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„Deutschland spricht“ : „Wir vergessen, dass die Natur stärker ist als der Mensch“

Gespräche in Zeiten von Corona? Diese Mundschutzmasken simulieren ein Stück Normalität. Bild: dpa

Hat die Bundesregierung richtig reagiert, sind die Einschränkungen verhältnismäßig, wie viel Online-Unterricht sollte auch künftig angeboten werden? Mehrere Tausend Teilnehmer der Leseraktion „Deutschland spricht“ debattieren über Corona und die Folgen.

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          „Unsere Regierung hat die Lage im Griff“, antwortet eine 65 Jahre alte Rechtsanwältin im Ruhestand auf die Frage, was ihr im derzeitigen Corona-Ausnahmezustand Hoffnung mache. Ein anderer wettert dagegen: „Ich bin technischer Angestellter und Bauleiter bei verschiedenen Auslandsprojekten. Wenn ich so wie unsere Regierung Baustellen leiten würde, wäre ich alleine auf der Baustelle.“ Wieder andere bewerten das Krisenmanagement von Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Führungsteam als „teilweise Abschaffung des Grundgesetzes“ und kritisieren die „erhebliche Einschränkung der Freiheitsrechte“.

          Martin Benninghoff
          Ina Lockhart

          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Das sind nur einige Stimmen von Menschen, die sich an unserer diesjährigen Leseraktion „Deutschland spricht“ beteiligt haben. Gemeinsam mit unseren Partnermedien – ZEIT und ZEIT ONLINE, der Rheinischen Post, Schwäbischen Zeitung, Chrismon und evangelisch.de – haben wir die Einladung zum Debattengespräch kurzfristig aus der Taufe gehoben. Dafür haben wir unseren Leserinnen und Lesern in den vergangenen zwei Wochen sieben kontroverse Fragen zur Corona-Pandemie gestellt. Fragen wie „Hat die Bundesregierung richtig auf die Corona-Krise reagiert?“, „Halten Sie die bundesweite Maskenpflicht für richtig?“ und „Sollte der Datenschutz gelockert werden, um Infektionsketten schneller verfolgen zu können?“

          Denn wir wollten herausfinden, ob es die starke politische Polarisierung in Corona-Zeiten überhaupt gibt. Jetzt, wo die Zeichen auf Solidarität, Mitmenschlichkeit und Harmonie stehen. Die Antwort lautet kurz und knapp: Ja, es gibt sie, trotz Corona oder gerade wegen Corona. Rund 9000 Leser haben bei der Aktion mitgemacht. Davon treffen sich rund 2000 an diesem Sonntag zum Gespräch, zur Diskussion und zum Streit, wegen der geltenden Kontaktbeschränkungen ausschließlich virtuell in Videokonferenzen auf Zoom, Skype und bei anderen Anbietern. „Deutschland spricht“ findet in diesem Jahr zum vierten Mal statt, die F.A.Z. nimmt zum zweiten Mal daran teil.

          Deutschland spricht
          Deutschland spricht

          Unser Land in Zeiten der Corona-Krise: Die Menschen müssen Abstand halten, Eltern, Pfleger und Ärzte sind überlastet, Unternehmer haben Existenzängste. Wie kommt Deutschland wieder raus aus diesem Ausnahmezustand? Mit der Aktion „Deutschland spricht“ bietet die F.A.Z. ein Forum für kontroverse Meinungen und unterschiedliche Ansichten zu diesem Thema, das alle beschäftigt.

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          Die Teilnehmer zeigen sich 2020 überraschenderweise stärker polarisiert als im Jahr zuvor, als ebenfalls über stark emotionalisierende und nicht minder kontroverse Themen wie Einwanderung, Klimawandel und west- und ostdeutsche Beziehungen gestritten wurde. Bei sieben Fragen insgesamt sind die Leser in diesem Jahr bei durchschnittlich 5,6 Fragen gegensätzlicher Meinung, wobei sich bei einzelnen Fragen eine überwältigende Einstimmigkeit herausschält, derweil andere stark polarisieren. Die größeren Meinungsunterschiede mögen auch am großen geografischen Radius des Teilnehmerfeldes liegen: Im vergangenen Jahr haben wir versucht, Menschen, die nah beieinander wohnen, an einen Tisch zu bringen. Da räumliche Distanz online aber keine Rolle spielt, konnten wir das Teilnehmerfeld nun auf 800 Kilometer ausweiten, was ungefähr der Luftlinie Stralsund-Freiburg (791 Kilometer), Sylt-München (770 Kilometer) oder Flensburg-Passau (744 Kilometer) entspricht und Deutschland daher gut abdeckt.

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