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Der Auslandsmarkt: Italien : Langfristig beunruhigt

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Wenn die Börsen die Entwicklung der realen Wirtschaftsdaten widerspiegeln würden, dann dürften die Kurse nicht so stark steigen wie im Moment", meint Gregorio De Felice, Chefvolkswirt der italienischen Bankengruppe Intesa Sanpaolo.

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          Wenn die Börsen die Entwicklung der realen Wirtschaftsdaten widerspiegeln würden, dann dürften die Kurse nicht so stark steigen wie im Moment", meint Gregorio De Felice, Chefvolkswirt der italienischen Bankengruppe Intesa Sanpaolo. De Felice, dessen Meinung in Mailand aufmerksam verfolgt wird, gibt sich für den Augenblick dennoch gelassen. Im Moment gebe es derart viel Liquidität auf den Finanzmärkten, dass weniger makroökonomische Daten oder Unternehmenszahlen die Entwicklung an der Börse bestimmten, sondern die Suche nach einer sinnvollen Geldanlage.

          Italien sei damit einfach nur eine unter den vielen Anlageadressen. Dementsprechend gibt es einen Aufschwung für Schuldverschreibungen großer Unternehmen. Die Börsenwerte haben sich seit dem Tiefpunkt im März im Durchschnitt verdoppelt: Der Standardwerteindex FTSE Mib, der am 9. März auf 12821 abgestürzt war, ist inzwischen oberhalb der Marke von 24 300 angekommen. Die größte italienische Bankengruppe Unicredit bot dabei mit das steilste Kurswachstum, von 64 Euro-Cent im März auf inzwischen mehr als 2,76 Euro. Dagegen war die zweite Bankengruppe Intesa Sanpaolo anfangs nicht so tief abgestürzt, bot dann andererseits Potential bei der Kurserholung von 1,40 auf 3,18 Euro. Zu den Titeln mit ruhigerer Kursentwicklung gehören die Energieunternehmen Eni und Enel, die seit März ein Drittel an Wert hinzugewannen. Die vom Konjunkturzyklus und von den Ausfuhren abhängigen Luxusadressen Bulgari und Tod's haben dagegen wie der Börsenindex ihre Kurswerte verdoppelt. Vor diesem Hintergrund genießt der Fiat-Konzern im Moment eine Sonderkonjunktur mit einem steilen Aufstieg, der in einem halben Jahr von 3,50 auf 11 Euro führte. Darin enthalten sind die Vorteile von Autoverschrottungsprämien wie etwa in Deutschland, aber auch die Hoffnung auf neue Sanierungserfolge des Fiat-Chefs Sergio Marchionne, dieses Mal in seiner Rolle als Chef der amerikanischen Fiat-Beteiligung Chrysler.

          Abgesehen von den gesamteuropäischen Tendenzen, fehlt den Italienern derzeit die Phantasie für hauseigene Themen. Silvio Berlusconis Wahlprogramme hatten zwar früher immer wieder Hoffnungen geweckt, doch sind der Ministerpräsident und seine Regierungskoalition derzeit in politische Machtkämpfe verstrickt. Die Börsianer trauen den Versprechungen und Ankündigungen der Politiker erst, wenn sie konkrete Ansätze sehen. Die Ankündigung neuer Infrastrukturinvestitionen sorgt daher ebenso wenig für Kursausschläge bei Zementherstellern wie etwa die Bestätigung, dass die große Brücke zwischen dem Festland und Sizilien nun wirklich angepackt werde. Bei den Ökonomen und Börsianern sitzt das Misstrauen gegen bloße Versprechungen tief. Für große Infrastrukturprojekte habe schließlich der italienische Staat in den nächsten Jahren zu wenig Geld zur Verfügung. Nur mit neuen Regeln für private Investoren könne man weiterkommen. Noch weiter entfernt von der Verwirklichung sind die Pläne für neue Kernkraftwerke, an denen in den Energiekonzernen gearbeitet wird. Doch gibt es noch Zweifel, ob wie angekündigt bis 2013 mit den ersten Bauten begonnen werden kann.

          Vor diesem Hintergrund scheint es im Moment verlässlicher, den Einfluss der Weltwirtschaft auf Italiens Export zu studieren. Der mache schließlich 28 Prozent des italienischen Bruttoinlandsprodukts aus, meint Chefvolkswirt Gregorio De Felice. Damit könne die wirtschaftliche Erholung im Ausland schnell positive Effekte in Italien auslösen. Dennoch heißt es in der letzten Konjunkturstudie von Intesa Sanpaolo, Italiens Wirtschaft werde wegen der vielen hausgemachten Strukturprobleme nicht so schnell aus dem Konjunkturtal herauswachsen wie andere Länder.

          Für die wirtschaftliche Entwicklung Italiens, aber auch der Börsenkurse, sieht Gregorio De Felice von Intesa Sanpaolo für die kommenden Monate noch Grund für positive Urteile. Hilfreich sei im Moment, dass die Anleger und die Finanzwelt wieder bereit seien, Risiken auf sich zu nehmen wie vor dem letzten großen Einbruch. Doch gerade deswegen ist De Felice längerfristig eher beunruhigt: Wenn die expansive Geld- und die Fiskalpolitik wieder auf Normalmaß zurückgeführt würden, dann seien die Konsequenzen im Moment nicht vorherzusehen. TOBIAS PILLER

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