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Die Rolle Amerikas : Amerika spielt die islamistische Karte

Der amerikanische Verteidigungsminister Leon Panetta wird bei seinem Besuch in Kairo von General Rouini begrüßt Bild: AFP

Mubarak ist weg, in Kairo haben die Muslimbrüder an Einfluss gewonnen. Amerika brachte die Islamisten dazu, auf die Hamas einzuwirken. Vermutlich ging es um mehr als um Gilad Schalit.

          Vor genau zwei Wochen war der amerikanische Verteidigungsminister Leon Panetta in Ägypten. Jetzt ist Gilad Schalit über Ägypten nach Israel zurückgekehrt. Im Fernsehen sagte Schalit, die Hamas habe ihn vor einer Woche über seine bevorstehende Freilassung unterrichtet. An jenem Dienstag der vergangenen Woche hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seinem Kabinett mitgeteilt, dass das Abkommen zu dem nun erfolgten Gefangenenaustausch unterzeichnet worden sei.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Es war möglich geworden, weil Washington in Ägypten Gespräche mit der Muslimbruderschaft aufgenommen hatte - und weil diese ihren in den letzten Monaten gestiegenen politischen Einfluss nutzte, um der Hamas die Zustimmung zu dem Abkommen abzutrotzen, obwohl wichtige gefangene Palästinenser, die sie mutmaßlich freipressen wollte, nicht auf der Liste des Austausches stehen. Damit setzen die Vereinigten Staaten auf die islamistische Muslimbruderschaft, um die Hamas, die aus der ägyptischen Muslimbruderschaft heraus entstanden war, aus der Allianz mit Syrien und Iran zu lösen.

          Einen Tag später, also am Mittwoch der vergangenen Woche, wurde dann bekannt, dass sich der zweite Mann des Politbüros der Hamas, Mussa Abu Marzuq, in Kairo niederlassen wird. General Murad Muwafi hatte seine Zustimmung zu dem Umzug aus der syrischen in die ägyptische Hauptstadt gegeben. Der General leitet den ägyptischen Geheimdienst und ist damit für die Politik gegenüber den Palästinensern zuständig. Muwafi war in diesem Amt am 31. Januar 2011 auf Omar Suleiman gefolgt, als der damalige Staatspräsident Husni Mubarak diesen zu seinem Stellvertreter ernannt hatte. Sulaiman hatte über viele Jahre Partei für die Fatah ergriffen, die innerpalästinensischen Rivalen von Hamas. Mit dem Chef der Hamas, Khaled Meschal, verband ihn hingegen eine gegenseitige Antipathie.

          Mit dem Wechsel von Suleiman zu Muwafi und dem Aufstieg der Muslimbruderschaft nach Mubaraks Sturz begann sich in Kairo die Einschätzung der Hamas zu ändern. Am 2. Oktober führten Vertreter des Weißen Hauses in Kairo Gespräche mit der Muslimbruderschaft, am 3. Oktober landete Panetta in Israel und am 4. Oktober sprach er in Kairo mit den Führern des Militärrats und Muwafi. Parallel dazu fanden, ebenfalls in Kairo, die geheimen Verhandlungen eines Abgesandten Netanjahus mit dem Kommandanten des militärischen Flügels der Hamas, Ahmad Dschabari, zu den Modalitäten des Gefangenenaustausches statt.

          Meschal tauchte am vergangenen Mittwoch in Kairo auf. Offiziell führte er Gespräche über den Gefangenenaustausch. Womöglich erwägt auch er, von Damaskus nach Kairo umzuziehen. Seit der syrische Präsident Assad begann, die Proteste im ganzen Land brutal niederschlagen zu lassen, hat Meschal kein Wort der Unterstützung für das Regime in Damaskus ausgesprochen - anders als der Führer der libanesischen Hizbullah. Das hat Vermutungen genährt, dass sich die Hamas von Syrien absetzt. Erstmals war dieser Verdacht aufgekommen, als Hamas und Fatah am 4. Mai 2011 in Kairo ein „Abkommen zur Versöhnung“ unterzeichnet hatten. Beide hatten sich einander angenähert, da sich die Fatah der bedingungslosen Unterstützung Ägyptens nicht mehr gewiss war und die Hamas zunehmend mit dem Sturz ihres Patrons, des syrischen Regimes, rechnen musste.

          Denkbar ist, dass die Gespräche, die Panetta Anfang Oktober in Kairo geführt hat, auch eine Umsiedlung der Hamas-Führung nach Kairo zum Thema hatten. Immerhin hält sich Meschal seit seiner Anreise am 12. Oktober in Ägypten auf. Am Dienstag war er in Al Arisch im Norden des Sinai, nahe der Grenze zum Gazastreifen. Sollte sich die Hamas tatsächlich von Syrien lösen, würde auch der Einfluss Irans auf die radikale Palästinenserorganisation abnehmen.

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