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Das Beste lesen mit F+ : Käufliche Hotelportale und arme Zeitarbeiter

Hotelanlage auf Kreta: Egal ob über ein Reiseportal oder ein Reisebüro gebucht: Wichtig ist, dass das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Bild: Felix Schmitt

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          Sie sind auf der Suche nach einem günstigen Hotel? Dann sollten Sie Reiseportale wie Booking, Expedia & Co. möglichst meiden. Denn das beste Angebot finden Sie dort mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Warum das so ist, hat sich in dieser Woche unser Kollege Dyrk Scherff mit der Hilfe von drei Wirtschaftswissenschaftlern einmal genauer angesehen. Einige Dinge, die sie dabei zutage gefördert haben, sind gar kein Geheimnis, aber in der Aufzählung überraschen sie dann doch: Die obersten Empfehlungen sind nicht unbedingt die Hotels mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis, sondern offenbar die, die bereit waren, mehr Provision an das Portal zu bezahlen. Der Spitzenplatz lässt sich kaufen, solange auch die anderen Parameter wie Preis, Kundenbewertungen und Service nicht zu schlecht sind. Kunden, die auf die Neutralität des Rankings vertrauen, haben das Nachsehen. Die Folge: Jedes vierte Angebot auf der hoteleigenen Internetseite ist günstiger als bei einem Buchungsportal. Wer Scherffs Stück liest, erfährt, dass auch das Kartellamt sich längst eine Meinung zu den Portalen gebildet hat – und was die Kartellwächter davon halten, dass dort manchmal steht: „Nur noch ein Zimmer vorhanden“. Das Kartellamt kann dagegen wenig oder sogar gar nichts tun, Sie aber schon – mithilfe dieses F+Stücks.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Auch die Kollegin Britta Beeger hat für F+Leser einen Hinweis, der im Alltag relevant werden kann. In ihrem Stück geht es darum, dass Zeitarbeiter jetzt nur noch 18 Monate lang im selben Betrieb arbeiten dürfen, es sei denn, der Tarifvertrag sagt etwas anderes. Das sollte sie schützen. Betroffene aber sagen: Das Gegenteil ist passiert. Arbeitgebervertreter hatten früh gewarnt, dass die schärfere Regulierung den gut 800 000 Zeitarbeitern in Deutschland sogar Nachteile bringen könnte, weil ihnen in vielen Branchen nach und nach attraktive Zuschläge auf den Grundlohn gezahlt werden, etwa in der Automobilindustrie. Müssen sie woanders neu anfangen, bekommen sie hingegen wieder nur den geringeren Lohn. Im Oktober vergangenen Jahres griff die 18-Monats-Frist zum ersten Mal. Seitdem zeigt sich, dass das Gesetz tatsächlich zum Teil kuriose Folgen für die Beschäftigten hat. So auch für Michael Weide, der beim niederländischen Personaldienstleister Randstad angestellt ist und in der Chemiebranche ebenfalls ordentliche Zuschläge bekam. Als sein Einsatz zu Ende war, hatte er netto im Monat plötzlich 500 Euro weniger zur Verfügung. „Für eine Familie mit vier Kindern ist das viel Geld“, sagt er. Zudem hat er nun wechselnde Einsätze, war seit September schon zweimal bei einem Lebensmittelhersteller, einmal bei einer Versicherung und ist jetzt – nach einem Monat Pause – bei einer Wirtschaftsprüfung. Beeger hat noch andere Betroffene befragt, das Ergebnis: „Das Gesetz ist totaler Blödsinn.“

          Wie es der Zufall will, entsteht dieser Newsletter in einem Zug nach Berlin – und gerade auf dem Weg in die Hauptstadt liest sich ein Stück unseres Berliner Korrespondenten Markus Wehner besonders interessant. Er schreibt über eine neue Ausstellung in der Stasi-Opfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen, die das Netz des DDR-Geheimdienstes ihren Besuchern anschaulich zu vermitteln weiß. Sie heißt „Stasi in Berlin – Überwachung und Repression in Ost und West“ und wurde soeben erst eröffnet. Der Besucher betritt einen Ausstellungsraum, dessen Boden eine 170 Quadratmeter große Luftaufnahme Berlins aus dem Jahr 2017 ist. Eine Lichtbahn zeigt den Verlauf der Berliner Mauer an. Und viele kleine Lichtpunkte zeigen die Dienststellen der Stasi, Gefängnisse und konspirativen Wohnungen – wahlweise in den vierziger, den fünfziger und den späten achtziger Jahren. 4200 Punkte sind es insgesamt, an einigen Orten verdichten sie sich zu eigenartigen Sternbildern, dort wo die zentralen Einrichtungen des Geheimdienstes saßen – an der Normannenstraße oder im Stadtteil Karlshorst, natürlich auch in Hohenschönhausen selbst, wo das zentrale Untersuchungsgefängnis der Stasi war. Beeindruckend – für die Besucher, und auch für viele unserer Leser in dieser Woche, weshalb ich Ihnen das Werk, zu dem Sie selbstverständlich mit ihrem F+Abo freien Eintritt haben, an dieser Stelle noch einmal empfehlen möchte.

          Vielleicht ist das ja einmal ein Ziel für Ihren nächsten Wochenendausflug nach Berlin, mit einer dann nicht mehr über ein Hotelportal gebuchten Unterkunft. Was immer Sie an diesem Wochenende vorhaben: Das Wetter wird schön, und Ihren F+Zugang können Sie über unsere Apps auch mobil jederzeit nutzen. Übrigens: Falls Sie mehr zu unserer Online-Flatrate F+ erfahren möchten, klicken Sie hier. Und eine Übersicht der beliebtesten Beiträge finden Sie auf dieser Seite.

          Viele Grüße

          Ihr Carsten Knop
          Chefredakteur Digitale Produkte
          Frankfurter Allgemeine Zeitung

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