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F.A.Z.-Newsletter : Lange Nächte in Brüssel

Unser Autor: Bastian Benrath Bild: Robert Wenkemann

Die EU-Finanzminister verhandeln weiter über ein Virus-Hilfspaket, die Opec-Staaten beraten über den niedrigen Ölpreis und die ersten Erntehelfer aus Osteuropa werden eingeflogen. Was sonst wichtig wird, steht im F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.

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          Es ist nicht immer alles so, wie es scheint. In der Corona-Krise zeigt sich das etwa daran, dass der finanzpolitische Streit gar nicht zwischen Deutschland und Italien abläuft – diese Frontline kennt man zur Genüge – sondern diesmal zwischen Italien und den Niederlanden. Das berichtet mein Kollege Werner Mussler aus Brüssel, der die gestern abermals gescheiterten Verhandlungen zwischen den EU-Finanzministern über ein Hilfspaket in der Viruskrise verfolgt hat. Holland fordert dem Vernehmen nach, dass sich ein Empfängerland von Hilfen zu wirtschaftlichen Reformen verpflichten muss – was die Italiener natürlich nicht wollen. Deutschland und Frankreich versuchten offenbar, zwischen den beiden Positionen zu vermitteln – vergeblich. Nach 16 Stunden Videokonferenz wurden die Verhandlungen schließlich abgebrochen. Heute wollen die Minister einen weiteren Anlauf nehmen, losgehen soll es um 17 Uhr. Es scheint: Bevor Gelder fließen können, müssen die Nächte in Brüssel wieder lang werden.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

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          Im Schatten der Viruskrise schwelt indes auch ein anderer weltpolitischer Machtkampf: der um den Ölpreis. Tanken ist zur Zeit so günstig wie schon lange nicht mehr, weil sich Russland und Saudi-Arabien nicht darauf einigen können, wer seine Ölförderung reduziert. Denn durch das Coronavirus ist die Industrieproduktion auf der Welt scharf eingebrochen. Dadurch wird weniger Öl gebraucht – und der Preis verfällt. Um ihn zu stabilisieren, müsste die Förderung zurückgefahren werden. Doch innerhalb des Förderländerkartells Opec herrscht Uneinigkeit, wer wie viel weniger fördern muss. Heute nun wollen die Staaten in einer Videokonferenz über eine Lösung des Problems beraten, zusammen mit ihren Kooperationspartnern des erweiterten Verbunds „Opec+“. Eine lesenswerte Analyse des Machtkampfs hat mein Kollege Martin Hock aus unserer Finanzmarkt-Redaktion geschrieben.

          Außerdem ist ja noch Ostern. Ob sich die Bevölkerung auch über das vom Wetter her wohl ausnehmend schön werdende lange Wochenende so diszipliniert an die Kontaktbeschränkungen halten wird, bleibt abzuwarten. Um aber zumindest kulinarisch das Zuhausebleiben attraktiv zu machen, werden ab heute Erntehelfer aus dem Ausland eingeflogen – schließlich muss der Spargel gestochen werden. Bislang sind zwei Sonderflüge zum Flughafen Düsseldorf und einer zum Flughafen Berlin-Schönefeld bestätigt. Daran, dass die Spargelstecher aus dem Ausland kommen, führt offenbar kein Weg vorbei. Patricia Andrae aus unserer Rhein-Main-Redaktion kommentiert treffend: Wenn die Bauern faire Preise für ihre Ware und alle Mitarbeiter wenigstens den Mindestlohn erhielten, wäre es weniger schwierig, genügend Helfer für die Ernte zu finden.

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          Und sonst? Starten trotz Pandemie drei Astronauten zur internationalen Raumstation ISS. Bereiten sich die deutschen Kirchen auf ein Osterwochenende voller Video-Gottesdienste vor. Und gibt die landesweite Ausgangssperre in Südafrika den wilden Rhinozerossen des Landes endlich eine Atempause auf der Flucht vor Wilderern.

          Die Nacht in Kürze:

          Kann das öffentliche Leben in Deutschland nach Ostern schrittweise wieder hochgefahren werden? Möglich, sagen Experten der Wissenschaftsakademie Leopoldina, die auch Kanzlerin Merkel beraten.

          Ihre Tonbandaufnahmen brachten die Lewinsky-Affäre ins Rollen und Bill Clinton in Bedrängnis: Linda Tripp ist mit 70 Jahren gestorben.

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