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Das Beste lesen mit F+ : Prognosen der Superforecaster und Irrtümer der Wissenschaft

Blick in die Glaskugel: Wie geht es weiter in Corona-Zeiten? Bild: Getty

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          Liebe Leserin, lieber Leser, seit dieser Woche haben wir ein etwas besseres Bild davon, wie es weitergeht mit dem Stillstand in diesem Land. Wer auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität gehofft hatte, muss sich erst mal gedulden. Zunächst heißt es weiterhin: Restaurants und Kinos bleiben zu, Fußballstadien sowieso, an große Veranstaltungen wie Musikfestivals ist nicht zu denken. Und wer von zu Hause arbeiten kann, wird dies auch zumindest die kommenden beiden Wochen weiter tun. Auch dieser Newsletter wird vom heimischen Wohnzimmertisch aus verschickt. Damit ist die Prognose eines Mannes zumindest teilweise entkräftet, der in dieser Woche vorhergesagt hatte: „Am 27. April ist Schluss, dann wird das normale Leben in Deutschland wieder beginnen.“

          Felix Hooß

          Koordinator für Premium-Inhalte bei FAZ.NET.

          Der Mann heißt Roman Hagelstein und ist ein sogenannter Superforecaster. Und auch wenn der 36 Jahre alte Offenbacher mit seiner Einschätzung danebenlag, dass Ende des Monats schon wieder Kinos und Theater offen seien, bleiben seine Prognosen interessant. Mit 80 bis 90 Prozent hatte er die Wahrscheinlichkeit angegeben, dass am kommenden Montag die Schulen geöffnet würden – und die zumindest teilweise Wiederaufnahme des Unterrichts gehört ja nun tatsächlich zu den ersten zaghaften Schritten zurück in den Alltag. Zu den Aussichten für die globale Wirtschaft sagt Hagelstein, dass das Wachstum 2020 unter einem Prozent liegen wird. Und die Bundesliga wird in diesem Jahr wahrscheinlich noch Spiele abhalten, aber nicht mehr vor Zuschauern. Was befähigt Hagelstein zu solchen Aussagen? Er gehört zu einer kleinen Gruppe von weltweit nur 150 Personen, die genauere Vorhersagen über die Zukunft treffen können als die meisten anderen, selbst als Experten. Mein Kollege Alexander Jürgs hat einen Artikel über den Superforecaster geschrieben.

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          Dass selbst Experten sich ab und zu irren, hat Feuilleton-Herausgeber Jürgen Kaube heute in einem Beitrag über den Virologen Christian Drosten beschrieben. Drosten ist in den vergangenen Wochen mit seinem Podcast zum Coronavirus zu so etwas wie dem „Maßstab für Wissenschaftskommunikation“ geworden. Aber auch er hat schon falsch gelegen, etwa mit seiner Vermutung vom 28. Februar, es gebe womöglich in vielen Ländern Europas nur hier und da einen Fall und das Virus komme erst wieder über Asien und den Mittleren Osten im Sommer nach Europa zurück. „Zwei Wochen später war das ein großer Irrtum“, schreibt Kaube. „Was deutlich zeigt, in welcher Situation sich die Wissenschaft befindet. Für sie selbst ist Irrtumsanfälligkeit der Normalzustand.“ Entsprechend abwägend äußern sich Wissenschaftler wie Drosten, sichern ihre Formulierungen häufig mit Worten wie „jedoch“, „trotzdem“, „vorläufig“ und „wahrscheinlich“ ab. Die Aufgabe der Wissenschaftskommunikation, schreibt Kaube, sei im Grunde eine doppelte: „Beschreibung der Erkenntnisse und Bekämpfung der Vorurteile.“

          Wie es sich anfühlt, eine Covid-19-Infektion zu überstehen, weiß Nina Marewski. Die 53 Jahre alte Frankfurterin erkrankte kurz nach der Rückkehr von einer Spanien-Reise, zeigte heftige Symptome, ohne jede Vorwarnung: „Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, erhöhte Temperatur, dazu ein Druck auf der Brust, ,als hätte man mir einen Sack Zement drauf gelegt‘.“ Nach einem Aufenthalt im Krankenhaus, bei dem Marewski auch beatmet werden musste, geht es ihr wieder besser, gesund ist sie noch lange nicht. Meine Kollegin Marie Lisa Kehler hat mit ihr gesprochen. Marewski, die unter anderem auch als freie Autorin arbeitet, sagt: „Ich habe vorher immer bösartige und abgründige Dinge geschrieben. Gerade möchte ich mich aber lieber mit Dingen beschäftigen, die Mut machen.“

          Dem können wir uns nur anschließen, zum Abschluss aber noch mal zurück zu unserem Superforecaster: Der war in dieser Woche auch im F.A.Z. Podcast für Deutschland zu Gast und hat dort erzählt, was alle Superforecaster gemeinsam haben: Sie alle sind nämlich „Nachrichtenjunkies“, die versuchen, möglichst viele Informationen aufzunehmen. Mit Ihrem Zugang zu F+ FAZ.NET komplett tun Sie jedenfalls bereits genau das Richtige, um sich selbst ein umfassendes Bild der Lage zu verschaffen.

          An dieser Stelle schreibt Ihnen nächste Woche wieder unser Herausgeber Carsten Knop. Bleiben Sie gesund und auf dem Laufenden! Bei Fragen zum F+Abo schreiben Sie mir gerne an f.hooss@faz.de.

          Viele Grüße

          Felix Hooß
          Audience Manager
          Frankfurter Allgemeine Zeitung

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