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Das Beste lesen mit F+ : Gefährdete Debattenkultur und explodierende Baukosten

Gendern soll die Gleichstellung von Frauen und Männern fördern – dabei handelt es sich nur um eine Stellvertreterdebatte Bild: AFP

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          Liebe Leserin, lieber Leser, woher rührt das Unbehagen, wenn es um das Gendern geht? Viele Frauen (und auch viele Männer) ahnen, dass es nur eine neue Art der Diskriminierung ist. Darüber hat Susanne Kusicke aus unserer politischen Redaktion einen Kommentar geschrieben, der in dieser Woche viel gelesen und seinerseits häufig kommentiert worden ist: Sollte man nicht lieber darüber nachdenken, wie man konkrete Verbesserungen für Frauen (und andere) erreicht anstatt nur auf einem symbolischen Feld?, fragt sich Kusicke. Denn darum handle es sich: eine Verschiebung, eine Stellvertreterauseinandersetzung. Dass sich durch das Gendern die Bedingungen und Chancen für Frauen mit der Zeit irgendwie verbessern würden, werde zwar immer wieder impliziert, ein überzeugender Beweis fehle jedoch. Im Kern gehe es gar um eine neue Art der Diskriminierung, und zwar keine positive. „Frauen werden dadurch immer wieder zurückgeworfen auf ihr Frau-Sein, das sie durch ihre gesellschaftliche Emanzipation doch eigentlich überwinden wollen, zumindest in sozialer Hinsicht. Sie wünschen ja gerade, dass es keine Rolle mehr spielen möge, dass sie eine Frau sind, denn genau das war früher die Begründung, warum sie so vieles nicht tun durften. Der wahrhaft universelle, wirklich gleichberechtigte Anspruch müsste darum lauten: an einer Gesellschaft als Mensch mitwirken zu können. Alles andere spaltet nur.“

          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Dazu passt ein Interview gut, dass meine Kollegin Mechthild Harting und ich mit der Soziologin Ulrike Ackermann geführt haben. „Cancel Culture“ und „Political Correctness“ gefährden nach ihrer Ansicht Freiheit und Demokratie. Ackermann fordert alle auf, diese Werte zu verteidigen. In ihrem neuesten Buch, das mit dem Titel „Die neue Schweigespirale“ in diesem Frühjahr erschienen ist, beschreibt sie die von ihr beobachtete Entwicklung, wonach sich immer weniger Menschen trauen, etwas zu sagen, „weil es möglicherweise nicht völlig politisch korrekt ist“. Ackermann sieht durch diese Entwicklung auf lange Sicht die Debattenkultur und letztlich auch die Demokratie und die offene Gesellschaft gefährdet. In ihren eigenen Worten: „Ich möchte eine soziale Dynamik beschreiben, wonach sich die Menschen weniger trauen, etwas zu sagen, weil es womöglich politisch nicht völlig korrekt ist. Die Meinungsfreiheit gilt und besteht natürlich. Aber es entsteht in der politischen Diskussion, im gesellschaftlichen Diskurs, seit einigen Jahren ein zunehmender Konformitätsdruck. Es gibt viele Untersuchungen darüber, dass die politische Meinungsfreiheit insofern unter Druck gerät, als immer mehr Menschen in der Bevölkerung der Meinung sind, sie müssten vorsichtig sein, wenn sie ihre Meinung öffentlich äußern.“ Ob da etwas dran ist? Wir haben es mit Ackermann diskutiert – und sie mit uns.

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          Hohe Energiekosten treiben die Baupreise in die Höhe. Das sagt Nils Köster im Gespräch mit Dyrk Scherff aus unserer Wirtschaftsredaktion. Bauunternehmer Köster weiß aber auch, wo sich sparen lässt. Die Baukosten sind in den vergangenen zwölf Monaten durchschnittlich um 17 Prozent gestiegen. Haupttreiber sind die steigenden Energiekosten. Sie verteuern die Produktion der Baustoffe und den Einsatz der Baumaschinen über höhere Dieselpreise. Besonders Glas wird übrigens bestimmt noch teurer, denn seine Herstellung ist sehr energieintensiv. Aber für Köster bestehen Möglichkeiten, gegenzusteuern: „Durch die Vereinbarung von Preisgleitklauseln können wir auf schwankende Preise reagieren. Wir machen das für Teilarbeiten der Gebäude, die erst ein oder zwei Jahre nach Baubeginn anstehen, wo also die Unsicherheit über die Preisentwicklung besonders hoch ist.“ Und: „Sparen lässt sich durch mehr Standardisierung etwa beim Schallschutz oder der Wärmedämmung. Man muss das Rad nicht jedes Mal neu erfinden. Das individuelle Design der Fassade kann trotzdem erhalten bleiben.“ Lesenswert, nicht nur für Bauherren und solche, die es trotz allem noch werden wollen.

          Vielen Dank für Ihre Treue, übrigens gibt es wieder einen F.A.Z. Filmabend für Abonnenten. Er befasst sich am Dienstagabend, dem 6. Dezember, ab 19 Uhr mit dem Patricia-Highsmith-Krimi „Die zwei Gesichter des Januars“ – und lädt im Anschluss zur Diskussion. Hier finden Sie dazu alles Wissenswerte.

          Und wie immer gilt: Sollten Sie ein F+ Abo und Fragen dazu haben, schreiben Sie mir gerne: c.knop@faz.de

          Viele Grüße und einen schönen zweiten Advent

          Ihr Carsten Knop
          Herausgeber
          Frankfurter Allgemeine Zeitung

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