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„Deutschland spricht“ : Jung gegen Alt statt Ost gegen West

„Deutschland spricht“ in der Frankfurter Paulskirche: F.A.Z.-Herausgeber Werner D’Inka Bild: Frank Röth

Tausende Menschen, die sich bei der Aktion „Deutschland spricht“ über die F.A.Z. und Partnermedien angemeldet haben, treffen sich in Frankfurt und anderswo – und streiten über politisch kontroverse Themen. Ziel: Sprachlosigkeit überwinden. Schon der Auftakt fördert spannende Erkenntnisse zutage.

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          „Die Leute müssen miteinander reden.“ Dieser Satz, so einfach und klar ausgesprochen, ist keine Selbstverständlichkeit. Er war es vielleicht noch nie. Aber heute – in Zeiten von Fake News, pathologisch aufgeregten Debatten und Hatespeech im Netz – scheint die Sprachlosigkeit der Menschen größer geworden zu sein. Das zumindest meint die langjährige Frankfurter Schulleiterin Helga Artelt, die wie Hunderte andere interessierte Bürger am Mittwoch in die Frankfurter Paulskirche zur Dialogveranstaltung Deutschland spricht gekommen ist.

          Martin Benninghoff

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ihr Gesprächspartner hat zuvor abgesagt, aber gekommen ist sie trotzdem: „Ich kenne dieses Projekt länger, und ich finde, das ist ein guter Ansatz.“ Dass bei Fragen wie „Ist Deutschland durch Einwanderung unsicherer geworden?“ oder „Leben die Alten auf Kosten der Jungen“ der Grat zwischen fruchtbarer Debatte, Sprachlosigkeit und blankem Hass derart schmal geworden ist, erschüttert viele hier, nicht nur Artelt, sondern auch Peter Bauch aus dem hessischen Bad Vilbel, der in der politischen Erwachsenenbildung tätig ist: „Die Idee finde ich klasse. Viele fürchten die Folgen polarisierender Debatten.“ Das müsse sich wieder ändern.

          Deutschland spricht kann und soll dazu beitragen. Organisiert und initiiert von den Hamburger und Berliner Kollegen von „Zeit Online“, beteiligt sich in diesem Jahr auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung an der Initiative, die die Menschen in politisch polarisierten Zeiten einander näher bringen soll. Rund 18.000 Leserinnen und Leser der beiden Medien sowie einiger anderer Partner konnten sich in den vergangenen Wochen im Internet anmelden, gut 14.000 wurden bestätigt. Letztlich trafen sich davon rund 3000 Paare unterschiedlicher politischer Gesinnung in ganz Deutschland, um miteinander zu sprechen und zu streiten. Etliche Dialoge fanden gleich am Mittwoch statt, nach den Auftaktveranstaltungen mit zahlreichen Rednern an symbolbeladenen Orten – der Frankfurter Paulskirche und der Dresdner Frauenkirche. Andere Gesprächspaare trafen sich an anderen Orten: in Köln, Lüneburg, Heidelberg, Berlin, Darmstadt oder Leipzig, privat zuhause, in Cafés oder Restaurants. Auf FAZ.NET lesen Sie in den nächsten Tagen, wie einige Gespräche verlaufen sind – und ob sich die Diskutanten inhaltlich nähergekommen oder im Streit geschieden sind.

          Nach der Anmeldung im Netz wurden die Streitpaare mit einem Algorithmus ausgewählt. So konnten Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten, die in der Nähe wohnen, zusammengebracht werden. Im Durchschnitt haben die Pärchen zuvor 4,5 von sieben Fragen unterschiedlich (mit Ja oder eben Nein) beantwortet. Der Teilnehmerkreis ist in diesem Jahr übrigens etwas weiblicher, ostdeutscher und ländlicher geprägt als in den Vorjahren. Trotzdem fällt auch an diesem Mittwoch in der Paulskirche auf, dass Frauen unterrepräsentiert sind: Etwa 68 Prozent der Teilnehmer von Deutschland spricht sind Männer, nur 30 Prozent Frauen. Rund 57 Prozent der Teilnehmer wohnen in Großstädten, bundesweit beträgt dieser Anteil aber nur circa ein Drittel. Dieser Effekt hat natürlich auch mit der Leserschaft der F.A.Z. und der anderen Medien zu tun.

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