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Demonstration in London : Zehntausende fordern neue Volksabstimmung über Brexit

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Ein junger Mann demonstriert in London gegen das Brexit-Votum Großbritanniens. Er hält ein Schild mit der Aufschrift „ich bin 16, ich will meine Zukunft zurück“ hoch. Bild: EPA

Zwei Jahre nach dem Brexit-Votum fordern in London Demonstranten eine zweite Abstimmung über den Austritt. Doch auch die Befürworter des EU-Austritts machen mobil.

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          Exakt zwei Jahre nach dem Brexit-Referendum haben Zehntausende Menschen in London gegen den Ausstieg aus der Europäischen Union demonstriert. Die Veranstalter sprachen sogar von mindestens 100.000 Teilnehmern, die bei Sonnenschein durch Teile der Hauptstadt bis zum Parlament in Westminster marschierten. Organisator war die Anti-Brexit-Kampagne „People’s Vote“, die eine neue Volksabstimmung fordert – dieses Mal über das Austrittsabkommen.

          An dem Marsch beteiligten sich Menschen unterschiedlicher Nationen. „Ich habe eine italienische Frau, ich selbst arbeite in Cambridge und sie in Rom“, sagte ein 62 Jahre alter Computerspezialist. Auch viele Mitglieder der oppositionellen Labour-Partei, der Liberaldemokraten, aber auch einige der regierenden Konservativen nahmen teil.

          Hunderte Brexit-Anhänger besuchten eine Gegendemonstration in Westminster, bei der unter anderem Fahnen der rechtspopulistischen Ukip-Partei und anderer Gruppierungen geschwenkt wurden.

          Brexit-Hardliner im Kabinett verteidigten anlässlich des Jahrestags den geplanten EU-Ausstieg in einem sehr scharfen Ton. Außenminister Boris Johnson griff in der Zeitung „The Sun“ direkt Premierministerin Theresa May an. Er forderte sie dazu auf, keinen „halbherzigen Brexit“ abzuliefern. Johnson warnte vor einem „Klopapier-Brexit“, der „weich, nachgiebig und scheinbar unendlich lang“ sei. Für seine Wortwahl wurde er von verschiedenen Seiten heftig kritisiert.

          Briten stimmten 2016 knapp für EU-Austritt

          Handelsminister Liam Fox und Brexit-Minister David Davis betonten, dass auch der EU-Ausstieg ohne Abkommen eine echte Option für ihr Land sei. Dies sei kein Bluff, sagte Fox dem Sender BBC.

          Die Briten hatten am 23. Juni 2016 mit knapper Mehrheit – 52 zu 48 Prozent – für die Scheidung von der EU gestimmt. Die ungefähr gleichmäßige Aufteilung der Wähler in EU-Gegner und EU-Befürworter hat sich auch zwei Jahre nach dem Referendum kaum geändert. Ein leichter Vorteil bei EU-Befürwortern in aktuellen Umfragen ist Experten zufolge auf Bewegung bei Nichtwählern zurückzuführen.

          Die Verhandlungen zwischen London und Brüssel verlaufen sehr schleppend. Dabei will Großbritannien bereits Ende März 2019 die Staatengemeinschaft verlassen. Die Regierung ist zwar weiter auf dem Kurs eines harten Brexits mit Ausstieg aus Zollunion und Binnenmarkt, allerdings ist sie auch zerstritten. Unternehmen wie Airbus und BMW werden zunehmend nervös und monieren einen Mangel an Planungssicherheit für ihre Produktionsstätten in Großbritannien.

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