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Es lebe die Galerie! : Kunstnomaden ziehen umher

  • -Aktualisiert am

Berlin feiert sein zehntes Gallery Weekend - und stellt sich erfolgreich selbst aus. Eine Begehung.

          Zweimal schon haben sie den Nachbarn das Fernsehkabel durchgeschnitten. Natürlich aus Versehen. Trotzdem standen bald fünf Mieter vor der Tür - in dem Plattenbau in der Berliner Linienstraße wird auch tagsüber gern mal ferngesehen. Rentner wohnen hier Tür an Tür mit Studenten und Künstlern hinter grauen WBS-70-Platten, dem späten DDR-Klassiker in grobem Kies. Es sind die letzten bezahlbaren Inseln von Berlin Mitte, links und rechts ist alles cremefarbener, überteuerter Altbau. Und im Hof dieser Betoninsel steht ein zweigeschossiges Trumm mit vergitterten Fenstern. Bis vor kurzem war es das Heizhaus der Linienstraße 119, jetzt wird es, was aus allen seltsamen Gebäuden in Berlin früher oder später einmal wird: eine Galerie. Und nicht irgendeine: Neu ist eine der festen Größen in Berlin, dieses Jahr feiert man zwanzigstes Jubiläum, es fällt zusammen mit dem zehnten Geburtstag des Gallery Weekend am nächsten Wochenende.

          Überall in der Stadt werden derzeit alte Ausstellungen ab- und neue aufgebaut, die wichtigsten, größten, besten des Jahres werden es wohl wieder werden. Die Konkurrenz ist groß: Allein fünfzig Galerien nehmen offiziell Teil, ungezählte weitere profitieren vom so angelockten Publikum. Das erste Maiwochenende in Berlin ist ein Termin, auf den sich die Sammler zeitgenössischer Kunst in der ganzen Welt einigen können, die Kuratoren, Kunstvermittler und Galeristen sowieso.

          Nur einen Tag nach den gepflegten Traditionskrawallen vom 1. Mai werden also wieder dicke schwarze Autos wichtige Sammler durch die Stadt fahren. Und bei Neu ist noch nicht mal der Boden fertig. Wie kann der Galerist da so ruhig bleiben? „Am Sonntag kommt der Estrich“, sagt Thilo Wermke, er hat da gar keine Zweifel. Um ihn wuselt ein Dutzend Handwerker, es wird gebohrt und geschraubt, ein feiner Staub liegt auf dem zierlichen DDR-Geländer und den ebenso zierlichen Kunststoffgriffen der Fenster. („Die werden nicht mehr hergestellt“, warnt der Reporter. „Ja, aber wir haben einen Vorrat.“) Die Oberlichter können sie zwar erst im Sommer einbauen, aber immerhin, das Jubiläum findet in neuen Räumen statt, die nicht irgendwelche sind, sondern eben ein DDR-Heizhaus, umgebaut vom Büro Kuehn Malvezzi.

          Gagosian hat keine Plattenbauheizung

          Berliner Galerien sind nie in irgendwelchen Räumen. Berliner Galerien sind in Stalinbauten untergebracht, in großbürgerlichen Wohnungen, Serverräumen, einem umgebauten Ballsaal, einer Betonkirche, einer riesigen Zeitungsdruckerei, einem Kaufhaus, einer Marmorhandlung oder in außergewöhnlichen, eigens errichteten Galeriehäusern von David Chipperfield und Arno Brandlhuber.

          Das Gallery Weekend ist die perfekte Gelegenheit, diesen Vorteil für sich und seine Künstler auszuspielen. Deshalb funktioniert es so gut. Ein Gagosian mag elf Galerien auf der Welt haben, ein Plattenbauheizhaus hat er nicht. Und auch keine Düttmannkirche. „Damit kann ich was machen“, sagt sich ein Künstler, wenn man ihm so einen Raum zeigt. Und das macht er dann auch.

          Die Galeristin Esther Schipper hat das Galeriewochenende mitbegründet, sie war zwanzig Jahre in Mitte und ist mittlerweile umgezogen, an die Potsdamer Straße, viele sind ihr gefolgt. Parallele Ausstellungen in Galerien sind für die Künstler immer auch Wettbewerb - der richtige Raum kann den Unterschied machen. Deshalb steckt hinter einem Galerie-Umzug oft der Wunsch der Künstler nach neuen Herausforderungen. Das Gallery Weekend, sagt Max Hetzler, ist auch ein Test für Galerien.

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