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„Deutschland spricht“ : „Dieses Corona kann mich mal“

Entspannte Stimmung bei „Deutschland spricht“ zwischen Jens Polk in Hochheim und Gabriele Lademann-Priemer in Hamburg. Bild: Woge Bergmann

Zwei Menschen, zwei Wege, die Corona-Zeiten zu ertragen: Mit Vertrauen in die Maßnahmen der Regierung und viel Lebenserfahrung. Wer schon zwei Pandemien überstanden hat, nimmt auch dieses Virus gelassener.

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          Diese Weltenbummler sind zum Hausarrest verdonnert. Der eine, Tourist aus Leidenschaft, sitzt vor einer grandiosen Ansicht des Delicate Arch im Nationalpark in Utah, die andere, viele Jahre in Afrika als Forschungsreisende unterwegs, vor Familienfotos. Das, was sie derzeit vom Reisen abhält, bringt sie nun zum Gespräch per Videochat zusammen: Sars-Cov-2.

          Monika Ganster

          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Obwohl der 46 Jahre alte Bauingenieur und die 74 Jahre alte Religionswissenschaftlerin auf die Corona-Fragen der Aktion „Deutschland spricht“ ganz unterschiedlich geantwortet hatten, finden sie rasch Übereinstimmungen. Denn wo die Fragen-Matrix nur ein nüchternes „Ja“ oder „Nein“ zulässt, will Gabriele Lademann-Priemer erklären, warum ihr „Nein“ zur Corona-Politik der Regierung auch Zustimmung enthält. Dass die außerordentliche Situation eine rasche Reaktion erfordere, die auch erst im Nachhinein als richtig oder falsch bewertet werden könne, sei ihr völlig klar. Aber ihr fehlte von Anfang an ein Ausstiegsszenario. „Wenn Sie eine Messe aufbauen, müssen Sie sich auch gleich überlegen, wie sie sie wieder abbauen.“

          Jens Polk dagegen kommen die Lockerungen, die einen Schritt aus den Corona-Beschränkungen hinaus führen, fast schon zu rasch. Das Signal sei für viele: Wir haben die Krise überstanden, nun ist alles vorbei. Die Gefahr sei groß, dass die Gesellschaft zu rasch wieder zu große Risiken eingehe, Partys feiere, leichtsinnig werde.

          Zuhören, ausreden lassen, mitgehen: Der Bauingenieur und die Wissenschaftlerin kannten sich bis vor 30 Minuten nicht, jetzt erzählen sie sich schon aus ihrem Leben. Corona sei Dank. Ob sie sich anders je begegnet wären? Beide sind neugierig auf den Austausch, offen und gelassen. Immer wieder kommen sie auf eine Frage zurück: Kann man sich auf solch eine Pandemie vorbereiten?

          Man kann sich auch via Laptop im Gespräch näherkommen.

          Schließlich ist eine Krankheit, die sich auf der gesamten Erde ausbreitet, nichts gänzlich Neues. „Also ich hab schon zwei Pandemien überlebt“, erzählt Gabriele Lademann-Priemer.  Vielleicht helfen das Alter und die Erfahrung, einen gelasseneren Blick auf diese besonderen Zeiten zu werfen. Schulschließungen sind der 74-Jährigen schon aus erster Hand bekannt: Als Kind überstand Gabriele Lademann-Priemer 1957 die Asiatische Grippe. „Ach waren wir froh, da hatten wir viel längere Herbstferien! Aus meiner Familie hat sich niemand angesteckt, insofern war es nur klasse. Weniger klasse war dann die sogenannte Hongkong-Grippe, die mich 1969 voll erwischt hat, mit 40 Grad Fieber, allein im Studentenzimmer, die Krankenhäuser überfüllt. Medikamente gab es auch nicht, aber überlebt haben wir auch das.“ Dem neuen Virus sieht sie ohne Angst entgegen: „Dieses Corona kann mich mal“.

          Ihr Gesprächspartner aus Hessen hört sich das mit staunendem Lächeln an, wie Lademann-Priemer ihre Geschichte mit trockenem Hamburger Humor vorträgt. Aber er wird ernst, als er über die Meinungsmache der Medien spricht, die zum Teil für seinen Geschmack zu schnell zu viele der Schutzmaßnahmen in Frage gestellt hätten.

          Hinterher zu klagen und alles besser zu wissen, das könnten ja viele Deutsche sehr gut, meint Jens Polk. Aber als die Entscheidungen gefällt werden mussten, hätte es eben keiner besser gewusst. „Wir haben sehr gute Politiker, die in Summe gute Entscheidungen getroffen haben.“

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