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Mission zum Merkur : Der zweite Blick auf das noch ferne Ziel

Zweiter Merkur-Vorbeiflug von BepiColombo: Ein zerklüfteter Planet ganz nah an der Sonne. Bild: ESA/BepiColombo/MTM

BepiColombo ist gestern zum zweiten Mal am Merkur vorbeigeflogen. Was die Sonde dabei gesehen hat, ist ein Vorgeschmack auf die vielen Rätsel, die sie schließlich zu lösen helfen soll.

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          Wer zum Merkur will, muss erst einmal ordentlich bremsen. Diese Faustregel hat aktuell die BepiColombo-Mission der europäischen Weltraumorganisation ESA und der japanischen Raumfahrtbehörde JAXA zu beherzigen. 2018 war sie gestartet, um sich als erst dritte Mission auf den Weg zum sonnennächsten Planeten zu machen, in dessen Umlaufbahn sie 2025 einschwenken soll. Seit ihrem Start ließ sie sich bereits einmal im Schwerefeld der Erde, zweimal in dem der Venus und einmal in dem von Merkur selbst abbremsen. Am Donnerstag passierte sie den Merkur nun zum zweiten Mal – und sendete Fotos von dessen Oberfläche.

          Sibylle Anderl
          Redakteurin im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Das erste, wenige Stunden nach der Aufnahme um 11.49 Uhr deutscher Zeit von der ESA veröffentlichte Bild zeigt die an geologischen Merkmalen reiche Oberfläche des Planeten. Die Sonde blickte dafür aus einer Entfernung von 920 Kilometern auf die Kraterlandschaft. Fünf Minuten vorher war sie Merkur sogar bis auf 200 Kilometer nahe gekommen. Da befand sich BepiColombo allerdings noch über der Nachtseite des Merkur. Der noch sehr schräge Einfall des Sonnenlichts lässt die geologischen Merkmale besonders deutlich hervortreten.

          Die Aufnahmen stammen von einer der drei Kameras des Mercury Transfer Module (MTM), das die beiden Satelliten der Mission, den Mercury Planetary Orbiter (MPO) und den Magnetosphärenorbiter, zum Merkur befördert. Beide sollen den Planeten schließlich auf verschieden hohen polaren Bahnen umkreisen. Die Kameras des Transfermoduls sind so positioniert, dass sie ein Solarpanel und den MPO im Blick haben. Auf dem Bild der Kamera 2 sind auch Teile der Trägerstange für das Magnetometer und einer Antenne des MPO zu sehen. Die Auflösung dieser Kameras ist mit 1024 mal 1024 Pixeln noch moderat. Die hochauflösenden wissenschaftlichen Kameras der Mission bleiben während der Reise noch sicher verstaut und werden erst in der Merkur-Umlaufbahn in Betrieb genommen.

          Die Aufnahme zeigt große Einschlagkrater. Der hinter der Magnetometerstange sichtbare, aus mehreren Ringen bestehende Krater ist etwa 200 Kilometer groß. Rechts neben dem Träger ist eine insgesamt ebenfalls etwa 200 Kilometer lange und rund zwei Kilometer hohe Abbruchkante zu sehen, der in diesem Monat erst der Name „Challenger Rupes“ nach einem Expeditionsschiff aus dem 19. Jahrhundert gegeben wurde. Einige abgebildeten Krater sind noch recht jung. Oben rechts im Bild ist ein kleiner Krater sichtbar, von dem helle Strahlen ausgehen. Es ist Material, das beim Einschlag weggeschleudert wurde. Diese Strukturen und die ebenfalls erkennbaren Verwerfungen können Hinweise auf den inneren Aufbau und insbesondere auch die Tektonik des Merkur liefern – ein Thema, das auch auf der wissenschaftlichen Agenda der Hauptmission ab 2026 weit oben steht.

          Der Merkur birgt schließlich noch so manches Geheimnis, denn von der Erde aus gesehen steht er am Himmel stets der Sonne recht nahe, so dass er von allen Planeten mit bodengestützter Astronomie am schlechtesten zu beobachten ist. 1974 und 1975 zog die Mariner-10-Sonde dreimal an ihm vorbei, zwischen 2011 und 2015 umflog ihn außerdem die Messenger Sonde. Insbesondere letztere Mission warf einige Fragen auf. So zeigte sich etwa, dass die chemische Zusammensetzung der Oberfläche deutlich von den Erwartungen abwich. Zudem gibt es geologische Merkmale, die man von anderen Planeten nicht kennt, etwa die sogenannten „Hollows“ – Mulden, die vermutlich durch Ausgasungen der Oberfläche entstehen und auf dem aktuellen Bild in einem der Krater oben rechts zu finden sind. Zudem zeugt die Oberfläche von tektonischer und vulkanischer Aktivität. Merkur scheint also eine geologisch sehr aktive Vergangenheit gehabt zu haben. All dies besser zu verstehen, war Motivation dafür, BepiColombo auf den Weg zu schicken. Vier weitere Vorbeiflüge am Merkur stehen der Sonde nun noch bevor. Der nächste wird in einem Jahr stattfinden.

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