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„Deutschland spricht“ 2020 : „Wir vergessen, dass die Natur stärker ist als der Mensch“

Große Unterstützung für Einschränkungen

Angesichts dieser Schwierigkeiten ist es umso erstaunlicher, dass die Teilnehmer an „Deutschland spricht“ die Einschränkungen des öffentlichen Lebens mit großer Mehrheit befürworten, ungeachtet der gravierenden Folgen für den eigenen Geldbeutel: Mehr als 62 Prozent sind der Meinung, dass hierbei die Verhältnismäßigkeit gewahrt wurde, nur rund 37 Prozent sehen das anders. Die Bundesregierung kann zumindest im Teilnehmerfeld unserer Aktion - das nicht repräsentativ für Deutschland ist - auf große Zustimmung für ihr Krisenmanagement bauen: Zwei Drittel sind der Überzeugung, dass die Regierung von Angela Merkel, ihr Finanzminister Olaf Scholz und die anderen beteiligten Ressortchefs richtig reagiert haben, ein Drittel sehen das Krisenmanagement kritisch. Ähnliche Zustimmungswerte bekommen auch die Informationspolitik der Regierenden sowie die Maskenpflicht, die in Deutschland anders als in manchen asiatischen Ländern, besonders gewöhnungsbedürftig sein dürfte.

Bei drei Fragen allerdings teilt sich das Teilnehmerfeld deutlich auf. Wenig überraschend beim Thema Datenschutz, das immer polarisiert, erst recht in Deutschland. Mehr als 56,3 Prozent sind der Meinung, dass der Datenschutz keinesfalls gelockert werden sollte, um die Infektionsketten besser nachvollziehen zu können. Die Einführung von entsprechenden Apps ist in Deutschland ein heikleres Thema als beispielsweise in Südkorea, wo die Regierung in Seoul mit weniger Widerstand in der digitalaffinen Bevölkerung zu rechnen haben dürfte. Allerdings sehen das Thema immerhin mehr als 43 Prozent der teilnehmenden Deutschen weniger kritisch.

Zweigeteilt auch die Antworten auf die Frage, ob älteren und jüngeren Menschen dieselben Einschränkungen auferlegt werden sollten. Eine knappe Mehrheit von 51,7 Prozent folgt der Politik im Bund und den Ländern, die eine Gleichbehandlungen von Jüngeren und älteren Corona-Risikogruppen vorsieht. Der Anteil derer, die dafür plädieren, Älteren beispielsweise eine schärfere Kontaktsperre aufzuerlegen als jungen Familien, fällt allerdings nur ein paar Prozentpunkte geringer aus.

Überraschend kontrovers fallen auch die Antworten auf die Frage aus, ob Online-Unterricht nach der Pandemie ein fester Bestandteil des Lehrplanes an Schulen bleiben sollte: Immerhin knapp 43 Prozent verneinen das, obwohl doch in der Krise sichtbar ist, wie sehr viele deutsche Schulen hierbei Nachholbedarf haben.

Altersdurchschnitt gestiegen

Die Skepsis gegenüber neuen digitalen Möglichkeiten kann allerdings auch am Altersquerschnitt der Befragten liegen. Im vergangenen Jahr lag der Altersdurchschnitt bei knapp 44, im Corona-Jahr 2020 ist der durchschnittliche „Deutschland spricht“-Teilnehmer 53 Jahre alt, rund neun Jahre älter. Woran das liegt, bleibt Spekulation: Triggern die Fragen nach Datenschutz und Online-Unterricht vor allem Ältere, die skeptischer sind als Junge? Oder bleibt den jungen Familienmüttern und -vätern in der Krise, zwischen Job, Kinderbetreuung und Homeschooling, schlicht nicht mehr die Zeit, sich am Computer, Tablet oder Handy an Leseraktionen und Umfragen zu beteiligen? Das bleibt ein Geheimnis ebenso wie die Frage, warum auch in diesem Jahr fast genauso wenig Frauen wie 2019 mitmachen: Ihr Anteil liegt bei nur 30,9 Prozent, 2019 bei 31,3 Prozent. Das mag auch daran liegen, dass der Anteil der männlichen FAZ.NET-Leser etwas höher ist als der der Leserinnen.

Nicht wenige Leser sehen in der Corona-Krise die Chance, sich auf das Wesentliche zurückzubesinnen. Eine Leserin schreibt in ihrer Antwort auf die Frage, was ihr derzeit Hoffnung mache: „Die Erkenntnis, dass mit wenigen Alternativen ein immer noch lebenswertes Leben möglich ist.“ Ein anderer zieht daraus Hoffnung, „dass auch ohne ausufernde Strukturen vieles möglich ist und dass Veränderung sehr viel dynamischer gehen kann.“

Wir berichten hier bei FAZ.NET über einzelne Gespräche und geben Ihnen interessante Einblicke in die Argumente der Teilnehmer.

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