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„Deutschland spricht“ 2022 : „Viele Reiche lassen ihr Geld für sich arbeiten“

Sozialliberal gegen konservativ: Susanne Bundschuh aus Schwäbisch Gmünd spricht mit Jonas Breßler aus Frankenthal. Bild: Ilkay Karakurt, privat

Eine Reichensteuer zur Kriegsfinanzierung? Der deutsche Spitzensteuersatz sei schon jetzt eine Strafe für Leistungsträger, findet Jonas Breßler. Susanne Bundschuh meint, das Steuerrecht übervorteile die Reichen. Der Konservative und die Sozialliberale treffen aufeinander.

          8 Min.

          Unterschiedlicher könnten die Lebenswelten der beiden Diskussionspartner kaum sein. Alt gegen jung. Studium gegen Ausbildung. Mann gegen Frau. Susanne Bundschuhs und Jonas Breßlers Gespräch beginnt launig. Zum Aufwärmen reden sie über ihre Backaktivitäten während der Corona-Pandemie und über ihre Familiensituation. Später, wenn sie über den Ukrainekrieg sprechen, kommen die konträren Meinungen zum Vorschein bei dem Gesprächspaar, das sich für die Diskussionsreihe „Deutschland spricht“ angemeldet hat.

          Kevin Hanschke
          Volontär.

          Susanne Bundschuh ist Buchhalterin und stammt aus Schwäbisch Gmünd. Nebenbei organisiert die Einundsechzigjährige Kulturevents und bringt sich in Kulturvereinen in ihrer Heimatstadt ein. Sie selbst bezeichnet sich als sozialliberal und sagt, dass sie besonders die Armut vieler Rentner durch die Inflation als schwerwiegendes Problem betrachtet. Mit Diskussionsformaten wie „Deutschland spricht“ hat sie schon Erfahrungen sammeln können. Zuletzt machte sie bei „Europe Talks“ mit – ebenfalls ein Debattenformat, mit dem „Zeit Online“ grenzüberschreitend Vieraugengespräche initiiert.

          Er lehnt „Symbolpolitik“ ab

          Jonas Breßler aus Frankenthal erzählt hingegen, dass er immer wieder versucht hat, an solchen Gesprächsformaten teilzunehmen, aber nie ausgewählt wurde. „Solche Diskussionen sind wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagt er. Breßler ist 29 Jahre alt und lebt mit seiner Verlobten in der Kleinstadt nahe Ludwigshafen. Momentan sitzt er an seiner Promotion in Neuerer Geschichte. Er hat ein Lehramtsstudium abgeschlossen und will nach der Promotion als Lehrer tätig sein.

          Er selbst bezeichnet sich als „konservativ“. Seit einigen Jahren ist er Mitglied der CDU und auch in deren Stadtvorstand aktiv. Schon im Studium habe er sich im Studentenverband der Union, dem Ring Christlich-Demokratischer Studenten, engagiert. Daneben ist er im Technischen Hilfswerk des Ortes aktiv und wünscht sich „mehr Menschen, die sich für die Gemeinschaft engagieren“. Er sehnt sich nach Gesprächen, die respektvoll sind. In seinem politischen Alltag gebe es häufig Situationen, in denen Menschen mit „wenig Argumenten, aber mit vielen Vorurteilen an Debatten herangehen“.

          Die Diskussion der beiden startet mit dem Tempolimit auf Autobahnen, über das Treibstoff gespart und somit die Abhängigkeit von russischem Öl verringert werden könnte. Breßler spricht sich dagegen aus, besonders weil er „Symbolpolitik“ ablehne. Er sagt, dass er Autofahren hasse, aber die Freiheitseinschränkung dennoch nicht akzeptiere. „Es sollten nicht andere Menschen den Autofahrern vorschreiben, was sie zu tun haben und wie viel sie für Benzin ausgeben.“ Er argumentiert, dass das Tempolimit ineffizient sei. Er verweist auf Spanien, wo er eine Weile studiert hat und wo ein Tempolimit existiert. Dort sei die Zahl der Verkehrstoten dennoch eine der höchsten in ganz Europa. Zudem glaubt er, dass sich die Maßnahmen zur Energiewende eher durch positive Anreize umsetzen lassen als durch radikale Verbote.

          „Diese Chemiefirmen brauchen Gas“

          Dem widerspricht Bundschuh, die sich für ein Tempolimit ausspricht. „Allein aus Klimaschutzgründen.“ Sie ist der Auffassung, dass die Bevölkerung die Klimaschutzmaßnahmen nur umsetzt, wenn es einen politischen Druck gibt. Sie kritisiert, dass das Rasen weder ökonomisch effizient noch ökologisch sei. Der Spritverbrauch müsse reduziert werden und vor allem die Haltung der Autoindustrie, weiterhin Benziner und Dieselautos zu bauen. Beide Gesprächspartner werden sich nicht einig. Während Breßler sagt, dass das Verbot unpopulär wäre, hält sie dagegen, dass es einen Wandel in den Köpfen der Menschen und der Industrie brauche.

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