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Elektronikkonzern : Apple gibt Einblicke in Arbeitsbedingungen bei seinen Zulieferern

iPhone-Produktion in China Bild: REUTERS

Der amerikanische Elektronikkonzern stellt zahlreiche Verstöße gegen seine Standards fest und verspricht Besserung. Die Liste der Zulieferer wurde nun anders als früher der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

          2 Min.

          Der amerikanische Elektronikkonzern Apple hat in bisher noch nie dagewesenem Umfang Einblicke in sein Netz von Zulieferern und die bei ihnen herrschenden Arbeitsbedingungen gegeben. Das Unternehmen veröffentlichte am Freitag einen ausführlichen Bericht zur sozialen Verantwortung bei seinen Zulieferern und gab außerdem erstmals eine fast vollständige Liste seiner Partner aus dem vergangenen Jahr preis. Damit geht Apple zwei der größten Kritikpunkte am Unternehmen an: mangelnde Transparenz sowie schlechte Arbeitsbedingungen bei seinen Zulieferern.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          In dem Bericht legte Apple eine Reihe von Verstößen gegen seine Verhaltensstandards bei den Zulieferern offen und versprach eine schärfere Kontrolle. Vorstandsvorsitzender Tim Cook sagte in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“, mit diesen verstärkten Anstrengungen sei Apple nun in der Branche führend. Er gab aber zu, dass manche Probleme, wie etwa übermäßig lange Arbeitszeiten, „komplex“ und nur in einem allmählichen Prozess zu beheben seien.

          Apple hat um Zulieferer immer großes Geheimnis gemacht

          Die Veröffentlichungen könnten ein Indiz dafür sein, dass Apple unter Cook mit Blick auf die Transparenz des Konzerns etwas andere Wege geht als unter dem im vergangenen Jahr verstorbenen Vorgänger Steve Jobs. Apple hat um seine Zulieferer immer ein großes Geheimnis gemacht und in der Vergangenheit nur die Namen weniger Partner genannt. Dies führte zum Beispiel regelmäßig dazu, dass interessierte Experten in der Technologieszene neue Geräte von Apple auseinandernahmen, um herauszufinden, von wem die Bauteile stammten.

          Auf der nun vorgelegten Liste finden sich insgesamt 156 Unternehmen, die nach Angaben von Apple für 97 Prozent der Wertschöpfung in der Zulieferkette des Konzerns stehen. Darunter sind zum Beispiel fast alle größeren amerikanischen Chiphersteller wie Intel, AMD, Nvidia oder Qualcomm und viele bekannte asiatische Adressen wie Samsung, Sharp, LG und Sony.

          Aus Deutschland ist der Chiphersteller Infineon auf der Liste. Allerdings ist dessen Mobilfunksparte, die als Lieferant von Apple bekannt war, Anfang 2011 an Intel verkauft worden. Zu den Genannten gehört auch der österreichische Leiterplattenhersteller Austria Technologie & Systemtechnik. Den Bericht zur sozialen Verantwortung bei seinen Zulieferern hat Apple nun zum insgesamt sechsten Mal vorgelegt.

          Verstöße gegen Apple-Verhaltenskodex

          Apple hat dazu nach eigenen Angaben im Jahr 2011 insgesamt 229 Kontrollen in Fertigungsstätten von Zulieferern durchgeführt, deutlich mehr als im Jahr davor (127). Künftig soll es zusätzliche unabhängige Prüfungen der Organisation Fair Labor Association geben, die sich für eine Verbesserung von Arbeitsbedingungen einsetzt und der sich Apple kürzlich angeschlossen hat.

          Verstöße fand Apple vor allem bei den Arbeitszeiten: Der Apple-Verhaltenskodex sieht eine Höchstarbeitszeit von 60 Stunden in der Woche vor. Apple fand aber in 93 Werken von Zulieferern Belege dafür, dass mehr als die Hälfte der Mitarbeiter diese Grenze überschreiten. Auch Diskriminierung ist offenbar weit verbreitet: So seien an 24 Standorten Schwangerschaftstests in der Belegschaft durchgeführt worden, und in 56 Niederlassungen gebe es keine Regeln zum Schutz vor Diskriminierung von Schwangeren. Fünf Betriebe seien mit Beschäftigung von Mitarbeitern aufgefallen, die nicht das vorgeschriebene Alter haben. In zwei Werken seien Menschen gefunden worden, die gegen ihren Willen gearbeitet haben. In einem dieser beiden Fälle hat Apple nach eigenen Angaben die Zusammenarbeit mit dem betreffenden Zulieferer beendet, bei dem zweiten Partner würden die Praktiken korrigiert.

          Die Zustände im Zulieferernetz von Apple haben in den vergangenen Jahren vor allem im Zusammenhang mit dem taiwanischen Auftragsfertiger Foxconn und dessen Werken in China für Zündstoff gesorgt. Im Jahr 2010 gab es eine Serie von Selbstmorden unter Foxconn-Mitarbeitern, die mit schlechten Arbeitsbedingungen in Verbindung gebracht wurden. Foxconn arbeitet nicht nur für Apple, sondern auch für viele andere große amerikanische Technologiekonzerne wie Hewlett-Packard oder Microsoft. Erst in der vergangenen Woche geriet Foxconn wieder in die Schlagzeilen, weil unzufriedene Mitarbeiter in einer chinesischen Produktionsstätte mit Selbstmord drohten. In dem Werk wird die Videospielekonsole Xbox von Microsoft hergestellt (F.A.Z. vom 13. Januar).

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