https://www.faz.net/-gpc-9zuvg

Die von Ihnen angeforderte Seite kann leider nicht ausgeliefert werden. Das tut uns leid. Interessiert Sie eine andere Geschichte von der aktuellen FAZ.NET-Homepage?

F.A.Z.-Newsletter : School’s out forever?

Unser Autor: Martin Benninghoff Bild: Robert Wenkemann

Corona sorgt nicht nur für entkräftete Eltern und Lehrer: Die Gefahr, dass Bildungsdefizite mancher Kinder größer werden, wächst mit jedem Tag. In China spitzt sich die Hongkong-Frage am Donnerstag zu. Der F.A.Z. Newsletter für Deutschland.

          3 Min.

          No more pencils/No more books/School's out forever! Alice Cooper, nicht gerade als musikalischer Waldorfschüler bekannt, wollte eigentlich nur die letzten Minuten vorm Sommerferiengong bekrächzen, aber natürlich geriet die Hymne des selbsternannten und selbstgeschminkten Horror-Rockers zum Abgesang auf die Schulzeit schlechthin. Das war damals nur Spaß: Vor rund 50 Jahren konnte der Eltern-Schreck a.D. damit noch provozieren, 2020 ist die Liedzeile allerdings auf erschreckende Weise (fast) Wirklichkeit geworden. Die Schulen rütteln sich zwar irgendwie wieder in Richtung Regelbetrieb, aber viele genervte Eltern sehen nach Wochen der Improvisation kaum Licht am Ende des Tunnels und sehnen einen normalen Schulbetrieb nach den Sommerferien herbei, wohlwissend, dass es den flächendeckend wohl noch kaum geben wird. 

          Und nicht nur die Eltern sind am Ende ihrer Kräfte: Wer in diesen Tagen mit nicht weniger genervten Lehrern spricht, die sich seit Wochen bei den Eltern ihrer Schüler durchtelefonieren, aber nur selten jemanden an die Strippe bekommen, der sich auch für das interessiert, was der Lehrer zu sagen hat, ahnt, wie wichtig die tägliche Anwesenheit im Klassenraum gerade für diese Kinder sein muss. Die Kollegin Heike Schmoll macht in ihrem Beitrag auf einen Aspekt aufmerksam, der in der öffentlichen Debatte oftmals unterbelichtet ist: das Bildungsdefizit gerade der ohnehin bildungsfernen Kinder, das mit jedem Monat außerhalb des Regelbetriebs größer wird: „Schüler verlernen das Lernen, Grundschüler der Eingangsklassen lernen nicht Schreiben, Lesen und Rechnen.“ Hier öffnet sich eine weitere Schere, die die Schule bislang mühsam zusammengehalten hat. Was passiert wohl, wenn die Kinder der nicht engagierten Eltern wieder auf die Kinder der engagierten Eltern treffen? Braucht es dann Vorbereitungsklassen, um diejenigen auf Stand zu bringen, die ins Hintertreffen geraten sind?

          Etwas optimistischer sieht es im Veranstaltungsbereich aus: Die Frankfurter Buchmesse, die nun doch im Oktober stattfindet, macht den Anfang bei den überregional bekannten Großveranstaltungen, im Gegensatz zum Fußball nicht komplett ohne Publikum. Öffnen die Messen, kehren die Bands auf die Festivalbühnen zurück, pilgern Besucherschlangen wieder von den S- Bahnhöfen zu den Messe- und Veranstaltungshallen? Schwer zu sagen, was richtig ist. Fakt ist nur: Großveranstaltungen brauchen, anders als Kleinkunstevents, Monate Vorlauf, und irgendwann müssen die Planungen begonnen, die Gäste eingeladen und die Veranstaltungsformate festgelegt werden. Klar ist aber auch: Die Buchmesse wird eine andere werden, und ein Trend, der sich schon eine Zeitlang zeigt, wird sich verstärken: der Trend zu flankierenden dezentralen Veranstaltungen in kleinerem Rahmen, wie kleine Lesungen mit Abstand in den Cafés der Stadt, dazu digitale Angebote ohne Präsenzpflicht. Das muss nicht das schlechteste sein, zumal man sich auf der vergangenen Buchmesse 2019 bei rund 300.000 Besuchern einen Mindestabstand von anderthalb Metern durchaus gewünscht hätte.

