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„Deutschland spricht“ : „Ich würde mir einen ehrlicheren Wahlkampf wünschen“

Rebekka Liese führt das Zoom-Gespräch „Deutschland spricht“ in ihrem Hinterhof. Bild: Matthias Lüdecke

Die Studentin Rebekka Liese wohnt mit Mann und Kind in Halle, der Jurist Peter Kettenring lebt in Düsseldorf. „Deutschland spricht“ bringt sie zusammen und entfacht zwischen ihnen eine Debatte über Verbrennungsmotoren.

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          „Hey Rebekka, wo bist du denn? Das sieht ja so schön sonnig aus!“ Fröhlich begrüßt Peter Kettenring seine ihm bislang noch unbekannte Gesprächspartnerin. Während er in seinem Arbeitszimmer vor vollen Bücherregalen sitzt, hat sich Rebekka Liese ihren Hinterhof als Ort für das Gespräch ausgesucht. Zwei Menschen aus unterschiedlichen Städten und Lebenssituationen treffen sich virtuell zum Gespräch. Wo setzt man da thematisch an? Rebekka Liese entscheidet sich für die Blasen, in denen wir leben. Sie spricht von „Bubbles“. Derzeit lebe sie in zwei Welten. Im urbanen Lebensraum in Halle und bei ihren Eltern auf dem Land. Kettenring nickt wissend. Das Thema Bubbles findet er spannend.

          Annina Metz
          Redakteurin für Social Media.

          Schnell wird deutlich, dass beide – zumindest aktuell –  nicht in denselben Welten zu Hause sind. Liese, Theologiestudentin und Mutter eines kleinen Sohnes, kommt schnell auf das Thema Geld zu sprechen. Die Behördengänge strengen sie an, Zuschüsse und Förderungen lassen auf sich warten. In Halle leitet sie eine Foodsharing-Initiative und nimmt auch dort abgegebene Lebensmitteln für den Eigenbedarf mit nach Hause. Das Ehrenamt übt sie gerne aus, doch ohne diesen Sparanreiz könnte sie den Einsatz ihrer Zeit angesichts des angespannten Familienbudgets nicht rechtfertigen.

          Kettenring, älter als Liese und Bereichsleiter der Rechtsabteilung eines Telekommunikationsanbieters, lebt mit seiner Frau, ebenfalls Juristin, in der Düsseldorfer Innenstadt. Geldprobleme kennt er aus dem Studium. Selbst aus einem Lehrerhaushalt stammend lernt er finanzielle Schwierigkeiten kennen, als er sich in einer Fabrik etwas dazu verdient und mit den Arbeitern dort ins Gespräch kommt. Für ihn war schnell klar, dass er studieren und Karriere machen will. Heute blickt er zufrieden und dankbar auf diese Sicherheit. Liese erarbeitet sich diese noch. Gerne würde sie einmal ins Pfarramt gehen, ihr Mann studiert derzeit auf Lehramt.

          „Da kann das Huhn kein glückliches Leben gehabt haben“

          Von den Finanzen kommen die beiden schnell auf Lebensmittel zu sprechen. „Qualität sollte jeder zu einem bezahlbaren Preis erhalten“, fordert Kettenring. Liese findet die Fleischpreise viel zu billig. Sie kennt sich bestens aus: Ihre Kindheit auf dem Land hat sie sensibilisiert und ihr viel über Tierhaltung beigebracht. Aus dem Stand rechnet sie Haltungs-, Lebens- und Verarbeitungskosten aus und vergleicht sie mit den Supermarktpreisen für den Endverbraucher. „Ein Huhn kostet normalerweise 15 Euro. Ein Küken kostet so 4,50 Euro, aber dann muss man noch ungefähr fünf Euro fürs Futter rechnen. Das sind aber keine Tiere aus Bio-Zucht. Konventionelle Tiere kosten gerupft und fertig ausgenommen im Kühlregal im Supermarkt zwischen fünf und sieben Euro.“ Kettenring resümiert: „Da kann das Huhn kein glückliches Leben gehabt haben.“  

          Liese ist in ihrem Element. Sie berichtet von Schwierigkeiten in ihrer Heimat. Was sie über die realen landwirtschaftlichen Bedingungen weiß, vermisst sie im Parteiprogramm der Grünen. Trotzdem kann sie sich mit ihnen am meisten identifizieren: „Ich würde mir einen ehrlicheren Wahlkampf wünschen. Was ist das Ziel und wie kommen wir dahin? Das haben die Grünen deutlich expliziter gesagt als die anderen. Und das würde ich mir von den anderen Parteien auch wünschen.“

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