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Aktien : Die Dividende allein bringt es nicht

Offene Hände: Anleger erhoffen sich hohe Ausschüttungen Bild: Bruno Budrovic/SIS

Viele Banken behaupten, Dividenden seien die neuen Zinsen. Aber man sollte wissen: Aktien sind riskanter als Anleihen. Trotzdem schlagen immer mehr Anleger diesen Weg ein.

          Die Nervosität steigt. 1000 Punkte hat der Dax in den vergangenen zwei Wochen verloren. Allein am Mittwoch fiel Deutschlands wichtigster Aktienindex um mehr als drei Prozent – der höchste Tagesverlust in diesem Jahr. Ist der Aufschwung seit Jahresanfang damit vorbei?

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Niemand kann das mit Sicherheit sagen. Für europäische Aktien spricht angesichts der sich erholenden Konjunktur und eines schwachen Euros einiges, vor allem weil in Zeiten niedriger und teilweise sogar negativer Zinsen eine lukrative Alternative fehlt. Nur steigen die Kurse eben nicht immer nur ununterbrochen nach oben, sondern pendeln manchmal für einige Zeit.

          Viele Anleger trösten sich dann mit dem Argument, dass sie auch verdienen, wenn die Kurse nicht steigen: mit der Dividende. Die wird gerade unter den Aktionären verteilt. Immer direkt nach der jährlichen Hauptversammlung wird ausgeschüttet, also noch bis Ende Mai. Dieses Jahr dürfte die Freude besonders groß sein, denn es wurde noch nie so viel verteilt wie jetzt. 41 Milliarden Euro sollen es werden, davon fast 30 Milliarden von den 30 Dax-Unternehmen.

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          Setzt man die Dividende ins Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs, ergeben sich Dividendenrenditen von bis zu 4,5 Prozent (RWE, Allianz), im Schnitt aller Dax-Mitglieder sind es 2,5 Prozent. Immer mehr Banken und Fondsgesellschaften ziehen nun Vergleiche mit den Zinskupons, die Anleihen bieten. Schließlich sind Dividenden auch jährliche Zahlungen. In diesem Vergleich können dividendenstarke Aktien derzeit glänzen. Einen Zinskupon von 4,5 Prozent bietet keine der neuen Anleihen. „Dividende statt Niedrigzinsen“, propagiert daher die Fondsgesellschaft der Allianz, die AGI. „Die Dividende ist der neue Zins“, heißt es bei vielen Banken.

          Dividenden sind keine Zinsen

          Und selbst professionelle Anleger, die sehr sicher anlegen müssen, wie Pensionskassen, gehen diesen Weg. Sie nehmen zwangsläufig immer mehr Risiken auf sich, um noch etwas Rendite zu erzielen. „Erst meiden sie Bundesanleihen, weil die nichts mehr einbringen. Dann setzen sie verstärkt auf nachrangige, also kaum insolvenzgeschützte Unternehmensanleihen ohne feste Laufzeit. Das ist schon fast wie Eigenkapital“, sagt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden in der Deutschen Bank. „Da ist der Weg zu defensiven, aber dividendenstarken Aktien nicht weit.“

          Und trotzdem muss deutlich gesagt werden: Dividenden sind keine Zinsen. Die Ausschüttungen gibt es jährlich, und das ist schon fast die einzige Parallele. Aber anders als der Zinskupon sind die Dividenden nicht garantiert. Sie können jedes Jahr gekürzt werden oder gar ganz ausfallen. Dieses Jahr trifft dieses Schicksal zum Beispiel die Lufthansa-Aktionäre. Und insgesamt 17 Prozent der großen deutschen Aktiengesellschaften. Im Nach-Krisenjahr 2010 war es sogar die Hälfte. Ein Zinskupon wird hingegen allenfalls bei einer Insolvenz gestrichen.

          Hinzu kommt: Selbst wenn die Ausschüttung steigt, stammen auf lange Sicht zwar bis zu 40 Prozent des Gewinns eines Aktionärs aus den Dividenden, der Rest aber aus Kursgewinnen. Und die sind eben nicht garantiert. Das haben die Anleger in den vergangenen Tagen gemerkt. Der Dax verlor sieben Prozent – weit mehr als Dividenden gebracht hätten. Anleihen werden hingegen zum Nennwert zurückgezahlt, solange der Emittent nicht pleitegeht.

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