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Der Kandidat Gauck : Das Ende der Kür

  • -Aktualisiert am

Die Zeit der freien Rede ist vorbei: Gauck nach einer Lesung aus seiner Autobiografie im Februar in Koblenz Bild: dapd

Joachim Gauck konnte bisher tun und lassen, was er wollte. Diese unbeschwerte Zeit, in der er sich ohne Rücksicht in der Kunst der freien Rede über die Freiheit üben konnte, ist vorbei. Inzwischen wird jedes seiner Worte auf die Goldwaage gelegt. Bislang schlägt er sich gut.

          Es wäre untertrieben, diese Räumlichkeiten schmucklos zu nennen. Es wäre sogar falsch, diese Zimmer als geschmacklos zu bezeichnen. Das schiere Nichts bestimmt das Ambiente. Keine Regale, keine Bilder, keine Teppiche. Ein paar Tische verlieren sich hier, Telefon, Internetzugang, Zeitungen, Papierkorb. Minimalausstattung eines Büros. Es ist eine Wohnung am katholischen Hof in Berlins Mitte, drei Zimmer, in denen der Stab des mehr als mutmaßlich künftigen Bundespräsidenten wirkt - wobei schon der Ausdruck Stab übertrieben scheint. Ein Pressesprecher, der schon im Juni vor zwei Jahren dabei war. Ein Referent mit nämlicher Erfahrung, eine Sekretariatskraft und schließlich, sozusagen als koordinierender Chef, David Gill, stellvertretender Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland am Regierungssitz in Berlin.

          Weil Gill den Hausherrn und Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe, den Prälaten Karl Jüsten, kennt, kam die Gruppe Gauck für vier Wochen im Katholischen Büro unter - für jene vier Wochen, die zwischen der Nominierung des Kandidaten und seiner Wahl zum Nachfolger des unglücklichen Christian Wulffs liegen. Die Kosten teilen sich, ist in dieser Zeit hinzuzufügen, die Parteien, die die Kandidatur Joachim Gaucks unterstützen.

          Viel spricht dafür, dass die Gruppe dann hinüber ziehen wird in das Verwaltungsgebäude am Schloss Bellevue. Alles spricht dafür, dass Gauck, der frühere Pfarrer und nachmalige Vortragsreisende dann im Schloss arbeiten wird. Schon jetzt wird er (fast) wie ein Bundespräsident behandelt. Beamte des Bundeskriminalamtes achten auf die Sicherheit. Die Limousinen sind groß und schwarz. Freundlichst wird er - auch und gerade - von denen begrüßt, die ihn vor zwei Jahren partout nicht haben wählen wollen. „Willkommen Herr Gauck. Wir freuen uns sehr auf Sie.“ Er nimmt es freundlich zur Kenntnis.

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          Joachim Gauck hatte ein schönes Leben. Er konnte tun und lassen, was er wollte. Vorträge wurden zu Büchern. Er war ein gefragter Mann. Er reiste durch die Lande und hielt Lesungen, Reden. An Hochschulen und in Talkshows, in Wirtschaftsunternehmen und Kirchengemeinden und sogar einmal bei der CSU in Wildbad Kreuth trat er auf. Er hat es wohl genossen. „Das ist eine sehr angenehme Art zu Leben“, pflegt er sich zu erinnern. Ganz früher, als die DDR noch existierte und er Jugendpfarrer in Rostock war, galt er als herausragender Prediger. Er scheint die Kunst des Redens und des rhetorischen Beeindruckens nicht verloren zu haben. Und die Wirkungen hat er wohl genossen - von unglaublichen Sympathiewellen kann er sprechen.

          Es mag an der Redeweise seines Vorgängers und der Mehrheit des politischen Personals liegen, dass im Falle Gaucks (sogar, ausschließlich?) die professionellen Zuhörer geneigt sind, Kleinigkeiten wie Großtaten zu beschreiben. Letzter Akt seines alten Lebens in Fürth. Eine Rede, eigentlich wie immer. Doch seine erste Rede als künftiger Bundespräsident. Freiheit und Verantwortung. Äußerlichkeiten werden wichtig genommen, wie das von nun an immer sein wird. Er trug keine Krawatte. Er habe keine Krawatte getragen, wurde berichtet. Er begrüßte seine Tochter, weil die nun, da des Vaters Dasein als freischaffender Redner ende, ihren Vater einmal erleben wolle. Sogar die Tochter habe seiner Rede gelauscht, wurde übermittelt.

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