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Dschihadisten enthaupten Foley : Alarmierte Briten

  • -Aktualisiert am

Alarm an der Downing Street: Premierminister David Cameron will den Kampf gegen die britischen Dschihadisten verschärfen Bild: AFP

Die Briten sind schockiert. Ein Landsmann hat den amerikanischen Journalisten James Foley exekutiert. Premierminister Cameron fürchtet, dass hunderte Dschihadisten mit britischem Pass in die Heimat zurückkehren könnten.

          Der Mörder im schwarzen Umhang soll aus London kommen, als „John“ bekannt sein und mit zwei Freunden eine so englisch aussehende Terrorzelle gegründet haben, dass sie unter dunkelhäutigeren Gesinnungsgenossen „die Beatles“ heißen. Noch sind dies Zeitungsrecherchen und keine offiziellen Angaben. Aber die Briten machen sich langsam mit dem Gedanken vertraut, dass die bestialische Exekution des amerikanischen Journalisten James Foley von jemandem aus ihrer Mitte vorgenommen wurde. Der Londoner Akzent des Mörders lässt dies selbst für Premierminister David Cameron „immer wahrscheinlicher“ werden.

          Am Mittwoch beendete der Regierungschef vorzeitig seinen Urlaub, berief eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats ein und kündigte an, den Kampf gegen die britischen Dschihadisten zu verschärfen. Fünfhundert sind nach offiziellen Angaben über die türkische Grenze nach Syrien und Irak gereist; der Labour-Abgeordnete Khalid Mahmood spricht sogar von 1500. Das Video, das Extremisten von der Exekution in Umlauf gebracht haben, verdeutlicht aus Sicht von Fachleuten, dass britische Islamisten nicht als Außenseiter behandelt werden. Sie rückten vielmehr in die exekutive Hierarchie des „Islamischen Staats“ auf und übernähmen (nicht nur propagandistisch) herausragende Funktionen.

          Umso besorgter blicken die Briten auf deren Rückkehr. Etwa zweihundert Dschihadisten mit britischem Pass sollen schon aus den Kriegsgebieten heimgekommen sein, zum Teil auch nur, um „aufzutanken“ und sich abermals auf den Weg zu machen. Aus den Sicherheitsbehörden dringen widersprüchliche Signale. Einerseits werden die Bürger beruhigt. Andererseits ist zu hören, dass die nötigen Kapazitäten fehlten, um die Verdächtigen zu überwachen.

          Jeder zweite Fall, den der britische Inlandsgeheimdienst MI5 bearbeitet, hat mittlerweile mit der Identifikation oder der Beschattung von Reise-Dschihadisten zu tun. Wie schwer es sein kann, Verdächtigen etwas nachzuweisen, erlebten unlängst die Beobachter des Strafprozesses gegen zwei junge Londonerinnen mit marokkanischen Wurzeln. Amal El-Wahhabi wurde des Versuchs schuldig gesprochen, 20.000 Euro in die Türkei zu schmuggeln, um damit islamische Terroristen zu unterstützen. Ihre Freundin Nawal Msaad, die als Kurier eingesetzt war und mit den Scheinen im Slip am Flughafen Heathrow festgenommen wurde, durfte das Gericht als freie Frau verlassen.

          Fast jeder zweite Islamist, der sich etwas zuschulden kommen lässt, wird in London verhaftet. In manchen Stadtbezirken ist die Zahl muslimischer Migranten so hoch, dass sie, wie in Tower Hamlets, den Stadtrat majorisieren. Birmingham, Britanniens zweitgrößte Stadt, gilt als zweite Hochburg des Extremismus. Unlängst mussten dort sechs Schulen unter besondere Beobachtung gestellt werden – wegen islamistischer Indoktrination.

          Doch die Reise-Dschihadisten werden nicht nur in den beiden Städten sozialisiert. Im Februar rammte Abdul Waheed Majid einen mit Sprengstoff beladenen Lastwagen in eine Gefängnismauer in Aleppo – er kam aus Crawley in West Sussex. Andere, die etwa durch Auftritte in Rekrutierungsvideos identifiziert wurden, stammen aus Cardiff oder Portsmouth. Insgesamt brechen aus dem Königreich nicht viel mehr Gotteskrieger in Richtung Irak und Syrien auf als aus anderen Ländern Europas. Aber die britischen Kämpfer spielen eine besondere Rolle. Sie gehörten „zu den Bösartigsten und Lautstärksten“, sagte der BBC Shiraz Maher vom „Internationalen Zentrum für Radikalisierungsstudien“ am Londoner King’s College.

          Beteiligt an Terror und Mord

          Schon die Ermordung des „Wall Street Journal“-Korrespondenten Daniel Pearl im Jahr 2002 stand in enger Verbindung zu einem britischen Islamisten: Sheikh Omar, Sohn pakistanischer Eltern, war in London geboren worden, auf eine Privatschule gegangen und später an der „London School of Economics“ eingeschrieben. Bevor er die – ebenfalls per Video verbreitete – Enthauptung Pearls in Pakistan organisiert hatte, war er am Terroranschlag auf das amerikanische Konsulat in Kalkutta sowie an Entführungen von Briten und Amerikanern beteiligt gewesen.

          Nur ein Jahr nach dem Mord an Pearl, dem Michael Winterbottom mit „A Mighty Heart“ ein filmisches Denkmal gesetzt hat, verübten der King’s-College-Student Omar Khan Sharif und der Londoner Asif Hanif einen Selbstmordanschlag auf eine Strandbar in Tel Aviv.

          Britische Islamisten steckten auch hinter den Terroranschlägen auf das Londoner U-Bahn-System, bei dem zwei Jahre später 52 Unschuldige starben. Weitere Anschläge britischer Terroristen wurden seither von den Sicherheitsbehörden vereitelt. Der Mord an dem Soldaten Lee Rigby im vergangenen Jahr erinnerte daran, dass die Gefahren nicht gebannt sind: Mit Gebeten an Allah auf den Lippen massakrierten zwei Briten mit nigerianischem Hintergrund den wehrlosen Mann auf offener Straße mit einer Machete.

          „Du erntest, was du säst“

          Kritiker beklagen zuweilen, dass der Entschlossenheit der Sicherheitsbehörden eine Kultur falsch verstandener Toleranz gegenüberstehe. Der Publizist Rod Liddle machte am Wochenende darauf aufmerksam, dass überall im Land von wachsendem Antisemitismus die Rede sei, aber bewusst verschwiegen werde, dass für fast alle Vorfälle Muslime verantwortlich seien.

          Die Angst der Briten, als „islamophob“ bezeichnet zu werden, wird vor allem von radikalen Muslimen ausgenutzt. Der von Fundamentalisten geschätzte Prediger Anjem Choudary kommentierte die Enthauptung Foleys am Mittwoch mit den Worten, sie sei das Ergebnis der Luftschläge Amerikas: „Du erntest, was du säst.“ Choudary verbreitet seine Gedanken regelmäßig über Twitter und darf gelegentlich sogar im britischen Fernsehen auftreten.

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