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„Deutschland spricht“ : „Wenn du Kinder hast, wirst du das Klima-Thema anders sehen“

Freiheit oder Gerechtigkeit? Josias Olbrich (l.) und Angelo Maimone diskutieren in Darmstadt im Rahmen von „Deutschland spricht“. Bild: Michael Kretzer

Angelo Maimone will nicht zum Verzicht gezwungen werden. Josias Olbrich glaubt, dass es ohne Verbote nicht geht. Bei „Deutschland spricht“ streiten sie über hohe Mieten, niedrigen Mindestlohn – und unsinnige Mallorca-Reisen.

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          Das erste Zeichen setzen Angelo Maimone und Josias Olbrich, bevor sie überhaupt einen Satz miteinander gesprochen haben: Während sich Auto um Auto die vierspurige Hauptstraße entlang durch den Feierabendverkehr quält, fahren beide mit dem Fahrrad am Treffpunkt unweit der Darmstädter Innenstadt vor. Radeln durch die feuchtkalte Oktoberluft als direktes Bekenntnis zum persönlichen Kampf gegen den Klimawandel? Vielleicht. Sind hier also zwei Menschen einer Meinung, wie man den Anforderungen eines unsicher in die eigene Zukunft blickenden Landes begegnen sollte? Keinesfalls.

          Unabhängig voneinander haben sich Olbrich und Maimone bei der Aktion „Deutschland spricht“ angemeldet und dafür sieben Ja/Nein-Fragen beantwortet. Gleich sechs Mal waren sie sich uneins, deswegen hat sie der Algorithmus miteinander verbunden und ihnen ein gemeinsames Gespräch vorgeschlagen. Wie fast 4000 andere „Deutschland spricht“-Paare treffen sie sich an diesem Abend im Herbst in einem Restaurant, um zu streiten. Beide meinen, dass es um die Debattenkultur schlecht bestellt ist, dass oft mehr gebrüllt als gedacht wird und, dass es gut tun müsste, eigene Standpunkte auch mal auf den Prüfstand zu stellen. So starten sie, jeweils mit Apfelschorle bewaffnet, in ein Gespräch über Mieten, Mindestlohn und Mallorca-Touristen, duzen sich direkt, tauschen Argumente aus, lassen sich aussprechen – und widersprechen einander schnell in fast jedem Punkt.

          Olbrich: „Was bringt es, das Fliegen um zwanzig, dreißig Euro teurer zu machen? Niemand wird deswegen auf seine Ballermann-Reise verzichten. Flugtickets müsste man mit 100 Prozent besteuern.“
          Maimone: „Aber Reisen ist doch auch Völkerverständigung. Wer es sich nicht mehr leisten kann, andere Länder und Kulturen kennenzulernen, bleibt immer in seiner Blase und ändert sich nicht.“
          Olbrich: „Du glaubst doch nicht, dass die Leute wegfliegen, um sich zu bilden? Die allermeisten wollen saufen und am Strand liegen. Wenn du Kinder hast, wirst du das Klima-Thema anders sehen.“

          „Die meisten Erfindungen, wie Flugtaxis oder sowas werden sowieso nie in unserem Alltag ankommen. Die Industrie hilft uns bei der Zukunftsfrage nicht. Deswegen ist der Einzelne gefragt“, glaubt Josias Olbrich.

          Olbrich, 56 Jahre alt, verbeamteter Bewährungshelfer und an Kampfkunst und Comics interessierter Familienvater, versucht seinen Gesprächspartner mit seinen Erfahrungen und einschneidenden Erlebnissen zu überzeugen. Er beruft sich auf Menschen, die er durch seinen Job kennt, auf seine Familien und sogar auf Gäste aus österreichischen Talkshows. Ihm geht es vor allem um Gerechtigkeit. Arbeiten müsse sich lohnen, und auch wer nicht gut bezahlt wird oder keinen Job hat, soll sich eine Wohnung leisten können und von der Gesellschaft nicht einfach übergangen werden. Die Klima- und Sozialpolitik der Bundesregierung hält Olbrich für einen Witz.

          Der 31 Jahre alte Maimone wiederum, der seine Karriere als Investmentbanker gestartet hat, nun im IT-Bereich arbeitet und sich für Immobilien, Aktien und Sport begeistert, versucht seine Meinung mit Fakten und Statistiken zu stützen und zitiert Studien und Gesetzesänderungen. Er will auf keinen Fall zum Verzicht gezwungen oder in seiner Freiheit eingeschränkt werden – egal, ob es um seine Mobilität oder seine Ernährung geht. Seiner Meinung nach muss Deutschland wirtschaftsfreundlicher werden, damit Innovationen vorangetrieben werden und Arbeitsplätze erhalten bleiben.

          Maimone: „Bis in Asien und Afrika alle mit Elektroauto fahren, vergehen noch Jahrzehnte. Darum müssen VW und Mercedes weiter Diesel und Benziner entwickeln und effizienter machen, damit wir in Deutschland unsere Stellung nicht verlieren.“

          Olbrich: „Die meisten Erfindungen, wie Flugtaxis oder sowas werden sowieso nie in unserem Alltag ankommen. Die Industrie hilft uns bei der Zukunftsfrage nicht. Deswegen ist der Einzelne gefragt.“

          Die Herkunft der Teilnehmer

          Rostock

          Hamburg

          Bremen

          Berlin

          Hannover

          Magdeburg

          Münster

          Dresden

          Köln

          Erfurt

          Frankfurt

          Nürnberg

          Stuttgart

          München

          Grafik: Giesel

          Die Herkunft der Teilnehmer

          Rostock

          Hamburg

          Bremen

          Berlin

          Hannover

          Magdeburg

          Münster

          Kassel

          Leipzig

          Dresden

          Köln

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          Frankfurt

          Nürnberg

          Mannheim

          Saarbrücken

          Stuttgart

          München

          Grafik: Giesel

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