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Aktion für mehr Dialog : Streiten Sie mit bei „Deutschland spricht“!

Reden, reden, reden: Die Aktion „Deutschland spricht“ startet. Bild: F.A.Z.

Egal ob Flüchtlingskrise, innerdeutsche Spaltung oder Klimawandel: Die Liste kontrovers diskutierter Themen ist lang – doch oftmals fehlt es an echtem Austausch der Argumente. Treffen auch Sie jemanden, der politisch anders denkt!

          Liebe Leserinnen und Leser,

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Martin Benninghoff

          wir alle neigen dazu, uns mit anderen Menschen zu umgeben, die einer ähnlichen Meinung sind wie wir. Das trifft für den persönlichen Umgang zu, und ganz bestimmt gilt es für das Verhalten im Netz. Die einen mehr, die anderen weniger – ein jeder bewegt sich in Filterblasen mit oftmals unzureichender Durchlässigkeit. Die Folge: Man richtet sich in liebgewonnenen Ansichten ein, ignoriert andere Standpunkte oder kanzelt diese gar als falsch ab. Der Ton in manchen Debatten ist deshalb unversöhnlich, teilweise unerträglich geworden. In anderen Fällen findet einfach kein Austausch mehr statt. Die eigenen Überzeugungen werden nicht mehr am Gegenüber geprüft oder in Frage gestellt.

          Der Dialog, der für eine Demokratie unabdingbar ist, stirbt. An die Stelle von Empathie tritt Unverständnis und schließlich eine Härte der Unversöhnlichkeit, die in verbale oder sogar körperliche Gewalt ausufern kann. Das gilt zum Beispiel auch für Debatten zwischen Ost- und Westdeutschen. 30 Jahre nach dem Fall der Mauer ist ein Blick auf die noch immer bestehenden Unterschiede der Regionen und der Einstellungen der dort jeweils lebenden Menschen besonders interessant.

          Das hat erst jüngst wieder eine Analyse des Instituts für Demoskopie Allensbach für die F.A.Z. eindrucksvoll gezeigt: 36 Prozent der Westdeutschen, aber 48 Prozent der Ostdeutschen stellen Ostdeutschland eine negative Prognose; sie sind überzeugt, dass sich die Lage in Ostdeutschland in den nächsten Jahren ungünstig entwickeln wird. Dramatisch unterschiedlich fällt die Beurteilung der Lebensverhältnisse aus: 74 Prozent der Ostdeutschen und 43 Prozent der Westdeutschen konstatieren große oder sehr große Unterschiede der Lebensbedingungen in Ost und West. Die große Mehrheit ist überzeugt, dass die beruflichen Chancen für junge Menschen im Westen besser sind als im Osten.

          Das bleibt nicht ohne Konsequenzen: Die Bevölkerung in Ostdeutschland nahm seit 1990 um 2,2 Millionen Menschen ab, bei den unter 60-Jährigen sogar um 3,5 Millionen, die Zahl der 60-Jährigen und Älteren nahm aber um 1,3 Millionen zu. Die Prognosen des Statistischen Bundesamtes lassen für die nächsten Jahre eine Beschleunigung dieser Entwicklung erwarten. Zwangsläufig beeinflusst der Wegzug Jüngerer die Lebensbedingungen, die Attraktivität als Standort, die Infrastruktur und das Lebensgefühl.

          Unterschiedliche Ansichten, kaum Dialog

          Beschreiben Ostdeutsche und Westdeutsche die Probleme in ihrem unmittelbaren Umfeld, fällt die Bilanz gewiss auch deshalb unterschiedlich aus: Im Westen wird vor allem über hohe Mieten und Immobilienpreise geklagt, über die Verkehrsdichte, den unzureichend ausgebauten öffentlichen Nahverkehr und die hohen Lebenshaltungskosten. Probleme in Ostdeutschland sind nach der Analyse von Allensbach mit Ausnahme des öffentlichen Nahverkehrs andere: 57 Prozent der Ostdeutschen klagen über einen Ärztemangel in ihrer Region, 54 Prozent darüber, dass gut ausgebildete Arbeitskräfte nicht in der Region bleiben, sondern abwandern; 43 Prozent ziehen die Bilanz, dass es in ihrer Gegend für junge Leute nicht attraktiv sei, 42 Prozent, dass generell viele die Region verlassen.

