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: Die Lust an der Perfektion des Phantoms

  • Aktualisiert am

Für die Reichen und Schönen dieser Welt gibt es zwei neue Präsente: Wir haben die ambitioniertesten Autoprodukte der deutschen Industrie in Kalifornien aufeinandertreffen lassen. Dabei ist nicht der aus Fachzeitschriften bekannte "Vergleichstest" entstanden.

          4 Min.

          von Wolfgang Peters

          Für die Reichen und Schönen dieser Welt gibt es zwei neue Präsente: Wir haben die ambitioniertesten Autoprodukte der deutschen Industrie in Kalifornien aufeinandertreffen lassen. Dabei ist nicht der aus Fachzeitschriften bekannte "Vergleichstest" entstanden. Es ist eine Studie über unterschiedliche Charaktere zweier Automobile, die auf eine identische Klientel zugeschnitten scheinen. Es sind die teuersten Serienlimousinen auf der Welt, aber sie sind wie Brüder, die getrennt aufgewachsen und unterschiedlich erzogen worden sind.

          Der neue Rolls-Royce aus dem Hause BMW hat ein britisches Nobelinternat besucht, in dem es kein warmes Wasser zum Duschen, aber jede Menge Wundgel für die Stunden nach dem Rugby gab. Der im vergangenen Sommer unter dem Patronat von Mercedes-Benz präsentierte Maybach gehörte auf dem College dem "Club der toten Dichter" an und ist nach dem Studium Vorsitzender der Vereinigung hedonistischer Börsenmakler e.V. geworden. Der Rolls-Royce sprintet, der Maybach gleitet. Dafür gibt es viele Gründe,

          die nicht nur in der Technik der beiden Ausnahmeautos zu finden sind.

          Bei Daimler-Chrysler wurde seit etlichen Jahren an einem Über-Mercedes laboriert. Er sollte die sich in Nischen (SLK, M-Klasse, V-Klasse) und in tiefere Marktsegmente (A-Klasse, smart) hineinbewegende Marke nach oben, in ihrem angestammten Revier absichern. Lange Zeit war nicht klar, ob die große Limousine als Hyper-Mercedes oder mit einem neuen Markennamen vorfahren sollte. Als man sich für Maybach entschieden hatte, war auch der Kern der feinen Kutsche definiert: High-Tech sollte nicht die Eigenschaften prägen, natürlich wollte man nicht auf die Errungenschaften moderner Technik verzichten, aber sie hatten sich dem Ziel des maximalen Komforts und der Qualität des genießerischen Fahrens unterzuordnen. So ist mit dem Maybach ein Auto entstanden für Geschäftsleute des Fürstenstandes, wobei das auch Geld- oder Management-Adel sein kann.

          Um Rolls-Royce hatte BMW ja gerangelt, man hatte VW ausgebremst, die Bayern wollten die Marke mit Macht haben, die ultimative Oberklasse läßt sich sonst nicht besser auf die Räder bringen, die Rover-Strategie war gerade gescheitert, und bei dem Münchner Konzern hatte man auf die Maybach-Pläne von Daimler-Chrysler zunächst keine adäquate Antwort. So startete unter dem Etikett "Authentizität" das herausforderndste Projekt, dem sich BMW jemals unterzogen hatte. Über allen Aktivitäten schwebte der Leitsatz von Sir Henry Royce: "Strebe nach Perfektion in allem, nimm das Beste und mach es besser, wenn es das nicht gibt, entwirf es selbst." Ein schönes Motto, aber vielleicht für den Einsatz im kostenkontrollierten Konkurrenzkampf des Jahres 2003 von einer gewissen Fragwürdigkeit. Herausgekommen ist jedenfalls eine auf den herrschaftlichen Fahrer zugeschnittene Limousine, der neue Phantom ist kein Phantom der Chauffeure.

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