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China : Die Sache mit dem Krokodil im Fischteich

  • -Aktualisiert am

Der Kunstmarkt in Festland-China hat ganz eigene Spielregeln. Es geht dabei natürlich um Geld, aber auch um kulturelle Identität wird gekämpft.

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          Der chinesische Kunstmarkt scheint sich nach dem Einbruch von 2012 wieder erholt zu haben. Die beiden größten chinesischen Auktionshäuser Guardian und Poly meldeten bei ihren Herbstversteigerungen einen Anstieg der Erlöse um 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch größer ist der Abstand, wenn man die Verkaufsberechnungen, die der Branchendienst Artron für 2013 vorgenommen hat, denen von Artnet für 2012 gegenüberstellt: eine Steigerung von 29 Milliarden auf 57 Milliarden Yuan, umgerechnet knapp 6,8 Milliarden Euro. Die Verunsicherung, die durch den damals bevorstehenden Führungswechsel in der Kommunistischen Partei und die willkürliche Verfolgung von vermeintlichen und tatsächlichen Steuerhinterziehern ausgelöst worden war, ist offenbar gewichen. Brancheninsider vermuten, dass sich in der Zwischenzeit neue Spielregeln etabliert haben und sich alle Beteiligten wieder sicherer fühlen.

          Der Kampf der neuen Regierung gegen Korruption geht allerdings weiter - und damit auch gegen die „kultivierte Bestechung“ mit Kunst; der umgangssprachliche Begriff hat es jetzt sogar bis in einen offiziellen Bericht der zuständigen Behörde gebracht. Diese verdeckte Form von Korruption hat viele Spielarten. In der Grundform wird ein Beamter mit einer wertlosen Fälschung beschenkt, an der kein Korruptionsfahnder etwas aussetzen könnte. Eine Vertrauensperson des Beamten bietet das Objekt dann aber auf einer Versteigerung zum Verkauf an, wo es einen überraschend hohen Preis erzielt; der Käufer ist wiederum eine Vertrauensperson des Schenkers, wodurch sich der Kreis schließt und das Bestechungsgeld seine Bestimmung findet, ohne dass es verdächtige Spuren hinterlässt. In einem weiteren Schritt könnte der Besitzer seine im Preis nun mächtig gestiegene Fälschung ein weiteres Mal verschenken: Trotz des hohen Handelswerts braucht der Beschenkte auch diesmal nichts zu befürchten, weil eine offizielle Prüfung jederzeit nur feststellen würde, dass es sich objektiv um eine billige Fälschung handelt. Der Maler und Kurator Jiang Yinfeng geht so weit zu sagen: „Kunst ist die beste Methode für Geldwäsche und Korruption geworden.“

          Die Zahl der Sammler wächst

          Nicht alle Kunstkäufer sind Kriminelle, und die Zahl der Sammler wächst: Der im Januar veröffentlichte „Hurun“-Report meldet, dass siebzig Prozent der chinesischen Reichen und achtzig Prozent der Superreichen „Sammeln“ als ihr bevorzugtes Hobby angeben und dass die Kunst zum ersten Mal die Uhren von ihrem Spitzenplatz verdrängt hat; dahinter folgen Juwelen und Wein. Vermehrt zeigen einige Sammler ihre Schätze jetzt in eigenen Museen. Der Milliardär Liu Yiqian wird im März schon sein zweites „Drachenmuseum“ für zeitgenössische und ältere Kunst in Schanghai eröffnen, und gleich gegenüber wird im März die erste Ausstellung im neuen Yuz-Museum des indonesischen Sammlers Budi Tek stattfinden.

          Die Zahl der Ultra-high-net-worthindividuals mit mindestens dreißig Millionen Dollar Nettovermögen, von dem sie weltweit knapp siebzehn Prozent für Kunst ausgeben, ist in China 2013 zwar entgegen dem globalen Trend zum ersten Mal seit langem um fünf Prozent gefallen, doch das kann, wie Finanzexperten versichern, daran liegen, dass sie ihr Geld lieber gleich in ihr Unternehmen investieren, statt es zur Bank zu bringen. Außerdem rechnen laut dem jüngsten „European Fine Art Foundation Art Market Report“ 75 Prozent der chinesischen Reichen damit, in fünf Jahren noch reicher zu sein, und diese Erwartung wachsender Ungleichheit ist entscheidend für das Florieren der hochpreisigen Abteilungen der Branche. Die damit in einem nicht nur repressiven, sondern von extremen sozialen Unterschieden geprägten Land wie China verbundenen Probleme bekam auch der als reichste Person Chinas bekannte Immobilienmogul Wang Jianlin zu spüren, als er bei einer New Yorker Christie’s-Auktion im vergangenen November für 28 Millionen Dollar Picassos „Claude et Paloma“ von 1950 erwarb.

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