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Brüsseler Verhandlungsmarathon : Europas Schicksalsnacht

Verhandeln und Zwitschern: Donald Tusk, Jean-Claude Juncker und Jeroen Dijsselbloem nach dem Gipfeltreffen Bild: dpa

Nach fast 17 Stunden kommt am Morgen die Nachricht: Einigung. Der Grexit ist erstmal abgewendet. Doch Tsipras kann trotzdem nur verlegen lächeln. So lief die Nacht in Brüssel ab.

          Die erlösende Nachricht kommt am Montagmorgen um 8.39 Uhr aus den oberen Stockwerken des Justus-Lipsius-Gebäudes und über den Kurznachrichtendienst Twitter. In einem Wort – „Agreement“ (Einigung) – meldet der belgische Premierminister Charles Michel das gütliche Ende des beinahe 17 Stunden währenden Verhandlungsmarathons der Staats- und Regierungschefs der Eurostaaten. „Agreement. Der Tag kann beginnen“, lässt unmittelbar nach dem Belgier auch der Luxemburger Xavier Bettel von sich hören. Auch der maltesische Regierungschef Joseph Muscat zwitschert zu morgendlicher Stunde: „Deal – JM.“.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Wenig später schiebt der Malteser Muscat im 140-Zeichen-Twitter-Format hinterher: Nach der morgendlichen Vereinbarung mit dem Athener Amtskollegen Alexis Tsipras sei es nun Sache der griechischen Regierung, ihre Hausaufgaben schnell zu erledigen. Erst dann könnten die Verhandlungen über ein drittes Hilfsprogramm für das Land beginnen. Details der Einigung sind noch unbekannt. Für die Twitter-Gemeinde ist zu diesem Zeitpunkt dennoch schon klar, dass sich die griechische Regierung in jeglicher Hinsicht der deutschen Regierung unterwerfen musste. Unter dem Hashtag #thisisacoup („Das ist ein Staatsstreich“) kommt eine Lawine der Entrüstung über die deutschen Forderungen ins Rollen.

          Nobelpreisträger lobt kritischen Hashtag #thisisacoup

          Mehr als zweihunderttausend Beiträge aus allen Teilen der Welt laufen in der Nacht über den Kurznachrichtendienst. Vor allem auf Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) richtet sich wegen seines Vorschlags eines vorübergehenden Austritts Griechenlands aus dem Euroraum die Empörung. Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman, der den Kurs der EU in der Eurokrise seit langem kritisiert, meldet sich zu Wort und lobt den Hashtag. Das Vorgehen der Eurogruppe gehe über Strenge hinaus in schiere Rachsucht, unter kompletter Zerstörung nationaler Souveränität, ohne Hoffnung auf Abhilfe: „Es ist vermutlich als Angebot gedacht, das Griechenland nicht annehmen kann – dennoch ist es ein grotesker Verrat an allem, wofür das europäische Projekt eigentlich stehen sollte.“

          Bundeskanzlerin Angela Merkel twittert nicht. Es ist 9.20 Uhr als sie der Presse ihre Sicht der Dinge schildert. Es gehe nun im Verhältnis zwischen Athen und den übrigen 18 Euro-Ländern darum, das wieder aufzubauen, woran es zuletzt gemangelt habe: „Vertrauen“. Es sei noch ein schwieriger Weg bis Verhandlungen über ein neues Hilfsprogramm für Athen beginnen könnten. Dennoch gibt sich die Kanzlerin zuversichtlich, dass das griechische Parlament, wie in Brüssel vereinbart, bis Mittwoch schon eine Reihe von Reformgesetzen beschließen werde. „Ich gehe, im Sinne des Aufbauens von Vertrauen, davon aus, dass das klappt“, sagt Merkel.

          Nur Stück für Stück erschließt sich, wie mühsam die Verhandlungen im EU-Ratsgebäude verlaufen sein müssen. Aus der Chefetage dringt auch während der Verhandlungspausen nur wenig in das Erdgeschoss. Nur selten lassen sich Sprecher der nationalen Delegationen zu nächtlicher Stunde im Pressezentrum blicken – aber auch für sie gilt offenbar die Devise, dass Schweigen in dieser Nacht mehr bringt als Reden.

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