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F.A.S.-Interview : Bahr sieht keine Fortschritte in Demenzforschung

  • Aktualisiert am

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr: „Leider stellen wir in der Demenzforschung noch keinen wesentlichen Fortschritt fest.“ Bild: dpa

Der Bundesgesundheitsminister sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, die Medizin stelle in der Demenzforschung „leider keinen wesentlichen Fortschritt fest.“ Bahr kündigte außerdem an, die Reform der Pflegeversicherung werde 2012 in Kraft treten.

          Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) ist pessimistisch, was den Fortschritt im Kampf gegen Demenz angeht. Bahr sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Leider stellen wir in der Demenzforschung noch keinen wesentlichen Fortschritt fest.“ Die Wahrscheinlichkeit, als Neunzigjähriger dement zu werden, habe vor dreißig Jahren so hoch gelegen wie heute, nämlich bei einem Drittel. Bahr wies darauf hin, dass Regierung und Arzneimittelhersteller zunehmend in die Demenzforschung investierten.

          Der Münchener Wissenschaftler Christian Haass von der Ludwig-Maximiliansuniversität hält es für möglich, Menschen gegen Alzheimer zu impfen: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir bereits den richtigen Impfstoff in der Hand halten. Bei Erkrankten erzielen wir schon gute Ergebnisse, nur ist es für eine Impfung dann bereits zu spät. Was wir bislang nicht testen konnten ist, ob die Substanz auch bei Gesunden funktioniert.“ Der Stoff, der die Alzheimer-Krankheit einleitet, sei ein gewöhnliches Produkt des menschlichen Körpers.

          Eine andere Form der Prophylaxe wäre möglich, wenn man die Kette unterbricht, aus der er hervorgeht. „Ich bin optimistisch, dass wir den Entwicklungsprozess bald ohne Nebenwirkungen verhindern können“, sagte der Biologe. Haas sagte, „die Alzheimerforschung ist eine Erfolgsgeschichte“. Vor zwanzig Jahren habe man nicht geglaubt, so schnell so detaillierte Erkenntnisse zu haben. Der Wissenschaftler Mathias Jucker vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) Tübingen sieht die Demenzforschung auf dem richtigem Weg: „Früher ging man davon aus, man müsse das Gehirn eines Kranken erforschen, um eine Therapie zu finden. Aber wenn die Symptome der Krankheit aufgetreten sind, ist es schon zu spät. Wir haben gelernt, dass wir viel früher ansetzen müssen, nämlich bevor sich die typischen Symptome zeigen. Die Krankheit beginnt wahrscheinlich im Gehirn von Vierzig- oder Fünfzigjährigen. Es ist ganz wichtig, diese Personen jetzt zu untersuchen. Vielleicht ist dann eines Tages Früherkennung möglich.“

          Bei der vererbten Alzheimer-Krankheit, die durch eine Genmutation verursacht wird, sei die Forschung schon weiter. „Wir können deshalb schon in ganz jungen Jahren erkennen, ob jemand die Krankheit bekommen wird oder nicht“, sagte der Neurobiologe. Er glaube an eine Therapie für die Alzheimer-Krankheit: „Es gibt keinen Grund, an der Stoßrichtung der derzeitigen Forschung zu zweifeln. Ich bin durchaus optimistisch, was das angeht.“ Frank Jessen von der Uniklinik Bonn und dem DZNE traut der Wissenschaft einen Erfolg im Kampf gegen die Alzheimer-Krankheit zu. Jessen sagte, weltweit würden derzeit 50 bis 100 Substanzen getestet: „Ich hoffe, dass wir in zehn Jahren ein Medikament haben, das die Erkrankung spürbar verzögert. Der Patient kann dann in einem Stadium stabilisiert werden, das für ihn erträglich ist.“ Möglicherweise werde man Alzheimer nie heilen können, sagte Jessen, „Aber ein Verlangsamung reicht vielleicht aus, schließlich ist es ein Leiden des hohen Alters.“

          Bahr: Pflegereform tritt 2012 in Kraft

          Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) kündigte in dem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung außerdem an, die Reform der Pflegeversicherung werde nächstes Jahr in Kraft treten. Er sagte: „Die Pflegereform soll im ersten Halbjahr des nächsten Jahres in Kraft treten.“ Bahr sagte, Familien, die Angehörige pflegten, sollten entlastet werden, weil sie oft überfordert seien: „Ein pflegender Angehöriger muss Auszeiten nehmen können. Wer Kurzzeitpflege in Anspruch nimmt, bekommt derzeit kein Pflegegeld. Das wird nicht verstanden.“

          Der Gesundheitsminister will das Angebot an Pflegeleistungen flexibilisieren: „Auch möchte ich, dass die Menschen die Pflegeleistungen stärker nach ihren Bedürfnissen wählen können und nicht ein starres Angebot vorfinden.“ Der FDP-Politiker fügte hinzu: „Wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird, ist zuerst die Familie gefordert. Die Gesellschaft muss sie unterstützen und stärken.“

          Bahr will ambulante Pflege und neue Wohnformen, wie betreutes Wohnen, stärken. „Die Arbeitgeber können durch flexiblere Arbeitszeiten einen Beitrag leisten.“ Zu der Beschäftigung ausländischer Pflegekräfte in Deutschland sagte er: „Es gibt heute schon die Möglichkeit, Kräfte aus dem Ausland legal zu beschäftigen. Das gilt es zu stärken.“

          Zur Finanzierung seiner Pläne sagte Bahr, darüber berate die Koalition gerade. Er beharrt darauf, dass zusätzliche Mittel für die Pflege nicht für andere Zwecke genutzt werden dürften: „Die Koalition hat sich deshalb bereits im Koalitionsvertrag darauf verständigt, dass wir zusätzliche Vorsorge für die Pflege im Alter leisten müssen und zwar durch Rückstellungen, die sicher vor etwaigen Zugriffen von Politikern sind.“

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