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Das Beste lesen mit F+ : Positive Beziehungsstreits und Debatte ums Gendern

„Warum bist du nicht so, wie ich es mir wünsche?“ – diese Frage schwingt bei Konflikten mit. Bild: Ilkay Karakurt

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          Liebe Leserin, lieber Leser, ein Beziehungsstreit entzündet sich häufig an Banalitäten, oft wissen beide Beteiligten hinterher nicht mehr, worum es ging. Fest steht: Alle Paare streiten. Und das ist gut so. Denn Konflikte sind notwendig, damit sich eine Beziehung weiterentwickeln kann. In Auseinandersetzungen lernt man viel über den anderen, vor allem aber: über sich selbst und den Zustand der Beziehung.

          Felix Hooß
          Verantwortlicher Redakteur für die Paywall bei FAZ.NET.

          Wieso Paare sich über Nichtigkeiten in die Haare kriegen und welche Motive eigentlich hinter dem Streit stecken, darüber hat Ursula Nuber diese Woche in unserer neuen Beziehungskolumne „Besser lieben“ geschrieben. Nuber ist Diplompsychologin, Systemische Psychotherapeutin und Paartherapeutin mit eigener Praxis in der Nähe von Heidelberg. Der Frage „Wie geht Beziehung?“ ist sie schon in Sachbüchern nachgegangen. Sie sagt, dass sich hinter den gegenseitigen Vorwürfen und Anschuldigungen häufig ein Gefühl verbirgt, das die Streitparteien selbst nicht wahrhaben wollen: Verlustangst. Was bedeutet es, wenn der andere sich nicht so verhält, wie man es erwartet? Kann man sich noch auf ihn oder sie verlassen, wenn man sich schon in Kleinigkeiten nicht einigen kann? Ist der Partner, die Partnerin gar nicht der seelenverwandte, verlässliche Mensch, den man sich wünscht? Das Gute ist, dass sich solche „Teufelskreis-Auseinandersetzungen“ beenden lassen und sich die Streitkultur zum Positiven entwickeln kann. Nubers Fazit: „Nur ohne Verlustangst lässt sich richtig miteinander streiten.“

          Gestritten wird auch gerne über das Gendern. Für die einen sind Sternchen und die Kunstpause vor dem „i“ bei „Arbeiter:innen“ ein Ausdruck inklusiven Sprechens, andere fürchten um die Verständlichkeit der Sprache oder Opfer einer sprachlichen Umerziehung zu werden. Kürzlich erschien ein Aufruf unter dem Titel „Wissenschaftler kritisieren Genderpraxis des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ (ÖRR) und „Lingustik vs. Gendern“. Gefordert werden darin eine kritische Neubewertung des angeblich auf Gendergerechtigkeit ausgerichteten Sprachgebrauchs im ÖRR und eine Abkehr davon. Novina Göhlsdorf, Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, hat dazu ein Interview mit der Sprachwissenschaftlerin Damaris Nübling von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz geführt. Nübling kritisiert, die Mehrheit der Unterzeichner des Aufrufs hätte nie in der Linguistik gearbeitet: „Wir schütteln nur den Kopf darüber, dass immer wieder dieselben Argumente, die oft keine sind, und Unterstellungen aufgewärmt werden.“

          Käfer männlich, Bienen weiblich

          Es ist ein interessantes Gespräch geworden, bei dem man viel erfährt, wozu die Genderlinguistik eigentlich so forscht. Nicht allein zur Frage nach dem Verhältnis von Genus, Sexus und Gender, auch etwa dazu, wie das generische Maskulinum unsere Vorstellungen prägt. Das sei im Detail sehr komplex, und da beginne die Wissenschaft, meint Nübling: „Das maskuline Genus bietet eine gewisse Bahnung hin zu einer männlichen Vorstellung, sogar bei unbelebten Dingen oder Tieren. Der Mond wird immer männlich dargestellt, die Sonne weiblich. Der Rhein wird als Mann dargestellt, die Mosel als Frau. In Kinderbüchern tragen Bären und Käfer meist männliche Namen, Bienen und Mäuse weibliche. Es gibt dort eine 90-prozentige Korrelation zwischen Genus und Geschlecht.“ In der Debatte zur sogenannten Gendersprache appelliert Nübling, diese entspannt und tolerant zu führen. Klar ist: Zu dem Thema ist sicher nicht das letzte Wort gesprochen.

          Wer in Russland gegen Putins „Spezialoperation“ in der Ukraine protestiert, lebt gefährlich. 16.000 Menschen sind in Haft gekommen, nachdem in den ersten Kriegswochen viele aus Protest auf die Straße gegangen waren. Umfragen wollen belegen, dass der russische Präsident durch den Krieg noch populärer geworden ist. Öffentlicher Widerspruch ist nicht machbar, das Risiko zu groß. „Aber der Widerspruch ist nicht weg. Die Leute sind ganz klar sehr unzufrieden“, sagt Leonid Wolkow. Er ist ein enger Vertrauter Alexej Nawalnyjs und mit ihm hat Konrad Schuller, Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin, gesprochen. Dass in Russland Grabesruhe herrsche, sei eine Fehlwahrnehmung, sagt Wolkow.

          Die meisten, die eine öffentliche Funktion in der Demokratiebewegung in Russland hatten, mussten ins Exil gehen oder sitzen im Gefängnis. Die Strukturen ließen sich aber schnell wieder aufbauen, erzählt Wolkow. Er setzt auf die „Generation 2022/2023“: „Junge Leute, die normalerweise zu uns kommen würden. Das können sie jetzt nicht. Aber wir wissen: Sie sind da.“ Für die Demokratie in Russland sieht er drei Möglichkeiten: Putins biologisches Ende, ein innerer Machtkampf oder eine Volksrevolte.

          Das war es für den Moment. Unser Herausgeber Carsten Knop weilt im verdienten Sommerurlaub, weshalb sich an dieser Stelle nächste Woche meine Kollegin Julia Bähr bei Ihnen melden wird. Sollten Sie in der Zwischenzeit Fragen zu unserem Digitalabo F+ haben, schreiben Sie mir gern: f.hooss@faz.de. Viele Grüße!


          Ihr Felix Hooß
          Verantwortlicher Redakteur für die Paywall
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