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: Die hohe Kunst, Krebs zu vermeiden

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Aus unzähligen Schichtaufnahmen einer Computertomographie wird die Lichtung des Darmes rechnerisch rekonstruiert. In vergleichenden Untersuchungen hat sich die Methode bewährt, ...

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          Aus unzähligen Schichtaufnahmen einer Computertomographie wird die Lichtung des Darmes rechnerisch rekonstruiert. In vergleichenden Untersuchungen hat sich die Methode bewährt, zumindest was die Empfindlichkeit zum Nachweis größerer Polypen ab fünf bis zehn Millimeter angeht. Gut gemeint ist oft auch in der Wissenschaft das Gegenteil von gut. Manche der von den Medizinern angeratenen Vorsorgemaßnahmen gegen Krebs beispielsweise können durchaus auch gegenteilige Auswirkungen haben. Das war zumindest Ausgangspunkt einer Debatte, die Wissenschaftler am vergangenen Wochenende auf der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Gastroenterologische Onkologie in Augsburg geführt haben. Im Kern ging es um Tumoren des Magen-Darm-Trakts. Sie gehören zu den häufigsten bösartigen Erkrankungen und stehen in der Statistik der Krebstodesfälle an zweiter Stelle. Jedes Jahres erkranken allein in Deutschland 60 000 Menschen.

          Es ist unumstritten, daß die Spiegelung des Dickdarms jenseits des fünfzigsten Lebensjahres das beste Verfahren ist, Vorstufen der Tumoren, die Adenome, zu identifizieren und zu beseitigen. Wer sich untersuchen läßt, muß den Darmkrebs nicht fürchten. Vor Jahren schon propagierten Wissenschaftler deshalb, es sei möglich, den Darmkrebs auszurotten. Tatsächlich werden sogar die Kosten für die vorsorgliche Spiegelung des Darmes bei gesunden Personen seit einigen Jahren von den Krankenkassen übernommen. Doch bislang haben nur etwa fünf Prozent aller Berechtigten das Angebot angenommen. Die Visionen der Wissenschaftler finden ihre Grenze an der Lebenswirklichkeit.

          Ob Aufklärung Abhilfe schaffen kann, bleibt fraglich. Die Teilnahme an der Früherkennung ist nicht nur eine Frage von Wissen oder Intelligenz, wie Volker Eckardt aus Wiesbaden betonte. Selbst unter den Mitarbeitern der renommierten Harvard-Universität hatte nur ein verschwindend geringer Anteil sich untersuchen lassen - trotz vorangegangener Aufklärung. Mehr noch, Eckardt warnte vor möglichen gegenteiligen Effekten der Kampagnen. Mit der Aufnahme der Dickdarmspiegelung in die Früherkennungsprogramme würden von der Bevölkerung akzeptierte Maßnahmen vernachlässigt. So beklagte er ebenso wie andere Experten, daß der seit Jahren verbreitete Test auf verborgenes Blut im Stuhl nicht mehr regelmäßig angewandt werde. Fällt er positiv aus, wird der Darm untersucht. Dies ist den Betroffenen leicht einsichtig. Wenngleich weit weniger empfindlich als die Spiegelung, sei er schon wegen der höheren Akzeptanz viel effektiver, sagte Eckardt.

          Vergleichende Studien an vielen tausend Patienten haben noch anderes zutage gefördert. Trotz des positiven Effekts - die Sterblichkeit an Dickdarmkrebs konnte durch Früherkennung gesenkt werden - mußte man plötzlich feststellen, daß in der Gruppe der Personen, die an der Früherkennung teilnahmen, insgesamt mehr Menschen aufgrund anderer Krankheitszustände verstarben. Die Ärzte erklären dies mit dem "Gesundheitszeugniseffekt". Nachdem der günstige Befund einer Vorsorgeuntersuchung mitgeteilt wird, halten sich Personen offenbar vorübergehend für immun und nehmen womöglich eine ungesunde Lebensweise wieder auf.

          Inzwischen versuchen Röntgenärzte mit ihren Methoden, Darmpolypen aufzuspüren. Viele erhoffen sich, die lästige Spiegelung umgehen zu können. Entgegen der Erwartung der Beobachter zeitigt diese Entwicklung keinen berufspolitischen Konflikt zwischen verschiedenen Facharztgruppen. Die Magen-Darm-Spezialisten setzen darauf, daß diejenigen, die mittels Computertomographie (CT) untersucht werden, im Falle eines positiven Befundes eher bereit sind, diesen dann bei der Spiegelung abtragen zu lassen.

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