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Aktion „Deutschland spricht“ : Unsere Leserduelle sind spannender als die Kandidaten im Wahlkampf

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Während zwei sich zufausten, lacht der Dritte (v.l.n.r.): die Kanzlerkandidaten von Grünen, Union und SPD – Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz – beim Triell am 29. August 2021. Bild: dpa

Seit Mai diskutieren unsere Leser virtuell mit einem zugelosten Gesprächspartner über aktuelle Streitfragen. Machen Sie kurz vor der Bundestagswahl noch mit und debattieren über Benzinpreise, Afghanistan oder die Impfkampagne. Klicken Sie auf die Frage im Text und los geht’s!

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          Ein Unions-Kanzlerkandidat, der im Katastrophengebiet lacht, eine grüne Kandidatin, die abschreibt, und ein Sozialdemokrat, der vor allem durch die Schwächen seiner Mitbewerber glänzt? Für viele Wählerinnen und Wähler gestaltet sich der Gang an die Wahlurne in diesem Jahr besonders schwierig. Wie die Parteien nach sechzehn Jahren Angela Merkel um Stimmen werben, wirkt bisher eher lahm als mitreißend.

          Gleichzeitig ist diese Bundestagswahl richtungsweisend: Wer künftig regieren wird, ist offen wie lange nicht, und damit auch, welche Probleme auf der politischen Agenda in Zukunft ganz oben stehen. Wie muss der Klimawandel bekämpft werden? Sollte bundesweit die 2G-Regel gelten? Sorgt Gendern für mehr Gerechtigkeit?

          Schon seit vier Monaten streiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen der Debattenakation „Deutschland spricht“ über Themen, die das Land umtreiben. Sie äußern dabei Zuversicht und Hoffnung, aber auch Frust und Sorge. Über „Lügen in Wahlprogrammen“ klagt etwa Kirsten Lindner-Schwentick aus Dortmund, während sich Henrik Petersen aus Hamburg erfreut über die jüngsten Wahlprognosen zeigt. Edmund Dehnel aus der Nähe von Ravensburg gibt sich zuversichtlich, „dass bei den Bundeswahlen neue Politiker an die Macht kommen“.

          Machen auch Sie mit und diskutieren Sie bis zum Wahltag am 26. September mit einem zugelosten Gesprächspartnern, der bei zentralen Streitfragen ganze andere Ansichten vertritt als Sie. Tauschen Sie sich aus zu Inlandsflügen, zur Aufnahme von aus Afghanistan geflüchteten Menschen oder zu einer Corona-Impfpflicht für Erwachsene.

          Als die Debattenaktion „Deutschland spricht“ im Mai startete, schwebten die Grünen im Umfragehoch. Auf 26 Prozent kam die Partei im Sonntagstrend und lag damit zeitweise sogar vor der Union. An ein Wiedererstarken der Sozialdemokraten war noch nicht zu denken. Gut vier Monate später ist die Situation eine ganz andere: Die Christdemokraten liegen hinter der SPD, die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock rutscht in der Beliebtheit immer weiter ab.

          Weil sich aber nicht nur die Umfragen verändert haben, sondern auch die Themen der öffentlichen Debatte, können Leserinnen und Leser, die schon bei „Deutschland spricht“ angemeldet sind, bis zur Bundestagswahl weitere Diskussionen führen – auch über neue Streitfragen, die im Verlauf der Aktion an aktuell diskutierte Themen angepasst wurden. Den Anmeldeprozess können Sie mit einem Klick auf die folgende Frage starten: 

          Einen Schlagabtausch über die Anti-Corona-Maßnahmen haben sich bisher zum Beispiel Karin Attner aus Berlin und Christopher Feiertag aus Chemnitz geliefert. Bei einem virtuellen Treffen, denn pandemiebedingt finden die „Deutschland spricht“-Gespräche in diesem Jahr per Videokonferenz statt.

          Attner kann keine Schutzmasken tragen und sympathisiert mit den sogenannten Querdenkern. Als sie erzählt, dass sie Menschen aus der ehemaligen DDR kenne, die sich durch die Corona-Einschränkungen an die Verhältnisse von damals erinnert fühlten, widerspricht Feiertag vehement. „Verzeihen Sie, aber da kriege ich leichten Hass.“ So schmerzhaft die Einschränkungen manchmal seien – ein Vergleich sei nicht gerechtfertigt, sagt er. „Selbst mit zehn Masken hätte ich nicht das Gefühl, ich trage einen Maulkorb.“

          Oder Lars Denk und Tjark Kandulski. Der eine ist Chef eines Automobilzulieferers, der andere ein großstädtisch geprägter Student. Sie haben den Wohnungsmarkt und die Zukunft des Autos ins Zentrum ihres Zwiegesprächs gestellt. Für Denk muss das Angebot an bezahlbaren Wohnungen durch mehr Neubauten vergrößert werden, Kandulski „will die Enteignung“. Auch beim Thema Benzinpreise liegen ihre Meinungen weit auseinander. Denk mahnt, Mobilität müssen auch für jene möglich sein, die weniger Geld zur Verfügung hätten. Kandulski sagt, er würde sogar seiner Oma höhere Benzinpreise zumuten. Alle Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen, gelinge nicht durch billigeres Benzin, sondern durch mehr öffentlichen Nah- und Fernverkehr.

          So unterschiedlich die Positionen der vier Teilnehmer sind, alle sind überzeugt, dass es wichtig ist, miteinander im Gespräch zu bleiben, sich einzulassen auf das, was man von seinem Gegenüber erfährt – auf seine Argumente, aber auch auf seine Erfahrungen und Lebensumstände.

          Die F.A.Z. nimmt 2021 zum dritten Mal an der Aktion „Deutschland spricht“ teil, die ursprünglich von Zeit Online entwickelt wurde und an dem sich weitere Partnermedien beteiligen. 23.178 Personen haben sich bislang angemeldet, 6071 Gespräche kamen zustande.

          Neu an der Aktion ist in diesem Jahr, dass die Teilnehmer nach den Gesprächen rückmelden können, wie sie den Austausch empfunden haben und inwiefern sich ihre Haltung dadurch verändert hat. Viele Teilnehmer sehen sich durch die Gespräche in einigen ihrer Ansichten bestätigt (73,4 Prozent), eine knappe Mehrheit gibt an, dass ihr Gegenüber sie in einem oder mehreren Punkten überzeugt hat. Viele wollen außerdem mit ihren Gesprächspartnern in Kontakt bleiben. „Es ist sehr schön, mit Ihnen zu diskutieren“, sagt etwa der Chemnitzer Christopher Feiertag gegen Ende seines fast zweistündigen Zwiegesprächs mit der Berlinerin Karin Attner. „Weil man sich trotz gegensätzlicher Ansichten auf einer Ebene begegnet.“

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