          In Westdeutschland haben dagegen lediglich 9 Prozent den Eindruck, in einer Region zu leben, die von starker Abwanderung geprägt ist. Über Ärztemangel klagen 27 nur Prozent, über ein unzureichendes Angebot an Arbeitsplätzen 20 Prozent – in Ostdeutschland dagegen 40 Prozent. Auch in einigen Regionen Westdeutschlands wird die Bilanz gezogen, die Gegend sei für junge Leute nicht attraktiv – aber weitaus seltener als in Ostdeutschland. Nur 12 Prozent der Westdeutschen, aber 31 Prozent der Ostdeutschen beklagen, dass es in ihrer Region zu wenig junge Menschen gebe.

          Die Menschen bedrücken also sehr unterschiedliche Dinge, wissen wenig voneinander, reden viel übereinander – und das manchmal eben auch unversöhnlich. Wir wollen nicht, dass es soweit kommt – oder in dieser Art weitergeht. Und Gesprächsthemen gibt es schließlich genug. Deshalb wollen wir von der F.A.Z. in Kooperation mit „Zeit Online“ und anderen Medien aus ganz Deutschland tausende Menschen, die nicht einer Meinung sind, ins Gespräch bringen.

          Leser mit unterschiedlichen Ansichten gesucht

          Dazu suchen wir im Rahmen der Aktion „Deutschland spricht“ jeweils zwei Leserinnen und Leser mit unterschiedlichen Ansichten zum Meinungsaustausch. Unter vier Augen sollen sie über polarisierende politische Fragen diskutieren und den konträren Argumenten ihres Gegenübers Platz verschaffen, zuhören – und eine echte Chance geben. Es darf gestritten, gerungen und alles auf den Tisch gebracht werden!

          Und so geht's!

          Das ist ganz einfach: Ab heute finden Sie in vielen Artikeln von FAZ.NET einen kleinen Kasten, in dem Sie eine Frage zu einem kontrovers diskutierten Thema beantworten. Insgesamt sieben Fragen werden ausgespielt, zum Beispiel zum Thema Flüchtlinge, Klimawandel oder den Russlandbeziehungen. Diejenigen, die alle Fragen beantworten, verbindet ein bewährter Algorithmus mit je einem anderen Leser. Voraussetzung: Die beiden Teilnehmer sind wirklich unterschiedlicher Meinung und leben nicht weit voneinander entfernt.

          Wie geht es dann weiter? Wenn die Software Sie mit einem anderen Teilnehmer oder einer anderen Teilnehmerin verbunden hat, fragen wir, ob Sie und der potentielle Partner einem Treffen zustimmen. Sollten Sie beide wollen, stoßen wir Ihre Koordination des Treffens an. Wie gesagt, das führen Sie in den meisten Fällen unter vier Augen. Einige wenige Paare werden wir allerdings fragen, ob wir über ihr Treffen und den Gesprächsverlauf berichten dürfen – das können Sie sich dann in Ruhe überlegen.

          Übrigens: An „Deutschland spricht“ haben sich in den vergangenen Jahren bereits zehntausende Menschen beteiligt; mehrere Hundert gegensätzliche Paare sind so ins Gespräch gekommen. Machen Sie mit, und helfen Sie dabei, die verkrustete Debattenlandschaft wieder in Schwung zu bringen, so dass wir alle Debatte und Diskussion wieder als das erleben, was sie sein sollten: konstruktiv, produktiv und für alle gewinnbringend. Wir freuen uns darauf.

          Herzliche Grüße

          Carsten Knop, Chefredakteur digitale Produkte, und

          Martin Benninghoff, Redakteur vom Dienst

          Wenn Sie Fragen haben, melden Sie sich gerne: c.knop@faz.de oder m.benninghoff@faz.de.

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