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Christian Wulff und sein Sprecher : Die Rückkehr der Zwillinge

Ex-Bundespräsident Christian Wulff und sein ehemaliger Sprecher, Olaf Glaeseker (r), begrüßen sich auf einem Flur im Landgericht in Hannover Bild: dpa

Christian Wulff und sein Sprecher Olaf Glaeseker hatten ihr Verhältnis 2011 jäh gekappt. Doch als sie nun gegeneinander aussagen sollten, harmonierten sie wieder wie früher.

          Anfang der Woche nimmt Christian Wulff im Großen Saal des Landgerichts Hannover auf einem ungewohnten Stuhl Platz: am Zeugentisch, dem Richter direkt gegenüber. Auf der Anklagebank sitzt diesmal nicht er selbst, sondern Olaf Glaeseker, sein früherer Sprecher und engster Vertrauter. Wulff soll ihr Verhältnis charakterisieren, er erzählt eine Geschichte: Wenn sie früher auf Wahlkampftour durch Niedersachsen gewesen seien, hätten die Journalisten im Wahlkampfbus oft gestaunt. Denn wenn sie eine Frage erst dem Pressesprecher stellten und wenig später dem Ministerpräsidenten selbst, bekamen sie zweimal exakt dieselbe Antwort – obwohl Glaeseker ganz vorne im Bus saß und Wulff hinten. „Wir tickten sehr gleich und wussten, wie der andere denkt“, sagt Wulff. Mit keiner anderen Person habe er in jenen Jahren mehr Zeit verbracht – nur eine Grenze habe es gegeben: „Wir haben unsere Beziehung als siamesische Zwillinge nicht ausgedehnt auf Urlaube.“

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Unsere Beziehung als siamesische Zwillinge – das hat Wulff früher öfter gesagt, in den glorreichen Zeiten. Doch seitdem beide ins Visier der Justiz gerieten, kam ihm der Vergleich nicht mehr über die Lippen. Glaeseker war für Wulff fortan der große Unbekannte in seinem Leben, der alles über ihn wusste, aber über sein eigenes Privatleben nie etwas preisgab. Jäh hatte Wulff das Band vor Weihnachten 2011 gekappt, als ihn Anfragen nach privaten Urlaubsreisen Glaesekers zum Eventmanager Manfred Schmidt erreicht hatten. Der Sprecher musste gehen, Wulff verabschiedete sich nicht einmal. Nach zwölf gemeinsamen Jahren. Glaeseker sprach später von „psychischen Grenzerfahrungen“.

          „Ich fühle mich ihm immer freundschaftlich verbunden“

          Und nun sind sie gleich zweimal in kurzer Zeit aufeinandergetroffen. Im Januar musste Glaeseker gegen Wulff aussagen, diese Woche Wulff gegen Glaeseker. Siamesische Zwillinge – das Bild trifft es gut: Ihre Schicksale sind fest miteinander verbunden. Die beiden können gemeinsam abstürzen, wenn sie sich wechselseitig belasten. Oder sich gemeinsam aus dem Schlamassel ziehen, wenn sie es lassen. Nach den Vernehmungen ist klar: Christian Wulff und Olaf Glaeseker haben auf wundersame Weise wieder zueinandergefunden. Dem einen fallen ganz plötzlich noch ein paar wichtige Details ein, während sich der andere an nichts mehr erinnern kann.

          Bei der ersten Begegnung im Januar wirken beide angespannt. Wulff sucht Glaesekers Blick, der starrt geradeaus. In anderthalb Stunden dreht er nicht einmal den Kopf nach links, wo Wulff sitzt, nur drei Meter entfernt. Glaeseker, hochgewachsen, stützt sich auf den Tisch, spricht leise und bedächtig. Wie es in ihm zugeht, verrät nur sein rechter Fuß. Glaeseker presst die Zehenspitzen auf den Boden, der Fuß zuckt, das Bein vibriert. Alle paar Minuten geht das so. Als er nach seinem Verhältnis zu Wulff gefragt wird, sagt Glaeseker: „Ich fühle mich ihm immer freundschaftlich verbunden.“ Zu sehen ist das nicht.

          Aber darauf kommt es auch nicht an. Glaeseker sagt aus, dass Wulff und der Filmunternehmer David Groenewold „Freunde“ seien. Er berichtet von engen, persönlichen Kontakten. Dass die abrupt endeten, als Wulff Bundespräsident wurde, obwohl beide in Berlin fast Nachbarn waren, behält er für sich. Der Richter fragt nach dem Film „John Rabe“, es geht nun um den Kern des Prozesses. Ließ Wulff sich von Groenewold erst zum Oktoberfest einladen, um sich danach bei Siemens für dieses Filmprojekt Groenewolds zu verwenden? „Ich weiß darüber gar nichts“, sagt Glaeseker. Wirklich nicht?

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