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„Deutschland spricht“ zur Wahl : „Ich stimme nicht nach Person, sondern nach Partei ab“

„Scholz, Laschet, Baerbock und Lindner sind für mich nur Personen“, sagt Thomas Schmidt. Bild: Matthias Lüdecke

Thomas Schmidt hält sich die Entscheidung bis zuletzt offen. Fest steht schon jetzt, dass er die Grünen nicht wählt. Die Interviewreihe zur Bundestagswahl „Sieben Fragen, sieben Antworten“.

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          Herr Schmidt, welche Themen sind für Ihr Kreuz auf dem Wahlzettel ausschlaggebend?

          Ina Lockhart
          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Für mich ist die Digitalisierung ein wichtiges Thema. Auch Unternehmen im ländlichen Raum sollte es ermöglicht werden, über den normalen Anschlussweg an das Breitbandnetz angebunden zu werden. In meinem Arbeitsalltag habe ich erlebt, dass mein Arbeitgeber einen Standort schließlich per Richtfunk angeschlossen hat, um zeitnah eine Lösung zu finden. Die damit verbundenen Investitionen musste das Unternehmen allein tätigen. Beim Thema Mobilität hätte ich gerne eine Verkehrswende, bei der der Öffentliche Nahverkehr uns Kunden zeitlich effizientere Verbindungen als Alternative zum Auto anbietet. Klimawandel hat bei mir auch hohe Priorität. Allerdings lege ich hier Wert auf eine Politik, die mit Augenmaß sowie technischem Verstand vorgeht und die den Klimaschutz nicht moralisiert.

          Welche der Debattenfragen, über die Sie im Rahmen von „Deutschland spricht“ diskutiert haben, treibt Sie am meisten um?

          Die Genderfrage. Sprachlich und ästhetisch ist das für mich eine Zumutung. Worte mit Sternchen oder Doppelpunkt zu versehen, ist in meinen Augen eine Bevormundung.

          „Ich bin eher ein Wechselwähler“, IT-Kaufmann Thomas Schmidt hält sich seine Wahlentscheidung bis zum Schluss offen.
          „Ich bin eher ein Wechselwähler“, IT-Kaufmann Thomas Schmidt hält sich seine Wahlentscheidung bis zum Schluss offen. : Bild: Matthias Lüdecke

          Hat Ihnen die Debatte mit Ihrem „Deutschland-spricht“-Partnern geholfen, Ihre Wahlentscheidung zu treffen?

          Nein. Aber mir war es wichtig, andere Menschen mit anderen Meinungen kennenzulernen. Ich kann sie jetzt besser verstehen. Bei bestimmten Themen sind mir neue Aspekte bewusst geworden. Eine interessante Erfahrung war auch, dass ich mir mit meinem Gesprächspartner zwar einig war, dass unser Gesundheitssystem verbessert werden muss. Doch hatten wir kontroverse Meinungen, was die Notwendigkeit der Corona-Schutzmaßnahmen anging. Ich war eher kritisch, mein Gesprächspartner eher befürwortend.

          Wo suchen Sie stattdessen Orientierung für Ihre Wahlentscheidung?

          Ich suche das Gespräch mit Freunden und Bekannten. Außerdem beobachte ich in meinem Alltag, wo es Defizite gibt und Handlungsbedarf besteht. Und dann schaue ich, wie die Parteien diese Missstände lösen wollen. Dafür lese ich auch die Partei- und Wahlprogramme. Die Triell-Debatten im Fernsehen schaue ich nicht, die sind mir zu viel Show. Zeitung und Radio sind meine Informationskanäle.

          Wählen Sie nach Partei oder Person? Sind Sie parteitreu oder Wechselwähler?

          Ich bin eher ein Wechselwähler. Ich stimme nicht nach Person, sondern nach Partei ab. Die Parteien bewerte ich nach ihren Programmen. Für mich ist wichtig, was da geschrieben steht. Scholz, Laschet, Baerbock und Lindner sind für mich nur Personen.

          Mit welchen zwei Adjektiven würden Sie den Wahlkampf beschreiben?

          Plakativ und oberflächlich.

          Wissen Sie schon, wen Sie wählen werden?

          Ich werde mir die Entscheidung bis zuletzt offen halten. Fest steht für mich nur, dass ich die Grünen nicht wählen werde. Ich gebe meine Stimme nicht per Brief ab, sondern im Wahllokal. Gerade für mich als Ostdeutscher ist das ein wichtiges Ritual, um das Privileg, die freie Wahl zu haben, bewusst zu nutzen.

          Thomas Schmidt arbeitet in einem Anstellungsverhältnis als IT-Kaufmann. Der 45-Jährige wohnt in der Nähe von Potsdam und hat bisher zwei Gespräche im Rahmen von „Deutschland spricht“ geführt. Die Absprache für ein drittes Debattentreffen läuft gerade.

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