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Eine Frage der Sicherheit : Zu echt, um schön zu sein

Bald eröffnet die Tefaf in Maastricht, die wichtigste klassische Kunstmesse. Kann auch dort das Gespenst der Fälscher die Käufer erschrecken? Die Fälschungsfälle der letzten Jahre hinterlassen eine Spur der Verwüstung im Markt und in den Köpfen.

          Die vergangenen drei Jahre waren keine gute Zeit für das Sicherheitsgefühl von Kunstsammlern und Experten: Etwas zu oft hieß es, man habe eine außerordentlich sensationelle Werkgruppe eines Künstlers gefunden - die Sammlung Jägers, die vielen unglaublich pollockhaften Pollocks und übermäßig klinetypischen Klines. Der Hedgefondsmanager Pierre Lagrange kaufte im November 2007 für mehr als fünfzehn Millionen Dollar einen sehr typischen Pollock, der über die Galerie Knoedler in New York in den Markt gekommen war. Der ehemalige Gucci-Chef Domenico De Sole kaufte einen Rothko von 1956 für mehr als acht Millionen Dollar aus derselben Quelle. Leider stellte sich heraus, dass Knoedler die Werke jeweils für verdächtig günstige 950.000 Dollar bei einer dubiosen Händlerin namens Glafira Rosales gekauft hatte - und die hatte die Bilder für ein paar tausend Dollar bei einem sehr begabten chinesischen Straßenkünstler in Queens malen lassen.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Mittlerweile ist die Galerie Knoedler geschlossen, die Prozesse laufen. In Europa hat der Fälscher Wolfgang Beltracchi eine Spur der Verwüstung im Markt und in den Köpfen der Kunden hinterlassen: Als die Sammlung Gurlitt auftauchte, dachte man sich, dieser Löwenbändiger, ausgewiesen als Max Beckmann, ist so ungelenk, das wird eine Fälschung sein. Er war dann aber nachweislich echt - was einmal mehr bewies, dass Künstler in ihrer Qualität ebenso wie in ihrem Stil schwanken, Fälscher aber immer auf Wiedererkennbarkeit setzen, weswegen man bei offensichtlich misslungenen Werken inzwischen seltener eine Fälschung vermutet als bei Sensationsfunden.

          Bisher war, bei all den endlosen Streitereien darum, ob dieses oder jenes Bild von Leonardo da Vinci sei oder bloß ein Bild seiner Werkstatt, immer die Frage, ob das Bild meisterlich gemalt sei und im Detail „typisch“ oder nicht. Zittert der Pinsel untypisch, war es nicht der Meister. Aber kann es nicht auch sein, dass selbst Leonardo mal einen schlechten Tag hatte, an dem er, wie man so sagt, nicht er selbst war - dass also das Bild authentisch, eigenhändig, aber nur mittelmäßig oder total untypisch ist? Und was bedeutet all das für „The European Fine Art Fair“ (Tefaf), diese noch immer renommierteste Messe, die vom 14. bis zum 24. März in Maastricht stattfindet?

          Die Tefaf ist das Museum unter den Messen: Hier stehen Gemälde zum Verkauf, die sonst nur im Louvre, im Prado oder im Akropolismuseum anzutreffen sind. Der Basler Antikenspezialist Cahn kündigte auf der Tefaf-Website einen späthellenistischen Herakles Epitrapezios (eine damals übliche Tischdekoration - deswegen „epitrapezios“, am Tische befindlich) aus dem 2. bis 1. Jahrhundert vor Christus an, der früher René Wehrli, dem ehemaligen Direktor des Zürcher Kunsthauses, gehörte, doch noch vor der Messe weggekauft wurde. Eric Coatalem aus Paris bietet eine hinreißende heilige Familie mit ausnehmend langhalsiger Madonna des Manieristen Lubin Baugin an, die Londoner Maas Gallery eine lässig herumfläzende, dabei hellwache Allegorie der Nacht des französisch-britischen Präraffaeliten Philip Hermogenes Calderon, Jean-François Heim aus Paris einen Trompeter von Théodore Géricault. Eines der anziehendsten Bilder der Messe ist bei Bernheimer aus München und London ein Werk des dunklen Barock-Spaniers Jusepe de Ribera: Es zeigt den Apostel Jakobus, dessen karge religiöse Hingabe durch den opulenten tiefroten, zäh um seinen Leib fließenden, dem standhaften Körper eine ungute Schlagseite gebenden, über-sinnlichen Mantel aus dem Lot gebracht scheint. Als müsse er sich vor der roten Farbwelle schützen, hält sich der Apostel fest und scheint dringend auf Ermutigung durch die Jungfrau Maria zu warten, die ihm der Legende nach auf einer Säule erschien.

          Allzu bekümmert scheinen manche Galerien nicht zu sein, was doppelte Sicherheitsnetze betrifft. Die Pariser Galerie Berès kündigt einen hübschen Vogel von Max Ernst an, zur Authentifizierung reicht der Galerie die Notiz, das Werk solle „in den Catalogue raisonné aufgenommen werden, der von Günter Metken vorbereitet“ werde - dem Max-Ernst-Experten, der allerdings schon im Jahr 2000 gestorben ist. Bei Daphne Alazraki aus New York ist ein Werk der Malerin Marie Laurencin im Angebot, es zeigt drei junge Frauen und ein Pferd. „The authenticity of this painting has been confirmed by Daniel Marchesseau“, heißt es dazu lakonisch. Ist der eine gute Adresse? Marchesseau, Leiter des Pariser Musée de la Vie Romantique, hat seit 1981 einen inzwischen mehrbändigen Catalogue raisonné zu Laurencins Werk veröffentlicht. Als Herausgeber hatte er ein Gemälde zu beurteilen, das den Kunsthändler Alfred Flechtheim darstellt und angeblich von ihr stammen sollte.

          Marchesseau nahm es ohne Bedenken ins Werkverzeichnis auf. Woher kam das Bild, das keiner je sah? Laut Katalog aus dem Besitz eines Sammlers namens „Otto Schulte-Kellinghaus, Krefeld“. Der ist inzwischen verurteilt - als Komplize des Fälschers Beltracchi, der den falschen Flechtheim und etliche andere Laurencins malte. Die drei Frauen bei Alazraki werden nicht dazugehören: Sie kamen schon früh in die Johnson Wax Collection in Wisconsin. Aber das Gespenst von Beltracchi lauert trotzdem überall.

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