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„Deutschland spricht“ zur Wahl : „Die SPD werde ich dieses Jahr sicher nicht wählen“

„Mich enttäuschen die Kanzlerkandidaten in dieser Hinsicht: Sie halten kaum inne, um mal nachzudenken“, sagt Buchhändlerin Ulrike Dahmen. Bild: Michael Schulz

Ulrike Dahmen war bis zum 40. Lebensjahr treue SPD-Anhängerin, dieses Mal möchte die Buchhändlerin ihre Stimme aber nicht Olaf Scholz geben. Die Interviewreihe zur Bundestagswahl „Sieben Fragen, sieben Antworten“.

          4 Min.

          Frau Dahmen, welche Themen sind dieses Jahr für das Kreuz auf Ihrem Wahlzettel ausschlaggebend?

          Kira Kramer
          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Das wichtigste Thema ist für mich das Klima, das hat oberste Priorität. Die Klimakrise wartet nicht, es muss jetzt etwas passieren. Ich weiß natürlich, dass man nicht von heute auf morgen alles umkrempeln kann. Sinnvoll erscheint mir dennoch eine Entbürokratisierung. Hier in Baden-Württemberg, wo ich wohne, dauert es ewig, bis mal eine Windkraftanlage steht, weil sich die Genehmigungsverfahren in die Länge ziehen. Das sollte sich ändern. Andere Bundesländer sind bei der Stromerzeugung durch Windkraftanlagen und Photovoltaik schon weiter. Das andere wichtige Thema für mich ist die Bildung. Und damit meine ich nicht nur, wer am besten einen Computer bedienen kann. Sondern auch eine Anleitung zum nachdenklich werden. Mich enttäuschen die Kanzlerkandidaten in dieser Hinsicht: Sie halten kaum inne, um mal nachzudenken. Es geht von Schlagabtausch zu Schlagabtausch. Ich habe zwar noch nie in meinem Leben die CDU gewählt, aber Armin Laschet macht wenigstens mal eine Pause, hört zu, denkt nach. Die CDU werde ich trotzdem nicht wählen.

          Welche der Debattenfragen, die Sie im Rahmen von „Deutschland spricht“ diskutiert haben, treibt Sie am meisten um?

          Spontan würde ich sagen das Gendern! Ich halte es gesamtgesellschaftlich betrachtet zwar für nachrangig, dennoch ist es interessant, welche Rolle es für manche Menschen spielt. Einige junge Frauen scheinen zu denken, ihre Identität hinge von dem Sternchen ab. Ich denke, die Sprache hat ein Recht, sich zu entwickeln – aber ohne Zwang. Dann muss ich eben sagen „Politikerinnen und Politiker“, das dauert einen Moment länger, aber dafür fühlen sich alle angesprochen. Eine Verkürzung mit Zeichen aller Art halte ich nicht für sinnvoll. Ich muss dazu sagen, bei der Adresszeile schreibe ich aber auch das Wort „Straße“ aus, statt es mit „Str.“ abzukürzen. Abkürzungen sind mir mit zunehmendem Alter verdächtig – und vor allem nicht schön.

          „Das wichtigste Thema ist für mich das Klima“: Die Buchhändlerin und studierte Philosophin Ulrike Dahmen vor ihrer Buchhandlung „RosaLux“ in Tübingen.
          „Das wichtigste Thema ist für mich das Klima“: Die Buchhändlerin und studierte Philosophin Ulrike Dahmen vor ihrer Buchhandlung „RosaLux“ in Tübingen. : Bild: Michael Schulz

          Andererseits ist mir die ausschließliche Gegenüberstellung der Antworten einiger Debattenfragen nicht leicht gefallen. Etwa bei der Frage „Ist Deutschland ein rassistisches Land?“. Unser Grundgesetz verbietet Rassismus, die Einstellung der Menschen ist allerdings individuell unterschiedlich. Zudem bin ich der Meinung, dass es auch eine Kehrseite von Rassismus gibt: Es gibt Menschen, die erwarten, dass Sie durch ihre Identität als Migranten eine Bevorzugung verdienen. Für mich gilt, solange sich ein Mensch anständig verhält, werde ich ihn ebenso behandeln. Mir ist wichtig, dass alle Menschen gleich sind. Daher hege ich Sympathie für Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne). Wenn mir allerdings jemand sagt, er wählt AfD, weil seine Lebensleistung nicht anerkannt wird, da kann ich nur sagen: Meine Lebensleistung wird ebenso wenig anerkannt, das macht mir aber nichts und rechtfertigt keine Wahl der AfD.

          Haben Ihre Diskussionen im Rahmen von „Deutschland spricht“ auch dabei geholfen, Ihre Wahlentscheidung zu treffen?

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