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Eine Ärztin an der Corona-Front : „Ungeimpften den Zugang zu verwehren, das ist nur logisch“

  • -Aktualisiert am

Die HNO-Ärztin Elke Ender im Impfzentrum in Mosbach, das Ende September schließen muss. Bild: Lakuntza, Nerea

Elke Ender ist HNO-Ärztin und spricht mit uns über die Zukunft der Impfzentren, was sie von Einschränkungen für Unimgeimpfte hält und warum Tests viel früher hätten kostenpflichtig sein müssen.

          5 Min.

          Frau Ender, Sie sind stellvertretende ärztliche Leiterin des Impfzentrums im Neckar-Odenwaldkreis. Lassen sich wieder mehr Menschen impfen, nun, da Tests bald kostenpflichtig werden?

          Kim Maurus
          Volontärin.

          Ja, wir merken eine verstärkte Nachfrage. Zum einen, weil die Menschen mehr Tests brauchen und sie kostenpflichtig werden, sie gehen dann lieber zum Impfen. Zum anderen, weil die Empfehlung der Ständigen Impfkommission für Jugendliche und Kinder von 12 bis 17 Jahren inzwischen endlich da ist. Das gibt doch einigen Eltern eine gewisse Sicherheit.

          Gibt es schon Pläne, wie es mit Ihrem Zentrum weiter geht?

          Unser Zentrum wird Ende September schließen, das hat die Landesregierung beschlossen. Es liegt zu dezentral. Die Zentren haben aber eine große Beteiligung dran, dass wir die Pandemie bekämpfen und besiegen können. Im Vergleich zu den niedergelassenen Ärzten haben sie eine bessere Logistik und waren und sind eine gute Sache. Bei uns kann man inzwischen einfach hereinspazieren und sich die Impfung abholen, ohne komplizierten Termin.

          Dann ist die Schließung also keine gute Idee?

          Nein, aber es werden in allen Bundesländer Impfzentren geschlossen. Manche gehen in den Stand-By-Betrieb. Dass man die Anzahl der Impfzentren verringert, ist vielleicht nicht ganz verkehrt, aber gerade die Schließung der dezentralen Zentren finde ich schade, die Landbevölkerung muss auch versorgt werden.

          Elke Ender am Eingang „ihres“ Impfzentrums
          Elke Ender am Eingang „ihres“ Impfzentrums : Bild: Lakuntza, Nerea

          Wie schnell wäre es möglich, den Betrieb hier wieder hochzufahren?

          Unser Impfzentrum gehört nicht zu denen, die im Stand-By-Betrieb weiterlaufen. Aber unser Leiter wusste im November 2020, dass er hier eingesetzt wird und Januar konnten wir anfangen zu impfen. Wir könnten das also in wenigen Wochen wieder hochfahren.

          Das würde auch voraussetzen, dass die Impfbereitschaft kräftig steigt, insbesondere bei den skeptischen Menschen. Kann man Impfgegner noch zum Umdenken bringen?

          Ich sehe Impfgegner sehr kritisch. Gegenüber von unserem Zentrum betreibt ein Impfgegner ein Geschäft. Der hat mit uns diskutiert, als wir vor dem Zentrum einen Aufklärungstisch aufgestellt haben. Er wüsste das besser, er würde schließlich täglich Telegram lesen. An so jemanden kommt man mit Argumenten nicht mehr heran. Durch die sogenannten sozialen Medien wird die Sache verstärkt. Die Leute muss man trotzdem im ersten Schritt anhören. Und dann muss man ihnen Fragen stellen, die sie zum Nachdenken bringen, damit sie merken, wie unlogisch sie sich verhalten, und sie aus dieser Verschwörungsschwurbelei herausfinden. Solche Fragen müssen immer respektvoll sein. Im Kommunikationsangebot zu bleiben ist da ganz wichtig. Problematisch ist, dass viele das wie eine Ideologie sehen und andere fast schon missionieren wollen.

          Wie geht man mit Menschen um, die schlicht Angst vor der Impfung und der Impfreaktion haben?

          Diese Sorgen muss man ernst nehmen, man muss sie aber in Relation setzen. Bei solchen Menschen versuche ich, die Angst vor der Erkrankung heraus zu kitzeln. Die Sorgen vor der Impfung kommen ja häufig durch Erzählungen über Erlebnisse vom Schwager oder der Freundin. Ich versuche dann, dem andere persönliche Erlebnisse entgegenzusetzen. In meinem Umfeld sind fünf Menschen an dem Virus gestorben, darunter Menschen, die ich 30, 40 Jahre lang kannte. Wenn ich so etwas erzähle und dann frage: „Wie viele Menschen kennen Sie, die an einer Impfung gestorben sind?“, dann kann ich die Sorgen vor der Impfung relativieren. Es ist ja so: Wir können uns nicht verstecken vor dem Virus. Es geht immer darum: Impfen oder erkranken.

          Sind Sie für oder gegen eine Impfpflicht?

          Ich bin gegen eine allgemeine Impfpflicht, das kann man nicht durchsetzen. Ich kann mir eine berufsgebundene Impfpflicht vorstellen, zum Beispiel in der Pflege und in den Schulen. Eine allgemeine Impflicht lässt sich schwer umsetzen, da ich es für verkehrt halte, Strafen zu verhängen.

          Aber es ist doch eine Art Strafe, wenn ein umgeimpfter Mensch keinen Zugang mehr zu bestimmten öffentlichen Räumen hat.

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