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Donald Tusk im Porträt : Der Optimist

Die liberaldemokratische Bürgerplattform des amtierenden Ministerpräsidenten hat die Parlamentswahlen am Sonntag deutlich gewonnen. Bild: reuters

Donald Tusk hat den Kampf gegen die düstere Sicht der polnischen Rechten, in der die Welt ein Dschungel voller Vipern ist, vorerst gewonnen. Er hat Vertrauen gepredigt, um Vertrauen zu ernten. So ist ihm gelungen, was keiner seiner Vorgänger geschafft hat.

          Donald Tusk hat nach seinem Sieg bei der Parlamentswahl in Polen seinen Anhängern zugerufen, dies sei die Stunde des „optimistischen Polen“. Es war ein Schlüsselwort. Sein Kampf um die Macht, personalisiert in der Konkurrenz mit dem Nationalkonservativen Jaroslaw Kaczynski, ist nämlich immer auch ein Kampf zwischen zwei Bildern Polens gewesen.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Kaczynskis Partei „Recht und Gerechtigkeit“ hat zusammen mit ihren klerikalen Begleitmilieus ihre Macht vor allem dazu genutzt, Polen gegen imaginäre Todfeinde zu verteidigen. Liberale, Deutsche, Homosexuelle, Juden, Russen, Kommunisten, Kapitalisten, Geheimagenten - wo man hinsah, war aus dieser Sicht Polen von Feinden umgeben.

          Eine zutiefst pessimistische Weltsicht, entstanden in Generationen der Teilung, mörderischer Besatzung, Verbündeten-Verrat und neuer Fremdherrschaft, genährt aus der Erinnerung an blutige, meist erfolglose Aufstände, hatte für diese Strömung einen konkreten Sinn. So gut wie jede polnische Familie hat einen Großvater, der von Deutschen ermordet wurde, und einen anderen, den Russen deportiert haben. Aus dem Vers „Noch ist Polen nicht verloren, solang wir noch leben“, mit dem die Hymne dieses Landes beginnt, hat die patriotische Rechte eine blutig ernste Folgerung gezogen: Die Geschichte einer Nation ist permanenter Überlebenskampf in einer unerbittlichen Welt. Wer bestehen will, darf nicht auf Verbündete hoffen, er darf fremden Kanzlerinnen und EU-Kommissaren kein Wort glauben.

          Tusk hat diese Auffassung stets verabscheut. Als er jung war, hat er sich einmal klipp und klar geweigert, die Bürde dieses Geschichtsbildes aufzunehmen: „Schöner als Polen ist die Flucht aus Polen“. Später hat er das relativiert. Als 1981 die Kommunisten das Kriegsrecht verhängten, ist er nicht geflohen, sondern in den Untergrund gegangen. Auch er hat, damals 24 Jahre alt, der Hymne geglaubt und gekämpft. In jedem Polen, hat er später gesagt, lebe schließlich der heiße Wunsch, dass sein Land „nicht verloren sein möge,“- und die „Sorge, dass es doch sterben könnte“.

          Dennoch ist dies das Maximum der Konzessionen, die er gegenüber den alten Mythen macht. Tusk hat nämlich, wie er selbst verraten hat, noch einen anderen, mindestens ebenso dringenden Wunsch: Er will, dass „die einfache polnische Familie, anders als in den Jahrhunderten bisher, nicht mehr in ein romantisches Ringen hineingezogen wird, das über ihre Kräfte geht, sondern dass sie zum Ruhm ihres Staates und Volkes einfach besser leben kann.“ Kurzum: Polen braucht ein wenig „europäische Normalität“.

          Um das zu erreichen, hat er Schluss gemacht mit der düsteren Sicht der Rechten, in der die Welt der Staaten ein Dschungel voller Vipern und Polens einziger Verbündeter sein Vetorecht in der EU ist. Er hat Warschaus Verhältnis zu Berlin, Moskau und Brüssel dramatisch verbessert. Die Hexenjagden gegen imaginäre Feinde im Inneren haben aufgehört. Tusk hat Vertrauen gepredigt, um Vertrauen zu ernten. Jetzt ist ihm gelungen, was noch keiner seiner Vorgänger geschafft hat: Die Wähler haben das Vertrauen erwidert.

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