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Dopingvorwürfe : Armstrong in der Falle

  • -Aktualisiert am

Schlechte Nachrichten aus der Heimat: Lance Armstrong könnte die Vergangenheit doch noch einholen Bild: dapd

Die Anwälte haben verloren, die Anhänger werden weniger: Der einstige Tour-Held Lance Armstrong muss sich den Dopingvorwürfen stellen - oder er verliert alles.

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          Ein ganzes Peloton von Rechtsberatern hat Lance Armstrong diesmal nicht helfen können. Der siebenfache Tour-de-France-Gewinner muss sich den Dopingvorwürfen der amerikanischen Anti-Doping-Agentur (Usada) stellen. Das Bundesgericht in Austin (Texas) hat entschieden, dass die Usada das Recht hat, ihn zu sanktionieren.

          Die Entscheidung lässt dem vierzigjährigen Radprofi, der vor einer Weile zum Triathlon zurückgekehrt war, nur noch wenig Spielraum. Bis zum Donnerstag dieser Woche muss er entscheiden, ob er den Anschuldigungen der Usada widerspricht, sich einer Schiedsgerichtsverhandlung stellt und sich in diesem Rahmen gegen die Zeugenaussagen von ehemaligen Mannschaftsgefährten und zahllose Indizien verteidigt. Oder ob er auf ein solches Verfahren verzichtet und die sich daraus ergebende Sperre und die Aberkennung seiner Tour-Siege akzeptiert.

          Armstrongs Aussichten im Kampf um sein Prestige und seinen Reichtum sind nicht gut. Die Usada hat nur zwei der sechzig seit ihrer Gründung abgewickelten Schiedsgerichtsverfahren verloren. Obendrein sind die öffentlichen Sympathiebekundungen für den Mann, der vielen mit seinem Kampf gegen Krebs zum Vorbild geworden war, geschwunden. Eine der wenigen amerikanischen Publikationen, die ihm noch ergeben den Rücken stärkt, ist seine Heimatzeitung - der „Austin American-Statesman“.

          Ein Berufungsantrag würde die Kosten in die Höhe treiben

          Einer der Gründe für den Stimmungsumschwung ist die unerbittliche Haltung der Usada, die in zweijähriger Kleinarbeit belastendes Material zusammengetragen hat. Ein weiterer die Argumentation des Texaners selbst, die solche Fragen aufwirft wirft wie: Wieso versucht er zu verhindern, dass das Material bekannt wird? Was hat er zu verbergen? Geht er mit seinem Anspruch auf Denkmalschutz und Unantastbarkeit nicht zu weit? Armstrongs Anwalt Tim Herman wollte am Montag nichts zum weiteren Vorgehen sagen. Man berate noch über die nächsten Schritte, sagte er.

          Zu den Optionen gehört theoretisch auch ein Antrag auf Berufung vor der nächsthöheren Instanz der amerikanischen Bundesgerichtsbarkeit. Ein solcher Schritt könnte nicht nur für eine zusätzliche Verzögerung sorgen. Sie würde auch die Kosten für die Usada in die Höhe treiben. Deren Jahresbudget von 13 Millionen Dollar wird schon jetzt stark strapaziert.

          Die Anti-Doping-Agentur wirtschaftlich - und politisch mit Hilfe von freundlich gesinnten Kongressabgeordneten - unter Druck zu setzen, scheint von Anfang an zu den taktischen Plänen des Armstrong-Teams gehört zu haben. In der Sache selbst stehen seine Aussichten hingegen nicht gut. Das machte Bundesrichter Sam Sparks deutlich. Der vermied es, das Für und Wider der Anschuldigungen zu erörtern. Er setzte sich auch nicht mit der vom Internationalen Radsportverband (UCI) aufgebrachten Theorie auseinander, wonach er für alle Dopingverfahren gegen Armstrong zuständig sei.

          Recht auf faires Verfahren nicht verletzt

          Statt dessen stützte sich der Richter auf eine seit langem in den Vereinigten Staaten angewandte Rechtsauffassung, wonach ordentliche Gerichte nicht in Schiedsgerichtsbarkeiten eingreifen. Es sei denn die fragliche Organisation zeige eine „sträfliche Missachtung ihrer eigenen Regeln“. Das sei jedoch nicht gegeben, betonte Sparks. Das Vorgehen der Usada verletze auch nicht die verfassungsmäßigen Rechte auf ein faires Verfahren, wie der Radprofi behauptet hatte, der in diesem Jahr am Ironman-Triathlon in Hawaii teilnehmen wollte, aber wegen der Dopinganschuldigungen vom Verband gesperrt wurde.

          Die Rolle der UCI bietet Stoff für formaljuristische Geplänkel im weiteren Verlauf des Verfahrens. So hatte UCI-Präsident Pat McQuaid in einer Stellungnahme dem Gericht gegenüber die Usada in den Verdacht eines massiven Manipulationsversuchs gerückt und Einsicht in alle Akten der Anti-Doping-Agentur verlangt. Seine Organisation sei allein zuständig.

          Usada-Chef Travis Tygart wies ein solches Ansinnen zurück: „Die Doping-Verschwörung beim US Postal Team lief unter den Augen der UCI. Natürlich haben die UCI und die Teilnehmer dieser Verschwörung, die den Sport mit gefährlichen leistungssteigernden Mitteln betrogen haben, einen starken Anreiz zu vertuschen, was passiert ist.“

          Öffentliches Verfahren nur auf Wunsch

          Den Begriff „Verschwörung“ benutzt die Usada auch deshalb, weil sie ihre Ermittlungen nicht nur auf Armstrong beschränkt, sondern auf das Zusammenspiel mit dem langjährigen Sportlichen Direktor Johan Bruyneel, den Ärzten Luis García del Moral, Pedro Celaya, Michele Ferrari und dem Masseur Pepe Marti ausgedehnt hat. Bruyneel und Marti haben ein Schiedsgerichtsverfahren beantragt, um sich gegen die Anschuldigungen zur Wehr zu setzen.

          Solche Verfahren werden nur dann öffentlich abgewickelt, wenn der Beschuldigte dies wünscht. Das geschieht nur selten - wie etwa im Fall von Floyd Landis, der 2007 vergeblich im kalifornischen Malibu zahllose Gutachter einfliegen ließ, um die Laborresultate von der Tour de France zu desavouieren, schließlich selbst in den Zeugenstand trat und unter Eid die Dopingvorwürfe bestritt.

          Welche Option Armstrong wählt, lässt sich nicht sagen, solange er nicht endgültig die Zuständigkeit des Schiedsgerichts akzeptiert. Nur eines ist klar. Armstrong bleibt unberechenbar. So hatte er nach der Einstellung der strafrechtlichen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Los Angeles im Frühjahr erklärt: „Sollte noch irgendetwas hochkommen, werde ich das nicht anfechten. Der Fall ist erledigt.“ Aber das ist er nicht.

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