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Clint Eastwood : „Dirty Harry“ wirbelt Staub auf

Clint Eastwood: Szene aus dem umstrittenen Werbespot Bild: Reuters

Ein Chrysler-Werbespot mit Clint Eastwood sorgt in Amerika für politischen Zündstoff. Die Republikaner sind verärgert - obwohl der Schauspieler in ihrer Partei ist.

          Es ist Wahljahr in den Vereinigten Staaten. Parteiengezänk dominiert den politischen Alltag und sorgt dafür, dass in Washington kaum noch etwas ohne Geschrei und Blockadetaktiken durchzusetzen ist. Jede Äußerung wird in diesem Klima sehr schnell zum Politikum, so harmlos sie auch zunächst daherkommen mag. Der Autohersteller Chrysler hat jetzt gerade erfahren, wie viel Zündstoff in dem Begriff „Halbzeit“ stecken kann.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Ein Werbespot mit dem Schauspieler Clint Eastwood, ausgestrahlt während der Halbzeit des Football-Finales Super Bowl am Sonntag, hat die Gemüter in Washington erregt. „Es ist Halbzeit in Amerika“, erklärt Eastwood mit knurriger Stimme, wie man sie aus seinen „Dirty-Harry“-Filmen kennt. Die Botschaft soll Aufbruchstimmung vermitteln: Die Dinge mögen im Moment nicht rosig sein in Amerika, aber die zweite Hälfte stehe ja noch bevor.

          Gefundenes Fressen für Politiker

          Was das alles mit Chrysler zu tun hat? Eastwood führt das Comeback der amerikanischen Autoindustrie als Erfolgsgeschichte an, die nun Vorbild für das ganze Land sein könne. Die Menschen in der Autostadt Detroit hätten fast alles verloren, aber dann hätten alle an einem Strang gezogen, und nun sei die einheimische Autoindustrie wieder kampfbereit. Das könne auch dem Rest Amerikas gelingen: „Dieses Land geht nicht nach einem Schlag k.o. Wir stehen direkt wieder auf.“ Chrysler selbst taucht erst ganz am Ende des zweiminütigen Spots auf, als die Markenlogos eingeblendet werden.

          Eastwood hat in seinem Leben bei den meisten Wahlen für Republikaner gestimmt

          Der Spot war ein gefundenes Fressen für Politiker aus beiden Lagern. Demokraten waren begeistert, Republikaner verärgert. Präsident Barack Obama versucht, im angelaufenen Wahlkampf die Rettung von Chrysler und General Motors mit Staatskrediten als einen der größten Erfolge seiner ersten Amtszeit zu verkaufen, der Hunderttausende von Arbeitsplätzen bewahrt habe. Erst kürzlich in seiner Rede zu Lage der Nation sagte er mit Verweis auf die Erholung der einheimischen Autohersteller: „Was in Detroit geschieht, kann auch in anderen Industrien geschehen“ - und schlug damit in die gleiche Kerbe wie der Chrysler-Werbespot. Viele Republikaner verteufeln dagegen die unter Obama vergebenen Staatshilfen, ob an Banken oder an Autohersteller.

          Dankeschön von Chrysler an Obama?

          Manche Republikaner argwöhnten sofort, der Eastwood-Werbespot sei nicht in erster Linie Marketing für Chrysler, sondern für Obama. Der Begriff „Halbzeit“ wurde als Anspielung verstanden, dass Obama eine zweite Hälfte - sprich eine zweite Amtszeit - vor sich habe. Karl Rove, der mächtige frühere Berater von Obama-Vorgänger George W. Bush, interpretierte die Werbung als eine Art Dankeschön von Chrysler an Obama: „Die Führungsmannschaft von Autoherstellern meint, sie müsse sich bei ihren politischen Gönnern revanchieren“, wetterte Rove im Fernsehsender Fox News und fügte hinzu: „Der Präsident der Vereinigten Staaten und seine politischen Lakaien geben im Prinzip Steuergelder aus, um Werbung für Unternehmen zu kaufen.“

          Obama schlägt in die gleiche Kerbe: „Was in Detroit geschieht, kann auch in anderen Industrien geschehen“

          Demokraten schlugen ganz andere Töne an. Obama-Berater David Axelrod schwärmte kurz nach der Ausstrahlung in einem Eintrag auf Twitter: „Kraftvoller Spot.“ Chrysler-Vorstandsvorsitzender Sergio Marchionne gab sich am Tag danach unschuldig: Der Werbespot habe „null politischen Inhalt“ gehabt, sagte er in einem Radiointerview. Clint Eastwood selbst ließ ebenfalls mitteilen, er habe keine politische Botschaft verbreiten wollen.

          Eastwood ist eingetragener Republikaner

          Freilich ist Eastwood in Hollywood eine politisch besonders aktive Figur - so sehr, dass es auf Wikipedia zusätzlich zu seinem persönlichen Profil einen separaten Eintrag über sein politisches Leben gibt. Eastwood war in den achtziger Jahren Bürgermeister der kalifornischen Kleinstadt Carmel, im vergangenen Jahrzehnt war er in der Führung der Behörde, die für Naturparks in Kalifornien zuständig ist.

          Der 81 Jahre alte Clint Eastwood ist eingetragener Republikaner und zählt damit zu einer Minderheit in der Unterhaltungsindustrie, die sonst den Demokraten nähersteht. Bei gesellschaftlichen Brennpunktthemen wie Abtreibung oder Homosexuellenehe ist er zwar liberal, in fiskalpolitischen Fragen dagegen konservativ. Er hat in seinem Leben bei den meisten Wahlen für Republikaner gestimmt, so auch 2008, als er nicht Obama unterstützte, sondern den republikanischen Herausforderer John McCain. Das freilich gibt seinem Auftritt in dem Werbespot für Chrysler und der anschließenden Negativreaktion unter den Republikanern reichlich Ironie. In einem Interview mit der „Los Angeles Times“ im vergangenen Herbst sagte er, er sei ein Gegner von Staatshilfen für Banken und Autohersteller.

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