          F.A.Z.-Newsletter für Deutschland

          Jeden Morgen ordnen unsere Redakteure die wichtigsten Themen des Tages ein. Relevant, aktuell und unterhaltsam.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          Nach den Beschlüssen zum Wiederaufbauprogramm und zum EU-Haushalt stellt die EU-Kommission mit ihrer deutschen Chefin Ursula von der Leyen heute Details vor. Dazu empfehle ich Ihnen das Interview mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der vor Italiens Schwierigkeiten und einem möglichen EU-Austritt eines Kernlandes der europäischen Einigung warnt. Ans Herz legen möchte ich Ihnen zudem die neueste Ausgabe des F.A.Z. Podcasts für Deutschland. Dieses Mal geht es um die Frage, warum ein Parteimitglied Mitglied einer Partei bleibt, die das Parteimitglied längst nicht mehr in der Partei haben will. Palmer. Kemmerich. Kalbitz. Sarrazin. Aus dramaturgischen Gründen dürfte es jedem sofort klar sein, warum es besser ist, als Linker in einer konservativen Partei oder als Rechter in einer linken Partei zu bleiben. Aufmerksamkeit ist einem jedenfalls garantiert, dafür sorgen schon die eigenen Parteifeinde, pardon: -freunde. Aber hören Sie selbst.

          Und sonst: Endet Chinas Volkskongress: Der Konflikt um Hongkong hat seine nächste Eskalationsstufe erreicht, wenn die gut 2900 Abgeordneten ein Gesetz zur nationalen Sicherheit erlassen, das Hongkong straffer ans Gängelband nimmt. Debattiert der Bundestag ab 9 Uhr über verschiedene Corona-Themen, wie etwa das Steuerhilfegesetz, aber auch über das Urteil zu den EZB-Anleihekäufen. Wird die neue Wehrbeauftragte Eva Högl vereidigt. Tritt Innenminister Horst Seehofer als Zeuge im Maut-Untersuchungsausschuss auf. Trifft sich die Deutsch-Französische Parlamentarierversammlung virtuell zu einer Video-Konferenz.

          Die Nacht in Kürze:

          Die Zahl der verzeichneten Todesopfer durch die Coronavirus-Pandemie in den Vereinigten Staaten hat die Marke von 100.000 überschritten. In keinem anderen Land hat die Coronavirus-Pandemie zu so vielen Opfern geführt.

          Amerikas Präsident Donald Trump ist erzürnt über einen Faktencheck auf Twitter. Noch heute will er deshalb eine neue Verordnung zum Umgang mit sozialen Netzwerken unterzeichnen.

          In der chinesischen Provinz Xinjiang sind laut Menschenrechtsaktivisten mehr als eine Million Uiguren und andere Muslime in Haftlagern eingesperrt. Nun will Amerika die Regierung in Peking dafür bestrafen.

          Wie gefällt Ihnen dieser Newsletter?

          Haben Sie Verbesserungsvorschläge? Welche Themen interessieren Sie? Schreiben Sie uns: Newsletter@faz.de.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Sparen fürs Alter? Das ist besonders für Menschen mit niedrigem Einkommen gar nicht so einfach.

          Betriebsrenten : Geringverdiener ignorieren Zuschüsse fürs Alter

          Mit einer neuen Förderung wollten die Minister Nahles und Schäuble die Verbreitung der Betriebsrenten verbessern. Nun liegen erstmals Zahlen vor, das Ergebnis ist durchwachsen. Entsprechend unterschiedlich bewerten Fachleute das.
          Kirchliche Lebenspraxis rückt zunehmend in die Ferne. Hier ist der Michel in Hamburg zu sehen.

          Positionspapier der EKD : Wenn die Glocken nicht mehr läuten

          Die evangelische Kirche denkt über ihre Zukunft nach. Die Einschnitte sind drastisch, die Visionen ernüchternd. Setzt sie ihre Reformvorschläge um, bleibt fast nichts mehr, wie es war.
          Zu beantworten: Weshalb ist nicht zu ermitteln, woher die mit „NSU 2.0“ gezeichneten Schreiben stammen?

          Nach Drohmails gegen Wissler : Warum sind die Ermittlungen bisher erfolglos?

          Die Drohmails gegen die Linken-Vorsitzende im Landtag sorgen auch innerhalb der Sicherheitsbehörden für Streit. In den Vordergrund rückt die Frage, weshalb nicht zu ermitteln ist, woher die mit „NSU 2.0“ gezeichneten Schreiben stammen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.