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„Deutschland spricht“ : „Wir meckern auf hohem Niveau“

Bitte lächeln: Engelbert Hermann und Martin Benninghoff Bild: Martin Benninghoff

Ingenieur trifft auf Journalisten: Bei der Leseraktion „Deutschland spricht“ diskutiert der 32 Jahre alte Engelbert Herrmann mit dem Autor. Wie sehr die Prägung durch die Herkunft auch die Sicht auf das Corona-Krisenmanagement prägt, zeigt dieses muntere Gespräch. Ein Selbstversuch.

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          Eigentlich stehen die Dinge denkbar schlecht: Der Algorithmus von „Deutschland spricht“ hat Engelbert Hermann und mich zufällig zusammengebracht. Wir nehmen beide an der Leseraktion teil, die Menschen mit unterschiedlicher Meinung an einen Tisch bringt. Wir sollen also miteinander streiten, über die Frage, ob die Bundesregierung beim Corona-Krisenmanagement eine gute Figur abgibt, oder ob die Maskenpflicht sinnvoll oder bloße Drangsal ist.

          Allerdings: Wir beide sind in unserem Fragebogen in vier von sieben Fragen derselben Meinung, nur bei drei Antworten unterscheiden wir uns. Dass das Gespräch per Videoschalte doch zu einem Gewinn wird, liegt vielleicht genau darin begründet: Wir müssen uns nicht mit unseren gegensätzlichen Maximalpositionen behaupten, müssen uns nicht übertrumpfen oder vom Gegenteil überzeugen. Wir können – im besten Sinne – einfach miteinander sprechen. Und das wird spannend.

          Engelbert Hermann ist 32 Jahre alt, acht Jahre jünger als ich. Was zu der leicht grotesken Situation führt, dass wir uns fast die gesamte Zeit unseres annähernd zweistündigen Gesprächs siezen, obwohl wir irgendwie doch gleichalt sind. Das dachte ich zumindest. Hermann allerdings wartet darauf, dass ich ihm als der Ältere das „Du“ anbiete. Bis ich auf den Trichter komme, ist die Zeit fast herum, sei's drum: Dass die Distanz aber auch ohne lockerere Anrede schnell reduziert wird, liegt vor allem an Hermann selbst: Der studierte Ingenieur für Gebäudetechnik, der zuvor Elektriker gelernt hat, entspricht so gar nicht dem typischen Klischeebild eines einseitig auf Zahlen und Fakten abhebenden Technikfreaks. Aktuell liest er Philipp Hübls Buch „Die aufgeregte Gesellschaft“, das sich mit dem Einfluss von Gefühlen auf unsere Sicht der Dinge beschäftigt. Auch in der Corona-Krise zeigt sich schließlich zunehmend, wie Emotionalisierungen Fakten verdrängen und die Polarisierung verstärken. Später wird er Habermas zitieren, auch das hätte ich nicht unbedingt erwartet. So fallen plumpe Vorurteile wie die berühmten Kartenhäuser in sich zusammen.

          Aber vergessen wir erst einmal die großen Debatten und lernen uns kennen, zumal Hermann Interessantes zu erzählen hat. Seine Familie ist siebenbürgischer Abstammung, stammt also aus dem heutigen Rumänien, wo seine beiden Großmütter und einige andere Verwandte noch immer zu Hause sind. Seine Eltern und er leben in Ulm, unweit voneinander entfernt, mit Rumänien telefoniert er regelmäßig. Seine Omas, sagt Hermann, kämen mit der Corona-Situation gut zurecht, was auch daran liegen würde, dass sie auf Bauernhöfen lebten und viel Platz hätten. Wir beide genehmigen uns den Scherz, dass die beiden Damen wohl auch schon Schlimmeres erlebt hätten, nämlich die Diktatur des größenwahnsinnigen Nicolae Ceaușescu – wahrscheinlich steckt in dem Scherz auch ein Krümelchen Wahrheit. Was kann einem da noch Corona anhaben?

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