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Das Beste lesen mit F+ : Warum Bitcoin kein Rentenmodell ist und Schweden clever anlegt

Bitcoin ist ein Phänomen – aber trotzdem mit Vorsicht zu genießen. Bild: AFP

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          Liebe Leserin, lieber Leser, es müsste anders sein, aber es ist so, wie es ist: Das Thema Rente spielt im Bundestagswahlkampf, der heute sein Ende findet, eine viel zu kleine Rolle. Dabei ist die demographische Entwicklung eindeutig, an neuen Ideen zur finanziellen Absicherung im Alter kommt niemand vorbei. Deshalb ist es interessant, das Gespräch zu lesen, dass die Wirtschaftsredakteure Sebastian Balzter und Dennis Kremer mit Richard Gröttheim geführt haben, dem Chef des schwedischen Pensionsfonds AP7. Denn der schwedische Pensionsfonds gilt als Vorbild für Deutschland. Er ist staatlich, legt aber dennoch einen Teil der Rentenbeiträge aller Schweden in Aktien an. Verlieren die Schweden ihre Rente, wenn die Kurse an der Börse fallen?

          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Grötheim sagt, wenig überraschend, nein. Nur 20 Prozent der Beiträge gingen in Aktien. „Jeder Beitragszahler kann dafür unter mehr als 400 verschiedenen privaten Fonds wählen. Wer keine eigene Wahl trifft, vertraut seine Beiträge automatisch uns zur Anlage an. Dafür entscheiden sich die meisten Schweden. Wir haben in den vergangenen 20 Jahren damit im Durchschnitt 11 Prozent Rendite erzielt. Die privaten Fonds kamen im Durchschnitt auf 7 Prozent.“ Das System erscheint sehr flexibel und auf individuelle Mitentscheidungen der jeweiligen Beitragszahler ausgerichtet zu sein. Lesenswert – und vielleicht auch nachahmenswert. Leider, so sagt Gröttheim, stehe sein System aber nur Schweden offen. Schade. Übrigens: Wer absolut keine Aktien haben möchte, kann auf Fonds ausweichen, die nur in festverzinsliche Papiere investieren. „Aber ich würde das niemandem empfehlen“, sagt der Renten-Fachmann.

          Apropos Geldanlage und Fachleute. Ulrich Bindseil ist Generaldirektor für Marktinfrastrukturen bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Vorher war der Ökonom sieben Jahre lang Generaldirektor für Marktgeschäfte, drei Jahre stellvertretender Generaldirektor im selben Geschäftsbereich und vier Jahre lang Leiter des Risikomanagements. Jürgen Schaaf ist Berater im selben Geschäftsbereich der EZB wie Bindseil. Der Ökonom konzentriert sich auf digitale Zentralbankwährungen und moderne Massenzahlungsstrategien. Beide haben einen interessanten Gastbeitrag für uns geschrieben. Ihre These: Die Verheißungen der populärsten Krypto-Anlage Bitcoin sind unerfüllbar, seine Makel werden unterschätzt. Sie haben aufgeschrieben, warum der Bitcoin aus ihrer Sicht mehr Spuk als Spielerei ist und auch in der Nachhaltigkeit versagt. Offenbar handelt es sich hier also nicht um einen guten Renten-Anspar-Ersatz. Vielleicht noch zur grundsätzlichen Information: Technisch ist eine Blockchain eine Kette von Datenblöcken, die über die Zeit weiter fortgeschrieben wird und als verteiltes Register geführt wird. Zum Beweis müssen die Rechner für jeden Block jeweils ein mathematisches Kryptorätsel lösen, wofür mit Transaktionsgebühren sowie neu geschaffenen Bitcoins eine Belohnung winkt. Neue Bitcoins werden durch dezentrales „Mining“ unzähliger Nutzer und deren Rechner geprägt. Die maximale Gesamtzahl von Bitcoins ist technisch auf rund 21 Millionen begrenzt, wovon bereits knapp 19 Millionen im Umlauf sind.

           Wir bleiben beim Geld, oder jedenfalls in der Wirtschaft. Sagt Ihnen der Unternehmensname Sartorius etwas? Sollte er! Denn kein börsennotiertes Unternehmen in Deutschland hat sich in den vergangenen zehn Jahren, gemessen am Aktienkurs, so gut entwickelt wie Sartorius. Amerika hat Elon Musk und Tesla. Deutschland hat Joachim Kreuzburg und Sartorius. Die sind zwar nicht so schillernd wie der amerikanische Elektroautopionier und Weltraumflieger, aber sehr verlässliche Lieferanten von positiven Überraschungen für ihre Aktionäre. 2003 übernahm Kreuzburg die Unternehmensführung als junger Mann von Utz Claasen. Damals betrug der Börsenwert 94 Millionen Euro. Heute sind es gut 40 Milliarden Euro, also mehr als 400 Mal so viel. Eine ungewöhnliche Entwicklung, vorsichtig ausgedrückt. Am Montag kam Sartorius in den Dax. Unser Wirtschaftsredakteur Daniel Mohr stellt das Unternehmen vor.

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          Ihr Carsten Knop
          Herausgeber
          Frankfurter Allgemeine Zeitung

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