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Landwirtschaft : Auch Agrarpolitik braucht den Greta-Effekt

Hühnerteile auf einem Markt in Tansania Bild: Getty

Beim Klimawandel ist die Politik aufgewacht. In der Landwirtschaft bisher nicht. Maria Noichl, Abgeordnete der SPD im europäischen Parlament, regt sich darüber auf.

          Frau Noichl, neulich haben Sie bayerische Milch in einem Supermarktregal in Burkina Faso entdeckt. Für eine aus Bayern stammende Politikerin doch ein schöner Anblick.
          Nein, überhaupt nicht. Es geht nicht darum, Landwirtschaft nur bei uns zu schützen, sondern darum, Landwirtschaft insgesamt zu schützen. Wenn man als Politikerin Verantwortung übernimmt, kann das nicht heißen, ich übernehme nur für meine Leute Verantwortung, und der Rest ist mir egal. Das muss man auch verstehen, wenn es darum geht, Fluchtursachen zu bekämpfen. Das taucht im Moment ständig in Überschriften von Papieren auf, auch bei uns in Brüssel und Straßburg. Aber bei vielen ist überhaupt noch kein Problembewusstsein da.
          Sie sind gerade für die SPD ins Europäische Parlament wiedergewählt worden, wo Sie vor allem Agrar- und Afrikapolitik machen. Wieso also ist bayerische Milch eine Fluchtursache?
          In Burkina Faso ist es noch so, dass man die Milch beim Nachbarn kauft oder selbst Tiere hat. Wenn man aber die Städte mitversorgen will – ein ganz großes Thema in Afrika –, dann muss die Milch der einzelnen Kuhhirten gesammelt und haltbar gemacht werden. Die Hirten sind intensiv dabei, dafür Abholsysteme und kleine Molkereien aufzubauen. Gleichzeitig werden aber in Europa, auch durch die hohe Förderung der Landwirte, Übermengen produziert zu einem Preis, bei dem die Afrikaner nicht mithalten können. Wir dumpen Afrika! Das glaubt einem auf der Straße keiner, weil jeder denkt, das kann doch schon wegen unserer Lohnkosten und Umweltstandards nicht sein. Aber es ist so. Aus der Milch ziehen wir alles raus, was wir brauchen, vor allem Butter. Das Milchpulver, das übrig bleibt, wird mit Palmöl zu einer minderwertigen Milch aufgemischt und in Afrika verkauft. Die großen Molkereien erschließen sich so den afrikanischen Markt. Da herrscht Goldgräberstimmung. Da kann in Afrika aus eigener Kraft nichts mehr wachsen.
          Gilt das nur für Milch?
          Bei Hühnerfleisch ist es ähnlich. Man hat die Menschen hier fast schon so erzogen, dass sie nur noch Hühnerbrust kaufen und nicht mehr den Rest vom Huhn. Der geht nach Afrika. Seit 2013 haben wir keine Exportsubventionen mehr, aber die Menge von Hühnerfleisch, das von Europa nach Afrika kommt, hat sich seitdem vervielfacht. Es gibt ein großes Missverständnis, das lautet: Wir müssen die Welt ernähren. Auch Unionspolitiker sind überzeugt, dass wir wegen der steigenden Weltbevölkerung die Landwirtschaft intensivieren müssen, guten Dünger, gute Pestizide brauchen. Sie verkennen, dass es klüger ist, Afrika dabei zu unterstützen, sich selber zu ernähren.
          Wirklich? In der Entwicklungspolitik gilt doch schon seit Jahrzehnten das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe.
          Es wird nur so getan, als wolle man Hilfe zur Selbsthilfe. In Wirklichkeit spricht man von einer „Win-win-Situation“, verschweigt aber, dass das „Win“ bei uns viel größer ist. Zudem meint leider die Mehrheit im europäischen Parlament, dass wir eine exportorientierte Landwirtschaft haben müssen.

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