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Das ist alles nur gefälscht! : Chagall jetzt mal in Neonfarben

Der Künstler Dieter Detzner ist im Besitz eines Schatzes, um den ihn viele beneiden: Er druckt mit originalen Platten von Beuys, Christo, Tinguely und Chagall Lithographien nach. In seinem ganz eigenen Stil.

          Normalerweise werden Kunstfahnder bei diesen Angaben hellhörig: In einem Industrielager im Süden der Stadt, nahe der Autobahn, im ersten Stock, ganz hinten, werden mehr als hundert Lithographien, vermutlich von Marc Chagall, zu verdächtig niedrigen Preisen verkauft. Die Preise sind allerdings so niedrig, dass niemand ernsthaft denken dürfte, dass es sich um einen echten Chagall handele; ein Bogen kostet achtzig Euro. Und auch die Farben lassen keinen Zweifel, dass hier nicht Chagall am Werk war: Sie fluoreszieren, und sie sind so neonschrill, dass der Franzose trotz eines Hangs zu augenbeißenden Blautönen vor Schreck vom Hocker gefallen wäre. Was hat es mit diesen Lithos auf sich?

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Was hier passiert, ist eine Form von Appropriation Art der besonderen Form. Es handelt sich um Werke des Künstlers Dieter Detzner - und auch wieder nicht. Denn Detzner gelang es, sich einen Schatz anzueignen, um den er nun weltweit beneidet wird: Im Berliner Lager stapeln sich achthundert Litho-Steine mit einem Gewicht von etwa hundert Tonnen, die aus der Druckerei Mathieu Zürich stammen, mit der Künstler wie Beuys, Christo, Tinguely oder eben Chagall zusammenarbeiteten. Wobei nicht jeder der Steine von einem Künstler bearbeitet wurde; viele dienten als Vorlage für Waschmittel- und Zigarettenwerbungen.

          Die Erfindung der Maximal Art

          Das Lager der Steine sieht selbst schon wie ein Land-Art-Objekt aus oder wie eine Arbeit eines Minimal-Künstlers, wobei in diesem Fall der Begriff Maximal Art angemessener wäre. Die Steine selbst sind eine endlose Fundgrube für Archäologen und Theoretiker des Originals: Die Hand des Künstlers ist dem Stein ja sozusagen direkt eingeschrieben. So gesehen sind die Steine kostbare Originale - und ein Lager möglicher neuer Bilder.

          Wo andere jetzt versucht wären, beim Nachdruck so dicht wie möglich an den Originaldruckfarben zu bleiben, macht Detzner das, was im Regelfall den Fälscher auffliegen lässt, ganz bewusst: Er benutzt verräterische Farben. Der mutmaßliche Chagall wird mit heftig selbstleuchtenden Neonfarben in die Gegenwart gerissen. So wird aus dem erhabenen, landart-haften Anblick der Steine ein Destillat, das weniger mit postumer Auratisierung oder Appropriation Art zu tun hat als mit echtem Pop.

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