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Europlatz Frankfurt : Die Geschichte zweier Städte

  • Aktualisiert am

Während Europa allmählich aus seiner schlimmsten Rezession der Neuzeit herauskommt, werden bei einigen Mitgliedsländern tiefe Narben sichtbar. Diese werfen Fragen zum institutionellen Aufbau der Euro-Zone auf.

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          Während Europa allmählich aus seiner schlimmsten Rezession der Neuzeit herauskommt, werden bei einigen Mitgliedsländern tiefe Narben sichtbar. Diese werfen Fragen zum institutionellen Aufbau der Euro-Zone auf. Vor allem Irland und Griechenland stehen wegen ihrer Staatsdefizite, die sich dieses Jahr auf

          12 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts belaufen, der "Aussicht" auf eine weitere wirtschaftliche Talfahrt 2010 und der Unsicherheiten im Zusammenhang mit den notwendigen finanzpolitischen Korrekturen am Pranger.

          In der Realität gibt es jedoch klare Unterschiede zwischen diesen beiden Ländern. Dank kräftigen Wachstums in den Jahren vor der Krise verzeichnete die irische Regierung jährliche Haushaltsüberschüsse von 1 bis 2 Prozent des BIP. So konnte der öffentliche Schuldenstand bis zum Beginn der Krise auf weniger als 25 Prozent des BIP gesenkt werden. Da die irische Regierung in der letzten Zeit keine weiteren Mittel aufgenommen hat, werden 2010 praktisch keine Schulden zur Rückzahlung fällig. Dagegen fuhren die Vorgänger der jetzigen griechischen Regierung in den guten Jahren Defizite in Höhe von mehr als 3 Prozent des BIP ein, so dass sich der öffentliche Schuldenstand bereits vor Beginn der Krise auf circa 100 Prozent des BIP erhöht hatte. Als Folge hiervon muss die griechische Regierung im nächsten Jahr mehr als 16 Milliarden Euro an fällig werdenden Schulden zurückzahlen. Hinzu kommt das sehr hohe Haushaltsdefizit des Landes.

          Bisher begegnen Dublin und Athen den finanzpolitischen Herausforderungen mit unterschiedlicher Entschlossenheit. Die irische Regierung hat sich breite politische Unterstützung für jährliche Haushaltskürzungen in Höhe von 4 Milliarden Euro für drei Jahre gesichert. Zu den beschlossenen Ausgabenkürzungen gehören auch einige sehr unpopuläre, aber langfristig wirkende strukturelle Maßnahmen wie zum Beispiel Gehaltskürzungen im öffentlichen Sektor. Dagegen stand die griechische Regierung, die noch keine zwei Monate im Amt ist, von Anfang an vor großen Schwierigkeiten. Schon bald nach dem Amtsantritt musste sie feststellen, dass das diesjährige Haushaltsdefizit doppelt so hoch sein würde wie bisher pro-gnostiziert. Infolge zunehmender Nervosität an den Märkten und einer Herabsetzung des Kreditratings des Landes sind die Finanzierungskosten für die griechische Regierung merklich gestiegen, so dass sie jetzt für neue Schulden über 2 Prozentpunkte mehr bezahlen muss als Deutschland.

          Am 14. Dezember gab Premierminister Papandreou eine Reihe zusätzlicher Sparmaßnahmen bekannt, die sich auf dem Papier inzwischen auf eindrucksvolle 8 Milliarden Euro summieren. Es besteht kein Zweifel an den guten Absichten der neuen Regierung, die Finanzlage des Landes wieder tragfähig zu machen. Aber es scheint, dass Griechenland ein harter Winter und ein hartes Frühjahr bevorstehen könnten; denn es muss ein Kompromiss gefunden werden zwischen dem, was finanzpolitisch notwendig und sozial verträglich ist.

          Der Autor ist Chefvolkswirt von Goldman Sachs.

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