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: Die Schmerzen bleiben

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NEW YORK, 13. April. Rückrufe von Medikamenten sorgen üblicherweise für Kursstürze bei den Herstellern. Der Pharmakonzern Merck & Co. kann nach dem Vermarktungsstopp des Schmerzmittels Vioxx ein Lied davon singen, ebenfalls das ...

          NEW YORK, 13. April. Rückrufe von Medikamenten sorgen üblicherweise für Kursstürze bei den Herstellern. Der Pharmakonzern Merck & Co. kann nach dem Vermarktungsstopp des Schmerzmittels Vioxx ein Lied davon singen, ebenfalls das Biotechnologie-Unternehmen Biogen Idec nach dem Rückzug des Medikaments Tysabri gegen Multiple Sklerose. Als der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer das Schmerzmittel Bextra vom Markt genommen hat, hielt sich die Reaktion der Börse aber in Grenzen.

          Am Tag des Vermarktungsstopps notierte die Aktie nach anfänglichen Einbußen zum Handelsschluß sogar leicht im Plus. Dabei handelt es sich bei Bextra um ein sogenanntes "Blockbuster"-Medikament, also ein Mittel mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Dollar. Allerdings ist die Bedeutung in einem so großen Konzern wie Pfizer begrenzt, das Unternehmen hat noch viele andere, weitaus größere Blockbuster. Außerdem waren Einbußen im Geschäft von Bextra nach dem Rückzug von Vioxx schon abzusehen. Beide Medikamente stammen aus der Klasse der sogenannten Cox-2-Hemmer. Auf dem Markt bleibt vorerst der einzige verbliebene Cox-2-Hemmer Celebrex, der Pfizer 2004 einen Umsatz von 3,3 Milliarden Dollar einbrachte.

          Die Anleger von Pfizer haben in den vergangenen Jahren einen Hang zur Gleichgültigkeit bewiesen. Im Fall des Bextra-Rückzugs war dies ausnahmsweise einmal positiv, weil ein Kurseinbruch ausblieb. Ebensowenig konnte Pfizer aber an der Börse für Begeisterung sorgen, obwohl viele Rahmendaten Anlaß dazu hätten geben können. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 52,5 Milliarden Dollar einen satten Nettogewinn von 16,1 Milliarden Dollar ausgewiesen. Analysten sprechen mehrheitlich Kaufempfehlungen für die Aktie aus. Nach einem langen Höhenflug in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre kommt das Papier nun aber seit einiger Zeit nicht mehr vom Fleck. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Aktie sogar rund ein Viertel an Wert verloren und notiert derzeit bei knapp 27 Dollar.

          Analysten äußern sich zunehmend besorgt, ob Pfizer das bisherige Umsatz- und Gewinnwachstum fortsetzen kann. In den vergangenen Jahren hat Pfizer einen großen Teil seines Wachstums mit den Akquisitionen der Wettbewerber Warner-Lambert und Pharmacia erkauft. Nun wird das Geschäft von einigen Seiten bedroht: So werden zum Beispiel in den nächsten drei Jahren Medikamente mit einem Jahresumsatz von zusammen 14 Milliarden Dollar ihren Patentschutz verlieren. Den Produkten steht danach Konkurrenz von billigen Nachahmermitteln (Generika) ins Haus, was üblicherweise zu einer Umsatzerosion führt. Auf der anderen Seite gilt die "Pipeline" mit neuen Medikamenten im Entwicklungsstadium unter Analysten als durchschnittlich. Insofern ist fraglich, inwiefern ein wegbrechendes Geschäft von Ersatzprodukten aufgefangen werden kann.

          Pfizer hat selbst den Handlungsdruck erkannt und will nun auf der Kostenseite Entlastung schaffen. Kurz vor dem Bextra-Rückzug hat das Unternehmen einschneidende Restrukturierungen angekündigt, bis zum Jahr 2008 sollen die jährlichen Kosten um 4 Milliarden Dollar gesenkt werden. Das hat der Aktie zwischenzeitlich Auftrieb gegeben. Allerdings ist Pfizer bislang mit Details zur Restrukturierung recht vage geblieben, und Analysten fragen sich, wie genau das Unternehmen die Vorgaben erreichen will.

          Chief Executive Officer Hank McKinnell hat das Jahr 2005 als Übergangsjahr bezeichnet: Der Umsatz werde stagnieren und der Gewinn sogar sinken. Vom kommenden Jahr an kündigte er aber wieder ein zweistelliges Ergebniswachstum an. Analysten halten dieses Ziel für sehr ambitioniert - zumal Pfizer dabei noch von einer Belebung des Schmerzmittelgeschäfts ausgegangen war. Wie sich Celebrex nach den Rückrufen von Bextra und Vioxx entwickelt, gilt indessen als völlig offene Frage. ROLAND LINDNER

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