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„Deutschland spricht“ 2022 : „Ich hätte kein Problem, drei Euro je Liter Sprit zu zahlen“

  • -Aktualisiert am

Auf Vernunft oder auf Verbote setzen? Harald Goebel und Elisabeth Decker diskutieren. Bild: Frank Röth

Das Klima und die Umwelt zu schützen muss weh tun, findet Elisabeth Decker – auch ihr selbst. Sie ist für ein Tempolimit und die Abschaffung von Inlandsflügen. Harald Goebel will lieber Anreize als noch mehr Verbote.

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          Elisabeth Decker unterbricht sich selbst, als sie das satte Motorgeräusch einer vorbeifahrenden Harley wahrnimmt. Gerade hat sie mit Harald Goebel über Brennstäbe und Atommüll diskutiert, aber jetzt gilt ihre Aufmerksamkeit dem Motorrad. „Ah, das ist eine mit quer eingebautem V2-Motor“, sagt sie. „Ich fahr’ ’ne Guzzi, die hat einen längs eingebauten V2-Motor. Die hat den gleichen geilen Sound, aber der Motor ist technisch viel ausgereifter.“ Goebel kann dem nur zustimmen: „Also ich bin mit meiner Bonneville T120 super zufrieden“, sagt er. „Drei Zylinder, oder?“, fragt Decker. „Zwei Zylinder!“, antwortet Goebel. „Ah, von Triumph“, sagt Decker.

          Kim Maurus
          Volontärin.

          Die 20 Jahre alte Mechatronik-Studentin Decker und der 57 Jahre alte Physiker Goebel sitzen gemeinsam in einem Café im hessischen Darmstadt. Die zwei Teilnehmer von „Deutschland spricht“ haben auf die ihnen im Vorfeld gestellten Fragen nur bei „Sollten die Kriegsfolgen mit einer Reichensteuer finanziert werden?“ beide mit „Ja“ geantwortet, ansonsten fallen ihre Antworten stets gegensätzlich aus. Goebel ist etwa dagegen, dass die Ukraine EU-Mitglied wird, Decker dafür. Goebel ist für Aufrüstung und eine Wiedereinführung der Wehrpflicht, Decker nicht.

          Als Motorradfahrerin im Zwiespalt

          Allerdings teilen beide dieselbe Leidenschaft, wie sie gerade entdeckt haben: das Motorradfahren. Und da verwundert es nicht, dass sie zuerst auf die Sinnhaftigkeit eines Tempolimits auf deutschen Autobahnen zu sprechen kommen. Decker engagiert sich bei den Grünen, ihre Position ist klar: „Ich bin dafür, dass wir ein generelles Tempolimit einführen“, sagt sie. Zum einen sei da der Klimaaspekt. „Wenn man 130 fährt statt 230, stößt man auf der gleichen Strecke weniger CO2 aus.“ Zum anderen gehe es auch um Sicherheit, etwa, wenn man mit 280 Stundenkilometern über die Autobahn brettere: „Das sind Geschwindigkeiten, die kann das menschliche Gehirn einfach nicht einschätzen. Wozu auch, evolutionär gesehen?“

          Sie könne nicht nachvollziehen, dass Deutschland das einzige Land in Europa ohne generelles Tempolimit auf den Autobahnen sei. Auch auf den Landstraße seien zu hohe Geschwindigkeiten erlaubt. „In den Niederlanden gelten auf der Landstraße 60 bis 80 Stundenkilometer.“ Natürlich finde sie als Mechatronik-Studentin die Motoren der schnellen Autos spannend. Als Motorradliebhaberin sei sie da manchmal in einem moralischen Zwiespalt, wünsche sich aber dennoch striktere Regeln.

          Goebel, der in einem internationalen IT-Unternehmen arbeitet, glaubt nicht, dass ein Tempolimit etwas an der aktuellen Situation auf Deutschlands Autobahnen ändern würde – auch wenn er selbst schon erlebt hat, wie gefährlich zu hohe Geschwindigkeiten sein können. Einmal sei er mit mehr als 200 Stundenkilometern auf einer gut ausgebauten, kaum befahrenen Autobahn unterwegs gewesen, aber hinter der Kurve habe unerwartet ein Stau begonnen. „Zum Glück hatte ich einige Zeit vorher ein Sicherheitstraining gemacht, das Gelernte war sofort präsent“, sagte er. Er habe es geschafft, auf dem Standstreifen zum Stehen gekommen. „Mittlerweile fahre ich längst freiwillig um die 120“, sagt er.

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