie auszugehen: Jüngster Aufreger ist der Vorschlag des bayerischen Gemeindetagspräsidenten Uwe Brandl (CSU), zur Überwachung der 15-Kilometer-Regel in Gegenden mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 200 auch Handydaten zu nutzen. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber wandte sich dagegen. Zu Recht, kommentiert mein Kollege Thomas Holl. Denn das Erstellen von Bewegungsprofilen von Bürgern durch Erfassen ihrer Handy-Daten „wäre Wasser auf die Mühlen von Querdenkern“.

          Die Stunde der Nebenkläger

          Nach der Weihnachtspause hat heute im Prozess um den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke die Nebenklage das Wort. Der Anwalt der Witwe und der Söhne des Ermordeten wird das aus seiner Sicht angemessene Strafmaß für den mutmaßlichen Täter Stephan E. und den wegen Beihilfe angeklagten Markus H. fordern. Was E. betrifft, dürfte er in seinem Plädoyer kaum vom Antrag der Bundesanwaltschaft abweichen. Diese hatte im Dezember die Höchststrafe gefordert: Das Gericht solle E. zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilen, die besondere Schwere der Schuld feststellen und eine Sicherungsverwahrung anordnen.

          Unterschiede dürften bei der Einschätzung der Rolle von Markus H. zu Tage treten. Der Generalbundesanwalt geht bei H. von Beihilfe, nicht von Mittäterschaft aus. Er sieht inzwischen das erste Geständnis E.s als das maßgebliche an, all seine späteren Angaben seien „fortwährend taktisch angepasst“ worden. Die Nebenkläger wiederum ließen in den zurückliegenden Prozesswochen keinen Zweifel daran, dass sie von H.s Mittäterschaft ausgehen. Als das Gericht im Oktober anordnete, dessen Untersuchungshaft aufzuheben, weil es keinen hinreichenden dringenden Tatverdacht mehr gebe, ließ die Familie wissen, diese Entscheidung sei für sie „kaum zu ertragen“. Auch das Plädoyer des Anwalts von Ahmed I. wird heute erwartet. Der Iraker wurde vor fünf Jahren Opfer einer Messerattacke in Kassel-Lohfelden, für die Stephan E. verantwortlich sein soll.

          Und sonst? Erhöhen die amerikanischen Demokraten den Druck auf den abgewählten Präsidenten Donald Trump und treiben ein zweites Amtsenthebungsverfahrens voran. Veröffentlicht das statistische Bundesamt die Bevölkerungsschätzung für das Jahr 2020. Tauscht sich Bundespräsident Steinmeier in einem Instagram-Live-Chat mit Raul Krauthausen über die Belange von Menschen mit Behinderung in der Pandemie aus. Will sich der frühere Audi-Chef Rupert Stadler im vor drei Monaten begonnenen Diesel-Prozess erstmals selbst äußern.

          Die Nacht in Kürze:

          Die deutschen Amtsärzte zweifeln an einem Ende des Lockdowns zum 31. Januar. Wenn überhaupt, könnten Lockerungen nur schrittweise kommen, erklärt die Vorsitzende des Berufsverbandes der Amtsärzte. Neue Impfstoffe lassen jedoch hoffen.

          In Washington wird aus Angst vor neuer Gewalt die Sicherheit für die Vereidigung Bidens erhöht. Nun legt ausgerechnet der dafür zuständige Minister sein Amt nieder.

          Vizepräsident Pence will trotz des Sturms aufs Kapitol kein Impeachment-Verfahren gegen Trump einleiten, sondern mit diesem seine Amtszeit bis zum Ende erfüllen.

          Twitter hat am Freitag mehr als 70.000 Accounts stillgelegt, die offenbar QAnon-Verschwörungstheorien verbreitet haben. Der Kurznachrichtendienst verwies zur Begründung auf die jüngste Gewalt in der amerikanischen Hauptstadt.

          Einen gesunden Tag wünscht Ihnen

          Ihre F.A.Z.

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