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„Deutschland spricht“ : Wo sich ein Grüner und ein AfDler einig sind

  • -Aktualisiert am

Ins Gespräch vertieft: Soziologie-Student Yannick Werner und Anwalt Robert Gödel Bild: Michael Schulz

Robert Gödel ist AfD-Mitglied, Yannick Werner bei den Grünen. Beide wollen bei der Aktion „Deutschland spricht“ dem politischen Gegner den Schrecken vor der eigenen Position nehmen – und entdecken dabei einige Gemeinsamkeiten.

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          Föderalismus oder Gendern? Robert Gödel und Yannick Werner starten gut gelaunt in das Gespräch. Für den Einstieg wollen sie dem ganz großen Konflikt zunächst aus dem Weg gehen. Also Föderalismus. Werner, der Soziologie in Konstanz studiert, ist damit zufrieden, dass die Bundesländer eigene Kompetenzen haben. Darin ist er sich einig mit Gödel – der das aber mit einem Seitenhieb verbindet: „Ich bin gegen jede Form von Zentralismus, also auch gegen die EU.“ Der Rechtsanwalt aus Starnberg setzt den ersten Nadelstich, Werner zieht die Augenbrauen hoch.

          Solche Momente wird es in den kommenden drei Stunden viele geben: Die beiden Diskutanten verbindet einiges, bei manchen Themen sind sie sich schnell einig. Und doch sind sie sich politisch fern. Der 21 Jahre alte Werner engagiert sich für die Grünen, der 56 Jahre alte Gödel ist Mitglied der AfD. Im Vorfeld hatte Gödel auf die Frage, was er am wenigsten möge, geantwortet: „Annalena Baerbock und ihren Laden“.

          Trotzdem ist er froh, bei der Aktion „Deutschland spricht“ mit einem politischen Gegner sprechen zu können. Diese Gelegenheit habe er sonst nicht. „Diejenigen, die anderer Meinung sind als ich, wollen oft nicht mit mir reden. Meine Meinung liegt wohl nicht mehr im zulässigen Korridor.“ Aber Werner will mit ihm sprechen, ihn treibt um, wie die Gesellschaft funktioniert und was sie zusammenhält. Er verspricht: „Ich versuche sie zu verstehen. Wir müssen am Ende nicht einer Meinung sein, aber wir können versuchen, sie gegenseitig zu akzeptieren.“

          „Ich bin mir nicht sicher, ob wir dieses Virus wieder loswerden“

          Gödel macht sich große Sorgen darüber, dass die Pandemie auch mit Impfungen nur schwer in den Griff zu bekommen sei. „Chile war vor einigen Monaten noch Impfweltmeister, aber jetzt sind die Krankenhäuser voll. Ich bin mir nicht sicher, ob wir dieses Virus wieder loswerden, so dass die Situation halbwegs erträglich ist.“ Der Starnberger sieht die Bundesregierung in der Verantwortung, während der ersten Welle hätte sie radikaler auf die Bremse drücken müssen. Auch Werner sieht den Wechsel zwischen zu laschen Lockdowns – wie im Herbst 2020 – und schnellen Öffnungen kritisch.

          Der Soziologie-Student Yannick Werner spricht mit dem Anwalt Robert Gödel über gemeinsame und gegensätzliche politische Positionen.
          Der Soziologie-Student Yannick Werner spricht mit dem Anwalt Robert Gödel über gemeinsame und gegensätzliche politische Positionen. : Bild: Michael Schulz

          Ob er sich denn habe impfen lassen, will Werner von AfD-Anhänger Gödel wissen. Der bejaht, er sei schon früh doppelt geimpft gewesen. Werner wirkt positiv überrascht: „Da freue ich mich für Sie!“ Gödel geht mit der Linie seiner Partei in der Pandemie auch nicht konform. „Da sind meine und die Parteiposition unvereinbar. Wir beide sind uns da wahrscheinlich eher einig.“ Auch mit Corona-Leugnern will er nichts zu tun haben. Werner berichtet davon, dass „Querdenker“ in Konstanz demonstriert hätten. „Das hat mir schon Angst gemacht, wie diese Leute aufgetreten sind.“

          Gödel berichtet, er sei 2015 in die AfD eingetreten, aber noch bevor die Aufnahme von Geflüchteten zum beherrschenden Thema der Partei wurde. „Mir ging es um den Euro und die EU, da bin ich dagegen.“ Er habe aber nie etwas getan oder gesagt, dass eine Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz rechtfertigen würde. Werner sieht das nicht als Entschuldigung. Die Partei habe sich radikalisiert, das sehe man auch an Personen wie Björn Höcke, argumentiert er. Gödel zieht das in Zweifel, die Radikalisierung werde der Partei nur von außen zugeschrieben. „Höcke lässt es rhetorisch krachen, aber inhaltlich ist er gar nicht so viel extremer als andere.“

          „Das finde ich nicht in Ordnung“

          In Dänemark würde die AfD in der Mitte der Parteienlandschaft stehen, wenn man die Flüchtlingspolitik betrachte, sagt Gödel. Zuwanderung stärker zu steuern und zu begrenzen, hält er für richtig. Werner argumentiert dagegen: „Deutschland würde ohne Zuwanderung schlechter dastehen. Das Land würde schrumpfen.“ „Wir brauchen aber nicht solche, die Analphabeten sind, sondern Fachkräfte“, insistiert Gödel. Beide Gesprächsteilnehmer haben Erfahrungen mit Flüchtlingen gemacht, die sie geprägt haben, wie sie berichten: Gödel als Rechtsanwalt eher negative, Werner persönlich eher positive.

          Dementsprechend klar sind auch ihre Haltungen bei dem Thema: Gödel zweifelt an Geschichten von Flüchtlingen. Es sei unglaubwürdig, wenn viele auf der Flucht ihren Pass, nicht aber ihr Smartphone verlieren würden. An dieser Stelle wird Werner so deutlich wie sonst selten in dem Gespräch: „Das finde ich nicht in Ordnung! Diese Menschen fliehen aus Krisengebieten und dann wird ihnen in Deutschland von der AfD ins Gesicht gesagt, dass sie lügen würden.“ „Aber es wird doch nichts besser, wenn wir die Flüchtlinge hier aufnehmen, wir müssen die Krisen vor Ort lösen“, entgegnet Gödel. Außerdem müsse konsequenter abgeschoben werden, findet er.

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