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Das Beste lesen mit F+ : Harte Anwälte und ahnungslose Mathebücher

Deutsche-Bank-Chefs vor Gericht: Der Kampf gegen das Geldhaus brachte Wolf-Rüdiger Bub den Ruf als Deutschlands härtester Anwalt ein. Bild: dpa

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          Liebe Leserin, lieber Leser, in dieser Woche hat in Weimar das Kultursymposium des Goethe-Instituts stattgefunden. Das ist eine tolle Veranstaltung, international besetzt, sowohl mit Blick auf die Referenten, als auch mit Blick auf die Besucher, viele durchaus jüngere Leute, viele Frauen, viele Männer. Eine Podiumsdiskussion drehte sich um die Frage, warum Algorithmen im Umfeld Künstlicher Intelligenz Menschen durch ihre Rechenergebnisse nach Geschlecht oder Herkunft diskriminieren können – und was man dagegen tun könnte. Auf dem Podium: Ein Brite mit irischen Wurzeln, eine Australierin, die zu den Ureinwohnern des Landes zählt, konkret zum tasmanischen Trawlwoolway-Clan gehört, und eine Spanierin mit lateinamerikanischen Wurzeln. Ganz schön gut gemischt also, erheblich stärker, als man es von nahezu allen anderen vergleichbaren Panels dieser Art gewohnt ist, indes: Alle hatten eine helle Hautfarbe.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Die erste Frage aus dem Publikum griff genau diesen Punkt auf – und an: Wie man denn in einem Panel voller kaukasischer Weißer über so ein Thema diskutieren könne, wollte einer der Teilnehmer wissen. Er bekam dabei einige Unterstützung. Doch sie alle hatten etwas übersehen: Sie hatten sich von der weißen Hautfarbe blenden lassen, nicht mehr weiter zugehört – und tatsächlich ihren eigenen Vorurteilen freien Lauf gelassen. Denn das Panel war viel diverser, als es die Hautfarbe suggerierte. Ein Algorithmus hätte keine schlechtere Einschätzung treffen können.

          Warum erzähle ich diese Geschichte hier? Der für alle Beteiligten einschließlich des Moderators durchaus anstrengende Dialog mit dem Publikum hat unfreiwillig gezeigt, wie sehr Menschen, die Computer programmieren, eigenen Vorurteilen zum Opfer fallen können, auch wenn sie glauben, besonders liberal zu sein. Was man dagegen tun kann, ist eine gute Frage. Ich glaube der einzige Weg ist, sich Tag für Tag mit anderen Meinungen zu befassen und die eigenen Vorurteile so häufig wie möglich selbst zu überprüfen. Und ich finde, dass die Texte, die Sie zum Beispiel mit ihrem F+Zugang zu FAZ.NET komplett lesen können, dazu einen großen Teil beitragen.

          In dieser Woche zum Beispiel konnten Menschen, die seinerzeit den Konflikt zwischen dem Medienunternehmer Leo Kirch und der Deutschen Bank verfolgt haben, einen der Anwälte besser kennenlernen, an denen sich das Kreditinstitut seinerzeit die Zähne ausgebissen hat – und dabei vielleicht die eine oder andere holzschnittartige Vorstellung der Beteiligten revidieren.

          Unser Finanzfachmann Volker Looman wiederum räumt gerne mit Missverständnissen rund um die Altersvorsorge und die Geldanlage auf. Das kann schmerzlich sein, traditionelle Rollenverteilungen infrage stellen. Dieses Mal hat er einen dringenden Rat vor allem für Frauen: Die sollen sich gut überlegen, worauf sie sich einlassen, wenn Sie heiraten, zwei Kinder auf die Welt bringen, fünf Jahre zu Hause bleiben und dann Teilzeitarbeiten mit geringen Rentenansprüchen nachgehen: „In meinen Augen sind solche Entwürfe echt auf Kante genäht“, schreibt er – in seinem F+Stück erfährt man, warum. Und darüber können dann auch die Männer einmal nachdenken.

          Ja, und dann lässt sich noch das Dauerthema Bildung erwähnen: Alfred Wagner, Mathematiker und als akademischer Oberrat an der RWTH Aachen, hat für F+Leser in die heute gebräuchlichen Mathebücher geschaut. Wer sein Stück liest, sieht möglicherweise ein Vorurteil bestätigt, denn auch so etwas kann ja durchaus passieren. Wagners Urteil über die heutigen Mathebücher ist nämlich vernichtend. Er vermisst klare Definitionen und Beweisführungen – und gibt ein Beispiel aus der 7. Klasse: Sie fragen nach dem Begriff „Primzahl“ und schlagen in einem Mathematikbuch nach. Im Buch finden sich folgende Antworten: „Zum Beispiel sind 1,2,3 und 5 Primzahlen.“ „Auch 11 und 13 sind ein Beispiel.“ „Ach ja, 199 ist auch noch ein Beispiel“. Haben Sie jetzt verstanden, was eine Primzahl ist?

          Eine solche Vorgehensweise ist nicht zielführend, nicht in einem Mathebuch, nicht im richtigen Leben – einfach schauen und schlussfolgern? Das geht selten gut. Auch nicht in Weimar. Bilden wir uns also stetig weiter und bleiben offen für Neues. Danke, dass Sie diese Reise mit Ihrem F+Zugang zu FAZ.NET komplett unternehmen. Übrigens: Wie F+ genau funktioniert, lesen Sie hier. Und unseren F+Newsletter können Sie hier abonnieren. Damit erhalten Sie jede Woche eine Übersicht der beliebtesten exklusiven Artikel.

          Viele Grüße,

          Ihr Carsten Knop
          Chefredakteur digitale Produkte
          Frankfurter Allgemeine Zeitung

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