https://www.faz.net/-ilt-9u4i8

Das Beste lesen mit F+ : Scheiternde Lehrer und arme Windsors

Mehr Teamarbeit könnte Entlastung bringen - aber die meisten Lehrer sehen sich als Einzelkämpfer. Bild: dpa

Mit unserer Online-Flatrate F+ lesen Sie jeden Monat mehr als 500 exklusive Beiträge auf FAZ.NET, für 2,95 Euro in der Woche. Zum Beispiel diese beliebtesten Artikel der Woche.

          2 Min.

          Liebe Leserin, lieber Leser, mein Vater war Lehrer, mein Großvater war Lehrer. Ich habe mich dagegen entschieden, obwohl ich der Meinung bin, dass es ein toller Beruf ist, oder jedenfalls sein kann. Angesichts meiner Familienhistorie habe ich auch nie zu denjenigen gehört, die glauben, als Lehrer hätte man a) einen Halbtagsjob und b) Ferien ohne Ende. Das, was eine junge Lehrerin meiner Kollegin Theresa Weiß aus ihrem Berufsalltag im Jahr 2019 berichtet hat, wundert mich trotz des Einblicks in frühere Lehrerzeiten und zwei eigenen Kindern auf der Schule dann aber doch. Ist es wirklich so schlimm? „Der Morgen ist der Beginn einer langen Liste, die sich nicht anders als atemlos lesen lässt. Ab in die Schule, auf dem Weg Mails checken, hoffen, dass kein Elternteil lange Beratungswünsche geäußert hat und keine spontane Konferenz anberaumt wurde. Unterricht. … Dann nach Hause, korrigieren, vorbereiten, Ausflüge organisieren, Projekte, Klassenfahrten und Vorträge. ... Vor allem aber korrigieren. Vier Deutschklassen mit 25 bis 30 Kindern, das macht bei mindestens 30 Minuten pro Aufsatz 54 Stunden für einen einzigen Satz Arbeiten. Viermal im Jahr entspricht das ziemlich genau den ganzen Sommerferien. Darum ist alles streng durchgetaktet. Bei einer einzigen Unregelmäßigkeit – das kann ein Telefonat mit einer besorgten Mutter sein oder ein vergessener Schlüssel – fliegt einem der Tag um die Ohren …“

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          So beginnt der lesenswerte Text, und am Ende sagt die Lehrerin: „Ich wollte seit dem Abi Lehrerin werden. Und jetzt überlege ich mir nach nur drei Monaten im Beruf, ob ich mir ein zweites Standbein aufbauen sollte.“  Viel Raum zum Nachdenken, beim Lesen – und danach. Geht es allen jungen Lehrern so? Braucht man nicht einfach nur etwas Zeit, bis sich Routinen einstellen, wie in jedem anderen Beruf auch? Hat man vergessen, wie chaotisch es in der eigenen Schulzeit war? Muss der Staat als Arbeitgeber mehr tun? Sicher ist, dass die Schule kein dynamisch-progressives Umfeld ist, so etwas gibt es an anderer Stelle. Bewusst geworden ist mir das abermals, als mich unsere Wirtschaftsredaktion nach der Ankündigung der beiden Google-Gründer, sich aus der Leitung des Mutterkonzerns Alphabet zurückziehen zu wollen, um einen Ausflug in die Tiefen der Erinnerung bat. Denn zu der Zeit als Google gegründet wurde, war ich für die F.A.Z. Korrespondent in den Vereinigten Staaten und musste den deutschen Lesern erklären, warum es sich lohnt, sich diesen seinerzeit höchst ungewöhnlich klingenden Namen zu merken. Aber andererseits: Wer erinnert sich schon noch an Yahoo? Lesen Sie hier noch einmal nach, wie klein vor zwanzig Jahren alles angefangen hat.

          Da sich das Jahr schon wieder dem Ende zuneigt, kann man auch schon wieder damit beginnen, Bilanz zu ziehen – und ich drücke Ihnen die Daumen, dass das Ergebnis der Prüfung besser ausfällt, als bei den Windsors in Großbritannien. Denn für die war 2019 ein weiteres „Annus horribilis“, um Worte der Queen aus früher Zeit noch einmal aufzugreifen. Unsere Korrespondentin Gina Thomas hat das so zusammengefasst: „Das Jahr 2019 begann mit dem Verkehrsunfall des damals 97 Jahre alten Herzogs von Edinburgh, bei dem er mit einem anderen Auto kollidierte und zwei Passagiere verletzte. Es neigt sich dem Ende zu mit dem in den englischen Medien ebenfalls als Autounfall bezeichneten Gespräch Prinz Andrews mit der BBC, mit Fragen über die Zukunft von Prinz Harry und Gerüchten über ein Zerwürfnis mit seinem Bruder William.“ Die Seifenoper der Familie Windsor ist nicht nur Stoff für eine sehenswerte Netflix-Fernsehserie mit dem Namen „The Crown“, sondern  auch für dieses tolle F+Stück aus London.

          Viele herzliche Grüße, ein schönes Nikolaus-Wochenende, viel Spaß mit vielen kleinen, positiven F+Überraschungen. Und übrigens: Falls Sie weitere F+Artikel lesen möchten, finden Sie diese auf unserer Übersichtsseite.

          Ihr Carsten Knop
          Chefredakteur Digitale Produkte
          Frankfurter Allgemeine Zeitung

          Topmeldungen

          Kampf gegen Corona : Dem Virus davonfliegen

          Die ersten Länder haben damit begonnen, ihre Bürger aus Wuhan auszufliegen. Für die politische Führung in Peking wird die Lage kritisch, viele Chinesen rufen nach Konsequenzen. Dafür geht es dem ersten deutschen Erkrankten besser.
          Ein Landwirt pflügt ein Feld bei Müncheberg in Brandenburg. (Archivfoto)

          Ostdeutsche Landwirtschaft : Die Umwandlung der LPG ist Geschichte

          30 Jahre nach der Wiedervereinigung bleibt die Veränderung der Besitzverhältnisse in Ostdeutschland umstritten. Viele frühere Mitglieder der LPG fühlten sich als private Landwirte um ihre Chancen beraubt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.