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Eskalation im Nahen Osten : Raketen schlagen in Jerusalem und Tel Aviv ein

Israelische Panzer am Dienstag in der Nähe der Grenze zum Gazastreifen Bild: AFP

Die Kampfhandlungen erreichen einen kritischen Punkt: Das israelische Kabinett hat den Weg für einen möglichen Truppeneinmarsch in den Gazastreifen frei gemacht. Die Hamas wiederum schießt auf Ziele in Jerusalem und Tel Aviv.

          Fast eine Woche lang hatte die israelische Regierung abgewartet. Doch die Hoffnung, dass Hamas und Islamischer Dschihad ihre Raketenangriffe aus Gaza stoppen, erfüllte sich nicht. Statt auf die ägyptischen Vermittlungsbemühungen einzugehen und zur alten Waffenruhe zurückzukehren, feuerten sie am Montagabend innerhalb kürzester Zeit mehr als 60 Raketen aus dem Gazastreifen auf den Süden Israels ab. Kurz nach Mitternacht dann begann die israelische Armee die Operation „Defensive Edge“.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Der Name soll andeuten, dass Israel sich gegen den Beschuss aus Gaza verteidigt. Am Dienstag machten aber Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Mosche Jaalon deutlich, dass sie auch eine Bodenoffensive nicht mehr ausschließen. Wie viel davon psychologische Kriegsführung ist, war zunächst schwer abzuschätzen. Wenn man schießen wolle, sollte man schießen und nicht lange reden, sagte Amos Gilad, der politische Direktor des Verteidigungsministeriums trocken.

          Am Dienstag genehmigte das Kabinett die Mobilisierung von 40.000 Reservisten. Gegen Ende der letzten großen Militäroperation „Säule der Verteidigung“ im November 2012 standen nach ähnlichen Drohungen 75.000 Soldaten bereit. Auch damals drohte die Regierung mit dem Einsatz von Bodentruppen, schreckte aber vor einem Marschbefehl zurück.

          Rauch und Feuer steigen auf nach einem israelischen Luftschlag am Dienstag auf die Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens

          Vor Beginn der jüngsten Offensive hatte es geheißen, man werde es erst einmal mit einer „kontrollierten Eskalation“ versuchen, um keine Panzer und Soldaten nach Gaza schicken zu müssen: Durch massive Angriffe von außen sowie gezielte Tötungsaktionen soll die Hamas zum Einlenken gebracht werden.

          Hamas-Kommandeur getötet

          Am Dienstag wurde aus Gaza berichtet, dass die Luftwaffe ein Auto zerstört habe. Dabei seien vier Männer umgekommen. Angeblich war ein Hamas-Kommandeur unter ihnen. Aber eine Eskalation ist für beide Seiten schwer zu kontrollieren. Im Süden des Gazastreifens sollen bei einem Luftangriff sieben weitere Menschen getötet worden sein. Palästinensische Rettungskräfte meldeten, dass unter den ersten Toten auch Kinder seien.

          Der bewaffnete Arm der Hamas drohte damit, „den Radius der Ziele bis zu einem Punkt auszuweiten, der den Feind überraschen wird“. Am Abend wurden zum ersten Mal seit 2012 die Ballungsräume Tel Aviv und Jerusalem angegriffen.

          Die Hamas und die anderen Gruppen verfügen nach israelischen Schätzungen über mindestens 10.000 Raketen. Es wird befürchtet, dass mehrere hundert davon den Ballungsraum von Tel Aviv und Jerusalem erreichen können. Erstmals seit Ausbruch der neuen Krise schossen Extremisten aus dem Gaza-Streifen am Dienstagabend offenbar auch tatsächlich auf Tel Aviv . Die Behörden lösten Luftalarm aus, und Live-Bilder des Fernsehens zeigten das Abfangen einer Rakete durch das Abwehrsystem „Eiserner Dom“ der israelischen Luftwaffe.

          Der Beschuss der mehr als 70 Kilometer vom Gaza-Streifen entfernten Stadt bedeutet eine weitere Eskalation. Die israelische Regierung hatte in früheren Konflikten stets mit massiver Vergeltung auf Angriffe gegen Tel Aviv oder Jerusalem reagiert. Tel Aviv war im November 2012 zum ersten Mal aus Gaza angegriffen worden. Damals kamen während der acht Tage dauernden Gefechte auf beiden Seiten mehr als 160 Menschen um; sechs von ihnen waren Israelis.

          Fast tausend Raketen und Granaten schlugen in Israel ein. Die israelische Armee griff mehr als 1500 Ziele im Gazastreifen an. Danach kehrte Ruhe ein und die Abriegelung des Gazastreifens wurde etwas gelockert.

          Im Sommer 2013 scheint der Hamas-Führung jedoch eine Rückkehr zu dieser Waffenruhe nicht mehr auszureichen. Sie verlangt, dass Israel die Palästinenser freilässt, die in den vergangenen Wochen nach der Entführung der drei israelischen Religionsstudenten im Westjordanland wieder festgenommen worden waren. Die Hamas-Mitglieder waren im Austausch für den nach Gaza verschleppten israelischen Soldaten Gilad Schalit freigekommen.

          Widersprüchliche Signale aus Gaza-Stadt

          Von Ägypten verlangt die Hamas zudem die Öffnung des Grenzübergangs in Rafah, von der Autonomiebehörde in Ramallah die Überweisung der Gehälter für mehr als 40.000 Regierungsangestellte in Gaza. Diese Forderungen zeigen, wie verzweifelt die Lage für die Hamas im Gazastreifen geworden ist, nachdem auch die gemeinsam mit den Rivalen von der Fatah-Organisation gebildete Übergangsregierung keine Besserung gebracht hatte. Die Hamas habe kaum noch etwas zu verlieren; vor allem der bewaffnete Arm erhoffe sich von der neuen Konfrontation einen Befreiungsschlag, vermuten manche in Gaza.

          Die Signale aus Gaza-Stadt waren bis zuletzt widersprüchlich. Die politische Hamas-Führung zeigte sich noch am Wochenende gesprächsbereit, während die bewaffneten Kräfte an viel weiterreichenden Plänen arbeiteten. So berichtete die israelische Presse am Dienstag über mindestens einen neuen Tunnel, der für einen massiven Angriff auf Israel gebaut worden sei. Der unterirdische Gang im Süden des Gazastreifens sollte demnach für einen „strategischen Terroranschlag“ bisher unbekannten Ausmaßes genutzt werden, zum Beispiel, um Israelis nach Gaza zu verschleppen, wie einst den Soldaten Gilad Schalit. 

          Das ist Wasser auf den Mühlen derjenigen Israelis, die dazu aufrufen, die Hamas vollständig von der Macht zu vertreiben, weil sie nie Ruhe geben werde. Militärisch ist das wohl möglich. Aber das dadurch entstehende politische Vakuum würde neue Risiken bergen. „Gaza könnte sich dann in eine Anarchie wie in Somalia oder in ein Rückzugsgebiet für mit Al Qaida verbündete Terrororganisationen verwandeln, wie das schon auf dem Sinai, im Nordirak und Teilen Syriens geschah“, schrieb am Dienstag die Zeitung „Jediot Ahronot“. Vielleicht sei die Hamas dann doch das kleinere Übel.

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